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Superhost: LLA-Schülerinnen entdecken den Tourismus

Ein Leader-Projekt sollte jungen Menschen Lust auf das Berufsbild und die Rolle als „Gastgeberin“ machen.

Elf Schülerinnen der Fachrichtung Betriebs- und Haushaltsmanagement an der LLA Lienz haben in den vergangenen eineinhalb Jahren erlebt, wie vielfältig der Beruf der Gastgeberin sein kann. Von Oktober 2024 bis Jänner 2026 arbeiteten sie im Rahmen des Leaderprojekts „Superhost – Hoamatg’fühl erleben“ mit dem Tourismusverband Osttirol und dem Privatvermieter Verband Tirol zusammen.

Ziel war es, das Berufsbild des Gastgebers gerade für junge Menschen attraktiver zu machen, Nachwuchs in der Privat- und Kleinvermietung aufzubauen und die touristische Gesinnung in der Region zu stärken. Fachlich begleitet wurde das Projekt von der Tourismusberatung Kohl & Partner.

Gruppenbild mit den frischgebackenen „Superhosts“ der LLA Lienz. Elf Schülerinnen haben dieses Zertifikat im Rahmen eines Leaderprojekts erworben. Foto: LLA Lienz

Neun Ganztags-Workshops führten die Schülerinnen quer durch die Welt des Tourismus. Für jeden Workshoptag wurde eine besondere Location gewählt, weil die Teilnehmerinnen neben der Theorie auch möglichst viel Praxis erleben sollten. Die Inhalte waren eng mit dem Unterricht an der LLA verzahnt und ergänzten die Fächer Tourismus, Unternehmensführung sowie Kommunikation in Deutsch und Englisch.

Zum Auftakt definierten die Schülerinnen ihren „Wunschgast“, diskutierten Werte und Mehrwert, entwickelten Visionen und bekamen einen vertieften Einblick in den österreichischen Tourismus. In einem weiteren Workshop stand die Kommunikation mit Gästen im Mittelpunkt, ob am Telefon, vor Ort oder schriftlich. Es ging um den ersten Eindruck, um Körpersprache und darum, welche Stolpersteine im Gespräch mit Gästen besser vermieden werden.

Marketing und Social Media prägten einen der nächsten Schwerpunkte. Die Schülerinnen beschäftigten sich mit verschiedenen Werbemitteln, klassischen Vertriebsaktivitäten und der Frage, wie sich Betriebe online überzeugend präsentieren können. Unter dem Titel „Aktiv verkaufen & Umgang mit Beschwerden“ lernten sie, wie Beratung, Emotion und Vertrauen zusammenspielen.

Neun Ganztags-Workshops führten die Schülerinnen quer durch die Welt des Tourismus. Foto: LLA Lienz

Nachhaltigkeit im kleinen Betrieb wurde in einem eigenen Workshop neu gedacht. Die Verbindung von regionaler Stärke, Umweltbewusstsein und sozialer Verantwortung wurde anhand authentischer Erlebnisse und liebevoll inszenierter Angebote greifbar gemacht. Ein weiterer Baustein widmete sich der Gastgeberrolle, dem Content Marketing und dem Storytelling – also der Kunst, aus einem Betrieb eine erzählbare Marke zu machen.

Daneben ging es auch um harte Fakten und persönliche Ressourcen: Steuern, Zeitmanagement, Resilienz und Organisation. Die Schülerinnen erfuhren, wie Abgaben in der Vermietung berechnet werden, wie sie ihren Alltag strukturieren und mit Stress umgehen können. Rechnungswesen und Preisstrategie waren eigene Themen: In einem Workshop kalkulierten die Schülerinnen Zimmerpreise und erarbeiteten zehn Schritte, wie eine sinnvolle Preisgestaltung entsteht. Den Abschluss bildete ein englischsprachiger Workshoptag, in dem Smalltalk und Kommunikation mit internationalen Gästen in der Fremdsprache trainiert wurden.

Für Direktor Markus Einhauer ist „Superhost“ ein Musterbeispiel dafür, wie Schule und Praxis zusammenfinden. „Dieses Projekt ist großartig, da es Partner von außen in die Schule bringt. Hier kann eine wertvolle Verbindung von Theorie und Praxis entstehen“, betont er. Besonders wichtig sei ihm, dass die Finanzierung durch den Tourismusverband Osttirol und die professionelle Begleitung durch Kohl & Partner das hohe Niveau des Projekts ermöglicht hätten. Für die Schülerinnen sei der praktische Einblick „sehr sinnvoll“, weil ihn der Schulalltag allein so nicht leisten könne.

Abteilungsvorständin Hannelore Frank hatte sich vom Projekt vor allem Netzwerkarbeit mit regionalen Institutionen erwartet – und sieht diese Hoffnung voll erfüllt. Der Schulstandort sei als „passender Projektpartner“ wahrgenommen worden, was die Qualität der Ausbildung bestätige. Für die Schülerinnen bedeute das, bereits während der Schulzeit wichtige Anknüpfungspunkte für ihre spätere Berufs- und Lebensplanung zu knüpfen.

Wie das Programm bei den Jugendlichen ankam, beschreibt Schülerin Elena Mattersberger. Ihr hat „Superhost“ gut gefallen, weil sich vieles direkt für das eigene Leben mitnehmen lässt. Ein Highlight war für sie, bei der Prädikatisierung von Betrieben dabeizusein und zu sehen, „dass jeder Betrieb auf seine Art und Weise einzigartig ist“. Besonders spannend empfand sie das Gestalten einer Homepage – ein Werkzeug, das heute „wirklich jeder Vermieter und jede Vermieterin“ braucht.

Für den Tourismusverband Osttirol ist „Superhost“ ein Pionierprojekt mit Signalwirkung. Geschäftsführerin Barbara Nussbaumer betont, dass man junge Menschen frühzeitig für die Privatzimmervermietung sensibilisieren müsse, um diesen Bereich langfristig abzusichern. Dass ab Herbst 2026 zwei weitere Tourismusverbände in Nordtirol nach dem Osttiroler Modell mit „Superhost“ starten, wertet sie als Beleg für den Erfolg und die Vorbildwirkung des Projekts.

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