Der neue medizinische Geschäftsführer der landeseigenen tirol kliniken, Thomas Klestil, will künftig einen Schwerpunkt auf den Ausbau der tagesklinischen Leistungen legen. In diesem Bereich ortete er noch „viel Luft nach oben“, sagte Klestil am Montag bei seiner Antrittspressekonferenz in Innsbruck. Zudem will der gleichnamige Sohn des früheren Bundespräsidenten einen stärkeren „Einfluss auf die Patientenströme“ in den einzelnen Häusern nehmen.
Es gebe sehr viele Operationen, die in allen Häusern durchgeführt werden. „So ein tolles Zentrum wie Innsbruck sollte sich vornehmlich auf ‚Hardcore-Fälle‘ konzentrieren“, nannte der 62-Jährige etwa mit Polytrauma- oder Herz-OPs zwei Beispiele. Es sollte nicht immer die „Geografie“ – also das wohnortnächste Spital – für die Wahl des Krankenhauses ausschlaggebend sein.

Der Top-Mediziner ortete „durchaus noch Potenzial, stationäre Leistungen viel häufiger tagesklinisch verrichten zu können“. Zudem habe er „noch nie erlebt“, dass Patienten – sofern möglich – lieber eine Nacht im Krankenhaus verbracht haben, als nach dem Eingriff nach Hause zu gehen. Zudem sei es für die Steuerzahler „viel günstiger“, nannte Klestil, der mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Stefan Deflorian die Geschäftsführung bildet, ein ökonomisches Argument.
Spitalsschließungen in Tirol laut Klestil nicht sinnvoll
Die Häuser der tirol kliniken in Innsbruck, Hall, Hochzirl und Natters hätten jedenfalls allesamt eine „gute Größe“. Während Klestil bei anderen Bundesländern sehr wohl der Meinung war, dass Spitalsschließungen „da und dort sinnvoll“ sein könnten, teile er diese Meinung für Tirol nicht. Die Spitalslandschaft sei insgesamt „sehr ausgewogen und sehr gut aufgestellt“.
Dem pflichtete auch die bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesende Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) bei: „Jedes einzelne Haus ist notwendig.“ Schwerpunkte müssten dagegen sehr wohl gesetzt werden, um „Doppelgleisigkeiten“ zu vermeiden. Zur Entlastung der Ambulanzen gelte es nun, bei den Primärversorgungseinheiten (PVE) „aufzurüsten“.
Klestil will Ambulanzgebühr offenbar vermeiden
Die Primärversorgungseinheiten sah auch Klestil als ein wesentliches Mittel zur Verbesserung der Situation an den Ambulanzen. Die oftmals geforderte Einführung einer Ambulanzgebühr bezeichnete er dagegen als „umstritten“ und könne letztlich nur „politisch“ entschieden werden. „Ich denke, wenn es uns gelingt, eine ausreichende Zahl an vorgelagerter Struktur zu schaffen, wird die Ambulanzgebühr möglicherweise nie ein Thema werden“, gab sich Klestil optimistisch.
Eine „große Erleichterung“ erwartete er sich indes von Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Vergangene Woche war im Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol der erste KI-Entlassungsbrief (Bezirk Kitzbühel) vorgestellt worden. Überhaupt sei Tirol in Sachen Digitalisierung und Telemedizin ein Vorreiter, meinte er und verwies auf das Landesinstitut für Integrierte Versorgung (LIV), das dementsprechende Projekte wie die Teledermatologie oder Herzmobil vorantreibe.
Die enge Kooperation mit der Medizinischen Universität Innsbruck betrachtete Klestil jedenfalls als Gewinn. Zwischen ihn und den neuen Rektor der Med Uni, Gert Mayer, passe „kein Blatt“. Vergangene Probleme wie etwa bei Streitigkeiten rund um die Pathologie, waren offenbar passé. „Wir werden auch in Kürze einen neuen Geschäftsführer begrüßen dürfen“, kündigte Klestil eine Personalie für die Innpath, der Pathologie-Gesellschaft der tirol kliniken, an.
Mediziner kehrt in „Heimat“ zurück
Für Klestil bedeutete indes die Bestellung in Innsbruck auch ein „Nach-Hause-Kommen“. Im Jahr 1989 war er als junger Mediziner nach Tirol gekommen, dort habe der 1963 in Washington Geborene seine „zweite Heimat“ gefunden, die „sehr schnell zu meiner ersten Heimat“ geworden sei. Von 2003 bis 2009 war er stellvertretender Vorstand der Innsbrucker Universitätsklinik für (damals noch) Unfallchirurgie. Seit 2023 war Klestil zudem stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Tirol Kliniken GmbH. Die vergangenen 17 Jahre verbrachte er indes in Niederösterreich.
Dort baute der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Landesklinikum Baden und Mödling die Abteilung für Orthopädie und Traumatologie auf, zudem agierte er als Zielsteuerungs-Koordinator des Landes Niederösterreich. Darüber hinaus arbeitete der Professor an der Donau-Universität Krems.
Für Hagele war die Bestellung Klestils, der ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren durchlaufen hatte, jedenfalls ein „ganz großer Gewinn“. Klestil vereine medizinische Expertise und Management-Fähigkeiten in einer Person. Gleichzeitig bedankte sie sich bei Klestils Vorgänger Christian Haring, der mit Jahresbeginn in den Ruhestand wechselte. Dieser habe die Klinik wesentlich weiterentwickelt.
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