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TVBO Vollversammlung: Viele Nehmer, wenig Geber

Kaum 40 Stimmberechtigte erlebten Franz Theurl ungebremst und sahen den Nachfolger von Gerhard Föger. 

Von 120 Sesseln im Debanter Gemeindesaal blieben bei der Vollversammlung des TVBO am 28. Jänner zwei Dutzend leer und auf den restlichen Plätzen saßen, gefühlt, deutlich mehr TVBO-Mitarbeiterinnen, Bürgermeister und Vertreter:innen diverser Organisationen, als zahlende Mitglieder des Verbandes. Auffallend: Nicht ein einziger Vertreter der Industrie und keiner der großen „Geber“ fand den Weg in die Debant, diesmal auch kein Mitglied der Familie Schultz.

Bei der – wie erwartet reibungslosen – Genehmigung der Jahresbilanz 2024 und der Entlastung der Funktionäre gingen kaum 40 Hände mit Stimmkarten in die Höhe, darunter auch jene von Elisabeth Blanik, für die dieses Event eine Premiere war. Zur Erinnerung: Der TVBO hat mehr als 4.000 zahlende Mitglieder.

FAG-Vorständin Elisabeth Kreuzer (links) und die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. Fotos: Dolomitenstadt/Pirkner

Was waren die wesentlichen Fakten an diesem Abend? Zum einen muss man klar festhalten, dass der Osttiroler Tourismusverband die finanziellen Krisen der frühen Fusionsjahre überwunden hat und auf einem sehr soliden Fundament steht. In den vergangenen zehn Jahren – von 2015 bis 2025 – sank der Schuldenstand von 9 Millionen auf 963.300 Euro, denen Guthaben von 2 Millionen Euro gegenüberstehen. Ein Verschuldungsgrad von weniger als zehn Prozent und eine Eigenkapitalquote von über 80 Prozent sind durchaus beeindruckend. 

In diesen zehn Jahren veränderte sich aber die Einnahmensituation des Verbandes gravierend. 2015 wurden rund 5 Millionen Euro an Pflichtbeiträgen und rund 3 Millionen Euro an Aufenthaltsabgaben eingenommen. Mittlerweile ist das Budget auf über 11 Millionen Euro angewachsen.

6,3 Millionen Euro steuern die Osttiroler Unternehmen über Zwangsabgaben bei, 4,5 Millionen kommen aus Aufenthaltsabgaben der Gäste, die pro Nächtigung 2,60 in den Topf des TVBO einzahlen. Franz Theurl wünscht sich hier eine Anhebung auf 3,50 Euro. Nach seiner Rechnung würde das mehr als 5,7 Millionen Euro in die Verbandskassen spülen. 

Auch nach Jahrzehnten in dieser Funktion lässt Franz Theurl, operativ tätiger Obmann des TVBO, keine Ermüdungserscheinungen erkennen. Im Hintergrund: Aufsichtsratsvorsitzender Hansjörg Mattersberger.

Apropos Nächtigungen: Deren Zahl und Verteilung bleibt, abgesehen vom Covid-Debakel, seit vielen Jahren mit leichtem Auf und Ab im selben Spektrum. Im Winter schafft Osttirol knapp 900.000 Nächtigungen, im Sommer gut 1,2 Millionen. Das war auch schon 2018/19 so. Über den Daumen gepeilt kann man sagen, dass ein Viertel dieser Nächtigungen die gehobene Hotellerie beisteuert, also die 4- und 5-Sterne-Betriebe. 

Wie das Geld des TVB Osttirol verteilt wird, erfuhr man auch bei dieser Vollversammlung nur in groben Zügen. So stehen gut 4 Millionen Euro für Marketing zur Verfügung. Eine Aufgliederung nach Kampagnen oder medialen Kanälen gibt es nicht, Marketingfrau Victoria Ranacher-Lackner erweckte in ihren Ausführungen einmal mehr den Eindruck, dass das Internet und hier vorwiegend Social Media den Großteil der Summe aufsaugt. 

Fast vollständig vertreten war das Team des TVBO, das für sein Engagement von sämtlichen Vorgesetzten viel Lob einheimste.

Wofür wird bei einem Budget von rund 11,5 Millionen Euro das restliche Geld ausgegeben? Mit fast 3,3 Millionen Euro schlagen sich Verwaltung und Personal zu Buche, 900.000 Euro machte 2025 die Schuldenrückzahlung aus, und annähernd 3 Millionen Euro wurden unter dem Posten „Infrastruktur“ verbucht. 

Diese Summe und der mit mehr als 700.000 Euro dotierte Topf „Regionalaktivitäten“ sind wohl auch der Grund für die Anwesenheit vieler „Nehmer“, also Gemeinden und Organisationen, die vom TVBO profitieren. Beispiel: 130.000 Euro steuert der Verband allein zum Lienzer Stadtfest bei. „Wir tun wahnsinnig viel für die heimischen Menschen,“ sagt Franz Theurl. 

Er tritt in die markanten Fußstapfen von Gerhard Föger als Leiter der Tourismusabteilung des Landes: Paul Tolloy.

Bevor nach vielen Zahlen, einer charmanten Vorstellung des Projekts „Superhosts“ und einigen Marketinggags zu Würstl und Bier geschritten wurde, lernte das Publikum in Debant auch den Nachfolger des legendären „Tourismus-Hofrats“ Gerhard Föger kennen. Paul Tolloy leitet nun die Tourismusabteilung des Landes, er lobte in einem kurzen Statement die Arbeit der hiesigen Touristiker und ließ sich auch von den mehr oder weniger unverblümt vorgetragenen Wünschen nach üppiger Landesförderung nicht aus der Fassung bringen. 

Unter „Allfälliges“ war dann auch noch die APG-Stromtrasse ein Thema, bei dem Franz Theurl zwischendurch in die Rolle des Lienzer Gemeindepolitikers schlüpfte und darauf verwies, dass er der mächtigen APG bereits schriftlich klargemacht habe, dass die Stromleitungen in Lienz und Obertilliach unter die Erde müssen. Ergebnis: „Die wollen mit mir sprechen.“ 

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

10 Postings

Vlad Tepes
vor 6 Tagen

Heimischer Tourismus mit neuem Höchstwert - ist heute eine Schlagzeile auf ORF.at. Trotz ständiger Rekordmeldungen und Selbstbeweihräucherung schaffen es die ewigen Sesselkleber und ihre Handlanger nicht, neue Angebote zu schaffen oder bestehende zu erhalten (Hochstein). Wäre die Aufgabe von Tourismusfunktionären und Politikern - Ein Armutszeugnis

 
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wolfgangwien
vor 7 Tagen

Da werden super Bilanzzahlen präsentiert und dann will man noch eine Erhöhung der Abgaben? Warum? Es wäre eher eine Senkung angebracht!

 
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Biker
vor 7 Tagen

Meine TVB Zwangsabgabe wird mit anständigen Aufschlag in den Rechnungen meiner Touristikerkunden untergebracht. Die dürfen sich ihr Marketing selbst finanzieren.

 
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denker
vor einer Woche

eine vollversammlung in der mitten saison ist ja auch perfekter termin. saisonsbetriebe haben ja sonst nichts zu tun !!

 
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    MVP
    vor 7 Tagen

    i denk, es ist jedem interessierten unter der woche möglich, sich einen abend freizunehmen um an der versammlung teilzunehmen. scheinbar interressieret es aber nur sehr wenige. hätten die ewigen nörgler wirklich was zu sagen oder beizutragen, wäre der saal vollkommen überfüllt gewesen

     
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      senf
      vor 7 Tagen

      nana, @MVP, was haben denn so manche kritische stimmen bei den seinerzeit stark besuchten JHV anderes bewirkt als ein überheblich empfundenes lächeln vom podest und den landläufigen spruch "lieber den schwanz einziehen".

      klar, einnahmensummen in den kostensparten interessiert die wenigsten. interesssant und ausschlaggebend wären die details auf der ausgabenseite. zum bespiel jahresleistung des tvb an die lienzer bb, begründung des enorm gestiegenen personalaufwandes (400.000?), miet- und betriebskosten servicebüros, sponsorenbeiträge für diverse sport- und eventveranstaltungen, ersatzhonorare/spesen, mehrkosten oder die verwendung frei verfügbarer mittel, direktvergaben oder auch die zuordnung (besser vermischung) der einzelpositionen in der buchhaltung u. v. a. m.

      man hörte, dass der tvb weit über 2 mio € gefüllte giro- und festgeldkonten verfügt, und man staune, knapp 500.000 € kostete eine Wegausgestaltung, man kritisiert zugleich den investitionsstau bei privatzimmervermietern, ruft aber zugleich nach erhöhung der ortstaxe. andere machens ja eh schon vor!

      aja, und die früher so locker abrufbaren EFRE-mitteln sind dem anschein nicht mehr so leicht lukrierbar. das versteht wer will.

      dass nix geschieht, behauptet ja kaum jemand!

       
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    Servus
    vor 7 Tagen

    Im Lienzer Talboden herrscht Totentanz. Aber ich kann verstehen, warum da keiner hingeht. Auch eine Art des Protest.

     
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AkaLienz
vor einer Woche

Die fehlende plätze hät man mit die seilklemmen und ersatzteil von dem pistenbulli besetzten kennen. na spaß super ihr boomer.

 
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Her Anonym
vor einer Woche

4 Mio fürs marketing ...?! Was machen die dort? Mit richtigem Marketing geht man auch ohne riesen Geldsummen Viral im Internet ....

 
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    MVP
    vor einer Woche

    na dann mach mal... da franz is da fürs richtige marketing sicher dankbar

     
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