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Leben Österreichs Hühner auf einer „Insel der Seligen“?

Obwohl das Land seinen Eigenbedarf fast decken könnte, werden täglich 1,5 Millionen Eier importiert.

Die österreichische Eierproduktion unterscheidet sich in einigen Punkten von der internationalen. Die Standards betreffend das Tierwohl sind hierzulande derart hoch, dass Hannes Royer, Gründer des Vereins „Land schafft Leben“, gar von einer „Insel der Seligen“ spricht: Jegliche Form der Käfighaltung ist seit 2020 verboten, weit über jede dritte Legehenne lebt sogar im Freiland. Zudem gibt es im hiesigen Lebensmittelhandel ausschließlich österreichische Frischeier zu kaufen, die auch entsprechend gekennzeichnet sein müssen.

Dazu kommt, dass Österreich mit etwa 2,2 Milliarden produzierten Eiern pro Jahr den eigenen Bedarf fast nahezu decken kann. Der Selbstversorgungsgrad beträgt rund 90 Prozent. Dennoch bringen externe Faktoren, wie die Vogelgrippe, das System auch hierzulande ins Wanken. Momentan führt die Vogelgrippe im Ausland zu einem deutlichen Rückgang der Legehennenbestände, während der Eierbedarf in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

In Österreich lag der Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2024 bei rund 250 Eiern pro Jahr. Hinzu kommt, dass die Nachfrage in den letzten beiden Monaten traditionell besonders hoch war – rund um Weihnachten und die Wintertourismus-Saison – und sich zu Ostern erneut deutlich erhöhen wird. 

Eierimporte indirekt aus Drittstaaten

Zwar kommt es nicht regelmäßig zu Engpässen, doch wirkt sich die Knappheit am europäischen Markt indirekt auch auf Österreich aus. Täglich importiert Österreich 1,5 Millionen Eier, größtenteils aus Deutschland, was aber nicht heißen muss, dass die Eier auch von deutschen Hennen gelegt wurden. Grund dafür sind Re-Exporte: Beispielsweise kann Deutschland Eier aus der Ukraine importieren und sie dann weiter exportieren, etwa für den Großhandel oder in Form verarbeiteter Lebensmittel wie Kuchen, Nudeln oder Mayonnaise. Als Herkunftsland ist trotzdem Deutschland angegeben.

Auf jedem in Österreich verkauften Ei muss verpflichtend das Herkunftsland und die Haltungsform angegeben werden. Bei verarbeiteten Produkten entfällt diese Pflicht. Grafik: Land schafft Leben

Vor allem diese Importeier, die hierzulande ausschließlich in Großmärkten verkauft werden, sind aktuell nur zu erhöhten Preisen zu bekommen. Deshalb weichen viele Großhändler auf den Lebensmitteleinzelhandel aus und kaufen selbst im Supermarkt Eier ein – so können Engpässe auch in Österreich entstehen.

Keine Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Produkten

Bei verarbeiteten Produkten muss die Herkunft nicht gekennzeichnet werden, weshalb Konsument:innen bei Fertigprodukten und in der Gastronomie auch über die Haltung der Tiere vielfach im Unklaren bleiben. Aus Sicht von Hannes Royer ist eine bewusste Kaufentscheidung jedoch nur dann möglich, wenn klar ist, woher das Lebensmittel kommt und wie es produziert wurde: „Deshalb fordern wir ganz klar eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung – und zwar überall dort, wo wir mit Lebensmitteln in Berührung kommen."

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