Im Rahmen der zweiten Gemeinderatssitzung des Jahres wurde die weitere Vorgangsweise für die Errichtung bzw. Modernisierung des Kindergartens Heilige Familie festgelegt und einstimmig angenommen. Dabei handelt es sich, wie Bürgermeisterin Elisabeth Blanik einleitend formulierte, neben der Mehrzweck- bzw. Tennishalle um ein „weiteres Projekt, das schon lange ansteht und wo dringender Handlungsbedarf besteht.“
Bislang stand das gesamte Areal im Eigentum der Diözese Innsbruck, nun soll jedoch eine klare Trennung her: Lange Verhandlungen mit Pfarre und Diözese haben, wie Blanik ausführte, zu dem Ergebnis geführt, dass eine ausgewiesene Baurechtsfläche definiert wird, wodurch der Kindergarten aus der Kirche herausgelöst wird.
Baurechtsfläche: 65 Jahre Nutzungsdauer
Bei einer Baurechtsfläche handelt es sich um Bauland, das im Besitz des Grundbesitzers verbleibt, während der Bauherr gegen die Bezahlung des Bauzinses die Erlaubnis erhält, auf dem Grundstück zu bauen bzw. Umbauarbeiten vorzunehmen. Im konkreten Fall verbleiben somit das Areal des Kindergartens inklusive der Garage und einer Fläche von 130 Quadratmeter im Besitz der Diözese, die Stadtgemeinde hat aber das Recht, den Kindergarten nach den eigenen Vorstellungen und Plänen umzubauen und zu modernisieren.

Als Baurechtszins, der von der Stadtgemeinde an die Diözese zu entrichten ist, wurde der wertgesicherte Betrag von 15.000 Euro pro Jahr festgelegt. Die Vereinbarungen gelten für eine Dauer von 65 Jahren, wobei der Gemeinde eine Instandhaltungspflicht zukommt. Der Kindergarten muss also während dieser Dauer immer benutzt werden. Sollte jedoch - beispielsweise aufgrund abnehmender Kinderzahlen - kein Kindergarten mehr gebraucht und eine Umnutzung angestrebt werden, ist die Zustimmung der Diözese notwendig.
Übergabe in betriebsfähigem Zustand
Nach Ablauf der 65 Jahre ist die Stadtgemeinde verpflichtet, den Kindergarten in einem betriebsfähigen Zustand zu übergeben. Über diesen Punkt sei intensiv verhandelt worden, wie Blanik erläuterte, da die Kirche zunächst einen sanierten Zustand verlangt hatte. Die Mehrkosten, die durch die Trennung des Objekts entstehen, liegen bei 82.000 Euro und werden von der Diözese übernommen.
Rutsche als Highlight
Die Pläne für den Umbau und die Errichtung des zweigeschossigen Kindergartens liegen bereits vor, aufgezählt wurden im Rahmen der Gemeinderatssitzung verschiedene Gruppenräume, Garderoben, Toiletten, ein Koch- und Essbereich, ein Bewegungsraum sowie die als „Highlight“ titulierte Rutsche.
Zusätzlich sind im als Baurechtsfläche ausgewiesenen Grund 130 Quadratmeter enthalten, für die derzeit noch keine konkrete Nutzung definiert wurde und die als „Puffer“ für allfällige Erweiterungen dienen sollen.
Breite Zustimmung, Zeitplan unklar
Vonseiten der Gemeinderäte gab es breite Zustimmung zu diesem Projekt: Manuel Kleinlercher (FPÖ) bezeichnete die Pläne als „totalen Mehrwert“, die geplante Rutsche sei „schon Stadtgespräch unter vielen“. Auch der vorhandene Puffer ist aus seiner Sicht sinnvoll, da man ja nicht wisse, was mit der Südtiroler Siedlung passiert. Blanik stimmte zu und ergänzte, dass man so vorbereitet sei, „was auch immer die neue Heimat macht.“
Franz Theurl (Team Lienz) lobte Blanik für die „exzellenten“ Verhandlungen und die „tolle Planung“, die ihrerseits wohl nicht ganz frei von Ironie zurückgab, es sei „eine Freude gewesen“, mit der Kirche zu verhandeln: „Es war wirklich mühsam, aber es war ganz klar, der Bischof will das“, präzisierte Blanik.

Lediglich zur Frage von Norbert Mühlmann (ÖVP) zum Zeitplan wollte sich die Bürgermeisterin nicht festlegen, sondern erwiderte nur, man wolle „as soon as possible“ loslegen. Noch offen sei die Frage, ob man mit der Kirche, die ihren Teil parallel revitalisiert, gemeinsame Ausschreibungen vornehmen kann. In beiden Bauprojekten werden zwar stellenweise die gleichen Gewerke benötigt, im Unterschied zur Diözese könne die Stadtgemeinde jedoch nicht über die Preise verhandeln, erklärte Blanik.
Genug Ausweichmöglichkeiten
Bereits fest steht dagegen, dass es während der Umbauarbeiten ausreichend Ausweichmöglichkeiten für die Gruppen gibt: Einerseits stehe ein Container zur Verfügung, der in Eichholz nicht mehr gebraucht wird, und andererseits seien auch in anderen Kindergärten die Zahlen rückläufig, sodass man flexibel agieren könne.
Ein Posting
Ach wie schön, wenn man sich aus den Klauen lösen kann und sich dafür Ketten angelegt bekommt. Wie die Kirche zu ihrem Reichtum an Grund und Boden gekommen ist, sei dahingestellt. Sie weiß jedenfalls, wie man aus dem "Vermögen" Kleingeld herausschlägt, die Masche mit dem Baurecht funktioniert. Landauf, landab!
Man muss ich vorstellen, da wird für a paar Quadratmeter Nutzfläche für Kinder (ja Kinder ...) jährlich für die Dauer von 65 Jahren ein wertgesicherter Baurechtzins von € 15.000 berappt und nach Ablauf ist ein voll funktionierendes Objekt im tadellosen Zustand der Diözese zu übergeben, eine andere Nutzung wird von vorhinein ausgeschlossen. Und alle über Parteigrenzen hinweg freuen sich über diesen Deal, bzw. Kuhhandel, aber nur einer lacht. Im Kontrast dazu soll das Kirchenvolk, Freiwillige und Steuerzahler kirchliches Vermögen im aufrechten Glanz erhalten, weil ja "Wir alle" Kirche sind.
Die reichste Institution Österreichs mit ihren Besitzungen (Besitz?) legt das Volk erbarmungslos in Ketten, wie leider auch viele andere Beispiele zeigen. Es ist mir daher unverständlich, wie der Gemeinderat von Lienz auf diesen, meiner Meinung hinterlistigen Taschenraub stolz sein kann. Und so was nennt man dann "Kindergarten Heilige Familie". Lächerlich!
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