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Über 200.000 „Pfandsammler“ in Österreich

Zusatzeinkommen aus der Mülltonne. Getränkehersteller ruft „Pfand gehört daneben“-Initiative ins Leben.

Seit etwas mehr als einem Jahr gilt in Österreich das neue Pfandsystem für Dosen und PET-Flaschen, doch Pfand ist mehr als ein ökologisches Thema. Hochgerechnet sammeln rund 225.000 bis 228.000 Menschen in Österreich gezielt Pfandflaschen und -dosen im öffentlichen Raum, um ihr Einkommen aufzubessern. Das besagt eine repräsentative Umfrage der Getränkemarke „fritz-kola“ und des Meinungsforschungsinstituts TQS. 70 Prozent der Befragten gaben demnach an, Pfandsammler regelmäßig wahrzunehmen.

Vier Prozent sagten in der aktuellen Umfrage, im öffentlichen Raum gezielt nach verwertbaren Pfandflaschen und -dosen zu suchen. Die Motive reichen vom Aufbessern einer zu niedrigen Pension (14 Prozent) und einem unzureichenden Einkommen aus Erwerbsarbeit (13 Prozent) über Arbeitslosigkeit (sechs Prozent) bis hin zur Versorgung der Familie oder dem Erfüllen von Wünschen von Kindern und Enkelkindern (je acht Prozent).

Fünf Prozent leeren Tonnen aus

Gesammelt wird dort, wo Pfand anfällt - vor allem auf der Straße (78 Prozent) oder neben Mistkübeln (39 Prozent). Fünf Prozent der Befragten gaben an, in Mistkübel zu greifen. Weitere fünf Prozent leeren sogar Mülltonnen aus.

„Mit unserer Umfrage liegen erstmals belastbare Daten zur sozialen Dimension des Pfandsammelns in Österreich vor. Gleichzeitig ist von einer noch höheren Dunkelziffer auszugehen, da besonders vulnerable Gruppen wie wohnungslose Menschen kaum erfasst werden“, betont Pascal Fromme, Head of Sustainability & Public Affairs bei fritz-kola.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge sind Pfandsammler sichtbarer Teil des öffentlichen Raums geworden. 70 Prozent der Befragten geben an, in Österreich beobachtet zu haben, dass Pfandflaschen oder -dosen gezielt gesammelt werden. Die Wahrnehmung ist dabei überwiegend positiv oder empathisch: 29 Prozent sehen Pfandsammler positiv, 34 Prozent empfinden Mitleid, lediglich neun Prozent gaben an, sie zu ignorieren und zwei Prozent nehmen sie negativ wahr.

Initiative „Pfand gehört daneben“

Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) spricht sich außerdem dafür aus, Pfandgebinde neben Mistkübeln abzustellen, um das Sammeln zu erleichtern. 22 Prozent wünschen sich eigene Einrichtungen, lediglich acht Prozent fühlen sich dadurch gestört. Vor diesem Hintergrund startet fritz-kola die soziale Initiative „Pfand gehört daneben“ nach Deutschland auch in Österreich. Die Aktion erinnert die Besitzer leerer Pfandflaschen daran, sie neben Mistkübeln abzustellen.

In manchen Städten wie etwa Linz oder Innsbruck wurden dazu auch schon Pfandringe an öffentlichen Mistkübeln angebracht. In Wien ist eine solche Einführung von Pfandringen weiterhin nicht vorgesehen, teilte eine Sprecherin der MA 48 mit. „Pfandringe bringen keinen Mehrwert. Sie sind sozial nicht treffsicher und verbessern die Stadtsauberkeit nicht. Im Gegenteil: Wo Flaschen abgestellt werden dürfen, entsteht oft zusätzlicher Müll. Außerdem verursachen Anschaffung, Wartung und Reinigung zusätzliche Kosten - in Zeiten knapper öffentlicher Budgets ein gewichtiger Faktor“, hieß es dazu in einer Stellungnahme. Die Einführung des Pfandsystems auf Einweggetränkeflaschen und Getränkedosen werde seitens der 48er aber positiv gesehen.

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