Während internationale Klimaforscher vor einer möglichen „Heißzeit“ warnen, werden in Österreich ausgerechnet jene Mittel gekürzt, die helfen sollen, Risiken besser zu verstehen und Schäden zu begrenzen. Konkret geht es um Einschnitte beim Klimaforschungsprogramm des Klima- und Energiefonds: Statt zuletzt fünf Millionen Euro stehen für 2026 nur noch zwei Millionen zur Verfügung. Zudem erfolgte die Ausschreibung verspätet.
Als Reaktion darauf haben das Climate Change Centre Austria (CCCA) und Scientists for Future Austria (S4F) rund 650 Wissenschaftler:innen mobilisiert. In einem offenen Brief appellieren sie an politische Entscheidungsträger:innen und sprechen von einer „schleichenden Aushöhlung der Klimapolitik und der Klimaforschung“, die an Streichungen einschlägiger Budgets in den USA erinnert. Auch in Österreich werde das Thema „durch Verzögerungen, Budgetkürzungen, Prioritätenverschiebungen und politisches Wegsehen“ marginalisiert.
Klimaforschung als Grundlage für Planungssicherheit
Klimaforschung, so heißt es im Appell, sei keine optionale Zukunftsinvestition, sondern Grundlage für Planungssicherheit in Infrastruktur, Wirtschaft und Katastrophenschutz. Gefordert werden verlässliche Rahmenbedingungen, eine langfristige Finanzierung sowie die „systematische Verankerung wissenschaftsbasierter Klimaziele als zentraler Bestandteil politischer Strategien“. Zu den Unterzeichner:innen zählen prominente Wissenschaftler:innen wie Helga Kromp-Kolb, Daniel Huppmann, Barbara Prainsack, Georg Kaser, Gottfried Kirchengast und Keywan Riahi.
„Was derzeit in Österreich praktiziert wird, ist nicht Sparsamkeit, sondern grob fahrlässiges politisches Handeln angesichts bekannter Risiken, absehbarer Schäden und belegbarer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Folgekosten.“
Offener Brief der 650 Wissenschaftler:innen
Kürzungen treffen Forschung und praktische Klimaanpassung
Die eingesparten Mittel bilden die finanzielle Basis für Institutionen und Einrichtungen, die Klimaschutz und Klimaanpassung praktisch umsetzen und wissenschaftlich untersuchen, um einer Annäherung an ein Heißzeit-Szenario entgegenzuwirken. Dieses Szenario beschreiben Hans Joachim Schellnhuber (IIASA) und Johan Rockström (PIK) im Fachjournal One Earth. Es umfasst zunehmende Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Waldbrände, bedingt unter anderem durch die Tatsache, dass seit zwölf Monaten die globale Temperatur im Mittel 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegt. Zwar wird das Ziel offiziell anhand von 20-Jahres-Durchschnittswerten bewertet, doch viele Fachleute sehen in den jüngsten Daten ein deutliches Warnsignal.
1,5 Grad als Kipppunkt
Einmal mehr betonen Expert:innen im Fachjournal One Earth die Bedeutung klimatischer Stabilität. Nach einem Wechsel aus Kalt- und Warmzeiten stabilisierte sich das Klima vor über 11.000 Jahren, eine Voraussetzung dafür, dass der Mensch Landwirtschaft entwickeln und komplexe Gesellschaften aufbauen konnte. Die 1,5 Grad gelten als einer von vielen Kipppunkten im Klimasystem und damit als kritischer Schwellenwert, dessen Überschreitung abrupte, unumkehrbare und sich selbst verstärkende Veränderungen auslösen kann.

Zu den zentralen Risiken zählen das Abschmelzen großer Eisschilde in Grönland und der Antarktis, das einen erheblichen Meeresspiegelanstieg nach sich ziehen würde, sowie das Auftauen von Permafrostböden, das zusätzliche Treibhausgase freisetzen und den Klimawandel weiter beschleunigen könnte. Außerdem ist ein möglicher Zusammenbruch der atlantischen Umwälzströmung (AMOC) zu nennen, der den Golfstrom schwächen und das Klima in Europa deutlich verändern würde. Diese Entwicklungen hätten gravierende negative Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.
„Der Klimawandel ist von einem entfernten Umweltproblem zu einer tiefgreifenden systemischen Gefahr geworden.“
Generaldirektor des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien: Hans Joachim Schellnhuber
Eine animierte Online-Grafik mit dem Titel „Timeline of Earth’s Temperature“ (Zeitstrahl der Erdtemperatur) veranschaulicht diese Dynamik: Sie zeigt den Wandel der globalen Durchschnittstemperatur über Jahrtausende bis Jahrmilliarden und stellt natürliche Klimaschwankungen dem rasanten, menschengemachten Anstieg seit der Industrialisierung gegenüber.
Die Debatte berührt grundlegende Fragen: Reagiert die Politik auf steigende Klimarisiken mit dem Ausbau von Wissen und Vorsorge oder mit Budgetkürzungen? Entscheidend ist daher nicht nur, wie nahe unsere Erde an klimatischen Schwellenwerten steht, sondern auch, wie ernst Politik und Gesellschaft die wissenschaftlichen Warnungen tatsächlich nehmen.
18 Postings
Geschätzter senf, es geht auch um den Klimabonus. Der wurde flächendeckend über alle Einkommensschichten verteilt und war höher als die eingeforderte CO2- Steuer. Was hat das für ein Loch ins Budget gerissen? Europaweit ist man nun gezwungen, den Kurs zu ändern. Kein rasches Aus für den Verbrenner, Aufweichung des Lieferketten-Gesetzes, Kauf des umweltschädlichen US Fracking- Gases u.v.m. Wir hier in Ö werden nun immer häufiger mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Unbestritten ist, dass Handlungsbedarf gegeben ist. Nur wollten wir Vorreiter sein, beispielgebend für Andere. Rigoroser und schneller in der Umsetzung. Wir haben wieder flächendeckend die Umstellung (PV, Wärmepumpen) bei allen Vermögensschichten 70-90% gefördert, es wurde jedoch dabei der erforderliche Netzausbau 'vergessen'. Wer finanziert nun den Netzausbau? Ich dachte, das würde nun mit den Übergewinnen der Energieunternehmen geschehen. Aber nein! Die gehen in das Günstig-Strom-Gesetz. Der Mittelstand, der die Steuerhauptlast in Ö trägt, hat nichts davon. Ich hoffe, dass die tw. Senkungen der Stromkosten für Betriebe eine Erleichterung bewirken können. Sonst wurden wieder Unsummen in den Wind geschossen, planlos und undurchdacht!
Wie recht sie haben, meine Verehrung, danke!
Und ja, die Ziele gegen den argen Klimawandel sind klar, die Methoden dazu höchst unterschiedlich und fraglich, aber das wird wohl dem Lobbysmusdrang unserer politischen Vertreter (Wichtln) zu verdanken sein ...
Wenn fachlich unfähige Politiker zu Entscheidungsträgern werden, nur weil sie medienwirksam sind, dann folgt eine Katastrophe nach der anderen. Das gilt für Italien, Ö. und D. Vielleicht sollten nur mehr Uni-professoren Ministerposten besetzen. Studienabbrecher und Gewerkschaftsfunktionäre sollten nur mehr max. die zweite Reihe besetzen, portaborse also. Viele Wähler haben genug von den Bärbocks, Habecks, Schillings, Gewesslers, Di Maios usw.
Uniprofessoren eher nicht, Fachleute wären gefragt. Studienabbrecher sind völlig unqualifiziert.
Wieviel Anteil hat Gesamteuropa an den weltweiten Treibhausgasemissionen ? Stand 2023 6%. Wieviel Österreich? 0,16% Trump kündigt an, aus allen Klimaabkommen auszusteigen (Anteil USA 13-16%). Indien liegt bei 7%, China ca. 30%. Selbstverständlich müssen wir am Ball bleiben, wir haben eifrig zugesagt, bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen ( EU 2050). Dieses ambitionierte Vorhaben wird uns jetzt auf den Kopf fallen (Strafzahlungen in Milliardenhöhe und wenig Auswirkungen auf das Weltklima)! Für den Faktor Planungssicherheit / Wirtschaft muss man sicher einen Kurs vorgeben, der für Betriebe jedoch umsetzbar sein sollte. Ich verstehe nicht, warum die Tatsache, dass der Staat pleite ist, die Bevölkerung scheinbar nicht erreicht hat. Man fordert, moralisiert und zeigt keinerlei Verständnis für Sparmaßnahmen. Wie die vielen Posting zu anderen Themen beweisen, ist man nicht bereit, die Realität anzuerkennen. Die Bedrohung durch den Klimawandel kann nur global gelöst werden!
Für's sparen am falschen Platz hat man in Österreich sehr viel Verständnis. Die Unmutsäußerungen der Klimaleugner kommen schon noch!
Wo darf der Staat einsparen? Nicht im Sozialsystem, obwohl wir im Ranking beinahe ganz vorne liegen. Nicht im Gesundheitssystem. Sind hier auch im Spitzenbereich. Skandal! Länger und/oder mehr arbeiten. Keinesfalls! Reformen? Um Himmels Willen! Lieber Herr Ingruber, dann erklären Sie mir bitte, wie es weitergehen soll, wenn knapp mehr als ein Drittel einer Bevölkerung nichts ins System einzahlt (ausgen. Konsumsteuern)? Und wenn man Bedenken bzgl. der Klimapolitik der vergangenen Jahre äußert, dann wird einem Klimaleugnung unterstellt. Dann lasst uns doch den Karren völlig an die Wand fahren, dann stellt sich die Frage nach Einsparungspotential generell nicht mehr.
... hast recht: Kohlekraftwerk in China: böse, Bodenversiegelung in Österreich: wurscht
Es ist schon seit Wochen so kalt. Vielleicht haben wir schon zu viel CO2 Steuer bezahlt ? 🤣
das ist genau was ich imemr sage .... der fliegenschiss österreich auf der weltkarte solls richten haha .... wenns schon die österreicher nicht schaffen, wie sollens dann die quasi "hochprozentigen" mächte schaffen? wichtig ist aber dass die österreicher co2 steuer bezahlen ... man fragt sich angesichts der zahlen einfach: wofür?
Dass der große Kuhfladen auf dem Globus die Länder ausmachen, die sich von den Fliegenschissen und den "hochprozentigen" das Klima versauen lassen müssen ist dir wohl auch bewusst, lieber Chiller. ;-)
Mit demselben Argument könnte man sich auch die Wehrdienstdebatte schenken! Was wird der Fliegenschiss ... gegen die Hochprozentigen?
Und zum 'Fliegenschiss': Fakt ist, dass vor allem afrikanische Staaten nun büßen, was die 'Hochprozentigen', auch Europa, verursacht haben. Die Kürzungen in der finanziellen Unterstützung von Ernährungs- und Entwicklungsprogrammen für afrikanische Staaten, vor allem durch die Weltbank wurde damit begründet, dass aufgrund vieler geopolitischer Krisen und Haushaltszwängen bei den Geberländern zu einer u.a. veränderten Prioritätensetzung geführt hätten. Wir werden den Preis für die Umweltpolitik der vergangenen Jahrzehnte bezahlen müssen. Es werden sich viele Menschen auf den Weg machen müssen, um überleben zu können. Nur hilft es denen wenig, wenn wir, aufgrund übereifriger und minimal wirksamer Maßnahmen unseren mühsam aufgebauten 'Wohlstand' zerstören und nicht mehr helfen können.
Wenn jeder sagt „Wir sind zu klein“, passiert garantiert nichts
Jeder kann einen Beitrag leisten. Sich immer nur auf die "Hochprozentigen" auszureden ist verlogen, feig und dumm.
Statt 5 Mio nur noch 2 Mio??? Dann könnten doch die 650 Wissenschafter das mit einer Spende von jaweils 4500 ausgleichen. Oder statt eines Flussrevitalisierungsprojekts von 150 Metern Länge um 3 Mio mehr Geld in die Forschung stecken. Ich weis schon, es geht um die tendenziell verringerte Neigung, Klimaforschung zu unterstützen. Aber 3 Mio weniger kann nur ein Fehler sein, es wird doch wohl um 50 gehen.
Eigentlich eh klar, je weniger Geld man den Wissenschaftlern für ihre Forschungen zur Verfügung stellt, desto weniger können sie forschen, offenlegen und im Besten Fall Strategien gegen dieses Megaproblem finden. Das Praktische daran ist, dass man dann behaupten kann, dass man nichts tun konnte, weil man nichts gewusst hat. Wieder einmal alles richtig gemacht!!! Bravo....
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