Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Jugendlichen längst angekommen, wie die aktuelle Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ zeigt. Während viele Erwachsene sich teils erst vorsichtig an eine Bedienung heranwagen, teils eine Nutzung aber auch kategorisch ablehnen, ist KI für Jugendliche längst zum selbstverständlichen Begleiter geworden: 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen nutzen KI-Chatbots, wie eine Befragung von 500 österreichischen Kindern und Jugendlichen zeigt.
ChatGPT führt Ranking an
Die mit großem Abstand beliebteste Anwendung ist ChatGPT, sie wird von 90 Prozent der Befragten genutzt. Knapp ein Viertel ruft den Chatbot sogar täglich auf, über 40 Prozent zumindest mehrmals pro Woche. Vergleichbare Anwendungen wie Gemini von Google oder CoPilot von Microsoft können da nicht mithalten, sie werden lediglich von 23 bzw. 11 Prozent der Jugendlichen verwendet.
Wichtiges Werkzeug für die Schule
Der wichtigste Einsatzbereich von KI ist die Schule: Fast drei Viertel der Jugendlichen verwenden KI-Tools für schulische Zwecke oder Hausaufgaben. Doch auch das Suchen und Zusammenfassen von Informationen, die Formulierung von Texten oder das Lösen von Rechenaufgaben werden auf die KI ausgelagert.

Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen: Weibliche und ältere Jugendliche nutzen Künstliche Intelligenz in allen Anwendungsbereichen häufiger.
Ratschläge für den Alltag
Doch die Anwendung beschränkt sich längst nicht auf die Schule. Im gesamten Alltag sind KI-Tools inzwischen zum Mittel der Wahl geworden: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen befragt den Chatbot häufig oder gelegentlich zu Ratschlägen rund um Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel verwendet KI-Anwendungen, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden.
„Gerade bei persönlichen oder psychischen Problemen kann eine Beratung durch KI-Chatbots zunächst als Überbrückung dienen, sie stößt aber schnell an ihre Grenzen und kann eine qualifizierte Beratung nicht ersetzen."
Birgit Satke, Leiterin Rat auf Draht
Vier von zehn Befragten empfinden es oft als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Weitere Gründe, die Künstliche Intelligenz zu nutzen, liegen in deren ständiger Verfügbarkeit, der Zeitersparnis und der unkomplizierten Nutzung.
KI als Freund und Partner?
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel sogar für romantische Gespräche.
Über ein Viertel glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten. Das zeigt, wie attraktiv Chatbots für junge Menschen sind. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots, die dadurch empathisch wirken und scheinbares Verständnis vermitteln.
Chatbot hilft bei schwierigen Gesprächen
Diese Eigenschaften sind wohl als ursächlich dafür zu sehen, dass ein Viertel der Jugendlichen angibt, mit Chatbots leichter über persönliche Themen sprechen zu können als mit Menschen. KI-Tools werden aber auch dafür genutzt, um Gespräche mit anderen Menschen vorzubereiten und zu üben.
In den Fokusgruppen, die in Jugendeinrichtungen durchgeführt wurden, schildern die Jugendlichen, dass sie mithilfe von KI heikle oder konfliktbeladene Gespräche vorbereiten, etwa, um mit Lehrkräften über als unfair empfundene Bewertungen oder mit Eltern über schlechte Noten zu sprechen.
Manipulative Ratschläge, keine qualifizierte Beratung
Die Mehrheit der Jugendlichen (57 %) ist der Ansicht, dass Chatbots häufig gute Ratschläge geben. Dennoch hat sich bereits fast jede fünfte befragte Person (18 %) aufgrund einer KI-Antwort unwohl gefühlt, wobei männliche Jugendliche (23 %) dies deutlich häufiger wahrnehmen als weibliche (13 %).

Aus den Fokusgruppen geht hervor, dass unangenehme Erfahrungen etwa dadurch entstehen, dass Ratschläge zum Umgang mit Menschen als manipulativ empfunden werden oder Antworten negative Gefühle eher verstärken, statt zu entlasten.
Besonders problematisch ist es, wenn KI in sensiblen oder belastenden Situationen als Unterstützung genutzt wird. KI-Systeme können diese nicht in gleichem Ausmaß bieten wie Menschen, betont Birgit Satke von Rat auf Draht: „Gerade bei persönlichen oder psychischen Problemen kann eine Beratung durch KI-Chatbots zunächst als Überbrückung dienen, sie stößt aber schnell an ihre Grenzen und kann eine qualifizierte Beratung nicht ersetzen. Wir beobachten außerdem immer wieder, dass Chatbots Falschinformationen zu Beratungsstellen ausgeben.“
Großes Vertrauen in KI
Dabei ist das Vertrauen der Jugendlichen in KI groß: Mehr als die Hälfte verlässt sich darauf, dass ChatGPT und Co. korrekte Informationen liefern.

„Auch wenn die Antworten oft plausibel wirken und strukturiert erscheinen, darf man nicht vergessen, dass KI-Chatbots keine Suchmaschinen sind und falsche oder unvollständige Informationen liefern können. Umso wichtiger ist es, KI-Ergebnisse nicht ungeprüft zu übernehmen. Außerdem sollte man bereits vorab überlegen, ob eine Suchmaschine oder ein Chatbot für die Frage geeigneter ist“, betont Barbara Buchegger.
Macht KI „denkfaul“?
Sorgen bereitet der Mehrheit der Jugendlichen (56 %), dass KI-Tools möglicherweise die Fähigkeit, selbständig über etwas nachzudenken, schwächen könnten. „Man wird irgendwie faul, wenn man alles fragen kann“, so eine Jugendliche in den Fokusgruppen.
Besorgniserregend ist auch, dass 28 Prozent der Befragten glauben, ihre Eingaben in KI-Chatbots seien vertraulich und könnten von niemandem eingesehen oder genutzt werden. Nahezu die Hälfte (48 %) geht davon aus, dass andere Jugendliche persönliche Daten mit KI-Systemen teilen. Mehr als ein Viertel (28 %) vertraut KI-Chatbots sogar intime Inhalte an.
Stefan Ebenberger, Generalsekretär der ISPA – Internet Service Providers Austria, plädiert für eine stärkere Sensibilisierung Jugendlicher beim Thema Datenschutz: „Jugendliche gehen teilweise unbedacht mit ihren persönlichen Daten um. Das Recht auf Privatsphäre und welche Auswahlmöglichkeiten es bei den unterschiedlichen Anwendungen gibt, muss eindringlicher vermittelt werden.”
Über die Studie
Die Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt. Im Befragungszeitraum (Oktober/November 2025) nahmen 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund, teil. Zusätzlich wurden zwei Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen mit insgesamt 14 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren durchgeführt.
7 Postings
Viel Erfolg mit deinem Projekt. Nach deiner Beschreibung habe ich jedoch gewisse Bedenken. Eine dauerhaft belehrende KI könnte bei Nutzern eher auf Ablehnung stoßen – ähnliche Kritik gibt es aktuell auch an ChatGPT 5.
Zudem frage ich mich, wer konkret festlegt, was unter „europäischen Werten“ zu verstehen ist.
??? ChatGPT kostet jetzt € 8 im Monat (Grundversion). Für diesen Schmarrn soll man jetzt auch noch bezahlen.
Hab es ausprobiert, was ChatGPT kann, das kann ich schon lange.
Vielleicht wegen Schule ohne Handy????
Das stimmt. So viel schwachsinn in so wenigen Worten schaft die KI nicht.
Die aktuellen Zahlen überraschen nicht, aber sie zeigen, wie schnell KI für Jugendliche zur selbstverständlichen Infrastruktur geworden ist: 94 % nutzen KI-Chatbots, ein Viertel sogar täglich. Doch während KI längst im Alltag angekommen ist, bleibt ihr Potenzial oft ungenutzt – und ihre Risiken werden unterschätzt. Besonders nachdenklich stimmt: Ein Drittel der Jugendlichen bespricht persönliche Sorgen mit KI, mehr als ein Viertel vertraut ihr intime Inhalte an, und 28 % glauben fälschlicherweise, ihre Daten seien vertraulich. Hier wird deutlich, wie groß das Vertrauen ist – und wie gering oft das Bewusstsein für Datenschutz und kritische Nutzung. Genau deshalb setzen wir bewusst auf Mistral – eine europäische KI, deren Trainingsdaten unserer Gesellschaft, unseren Werten und unserem Rechtssystem entsprechen. In Zeiten, in denen globale Plattformen oft intransparente Datenströme nutzen, ist das ein entscheidender Unterschied: Mistral ermöglicht uns, lokal verankerte KI-Anwendungen zu entwickeln, die nicht nur technisch leistungsfähig, sondern auch kulturell und rechtlich passgenau sind.
Mit unserem LEADER-Projekt (aktuell in Vorbereitung) gestalten wir genau solche Lösungen: europäische, GDPR-konforme KI-Werkzeuge, die Jugendliche darin unterstützen, Technologie souverän und reflektiert zu nutzen. Unsere Ansätze kombinieren praktische Hilfen – wie automatische Grammatik-Checks, die jeden Prompt zum Lernmoment machen – mit kritischen Denkimpulsen („Woher stammen diese Informationen?“, „Gib mir drei Perspektiven“). So wird aus einem Chatbot ein echtes Bildungsinstrument – für Schulen, Gemeinden und Unternehmen. Denn KI ist heute mehr als nur Technologie. Sie ist eine Bildungs- und Standortfrage. Und genau hier beginnt Gestaltung: indem wir Jugendlichen Werkzeuge an die Hand geben, KI datensensibel, kritisch und kompetent zu nutzen – mit europäischen Werten und europäischer Datenhoheit.
Ein Werbetext, der sich liest, als ob er selbst KI generiert wurde. Inklusive der KI typischen langen Gedankenstriche. Interessant.
Ach wie schön - jetzt kann man schon das Dolomitenstadt-Forum für plumpe Schleichwerbung missbrauchen.
Genau! Markus Gabriels Buch "Ethische Intelligenz“ erscheint in einer Woche!
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