Schlafstörungen treten in Europa häufiger auf, als bisher angenommen wurde. Die drei wichtigsten Krankheitsbilder, obstruktive Schafapnoe, Schlaflosigkeit und Restless-Legs-Syndrom, betreffen 31 Prozent der Erwachsenen.
Obstruktive Schlafapnoe
Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) handelt es sich um eine schlafbezogene Atemstörung, bei der es während des Schlafs wiederholt zur Verringerung oder dem kompletten Aussetzen der Atmung kommt. Die Atempausen können mehrere hundert Mal pro Nacht auftreten und bis zu Minuten andauern.
Schlaflosigkeit
Zur Schlaflosigkeit zählen Schwierigkeiten beim Ein- und/oder Durchschlafen. Die Störung kann durch Stress, Angstzustände, hormonolles Ungleichgewicht oder Verdauungsprobleme verursacht werden, aber auch ein Symptom für eine andere Erkrankung sein. Man unterscheidet zwischen einer chronischen, einer intermittierenden und einer vorübergehenden Schlaflosigkeit. Von einer chronischen Störung spricht man, wenn die Schlaflosigkeit mindestens einen Monat lang regelmäßig auftritt. Intermittierend ist die Schlaflosigkeit dann, wenn sie in regelmäßigen Abständen vorkommt. Die harmloseste Form ist die vorübergehende Schlaflosigkeit, die nur ein paar Nächte anhält.
Restless-Legs-Syndrom
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) zählt zu den schlafbezogenen Bewegungsstörungen. Ein typisches Anzeichen ist der Bewegungsdrang der Beine, sobald man sich ausruht oder schlafen geht. Dazu kommen unangenehme Missempfindungen der Beine, wie Kribbeln, Brennen oder Ziehen. Bei Betroffenen kann das Einschlafen oder Wiedereinschlafen stark gestört sein.
Schlaf und Schlafstörungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Körpers und des Gehirns, da sie auch mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Doch nicht nur auf individueller Ebene wirken sich Schlafprobleme aus, auch auf die Gesellschaft und die Volkswirtschaft nehmen sie Einfluss.
Studie untersuchte Schlafstörungen in 47 Ländern
Dennoch wurden die epidemiologischen und ökonomischen Belastungen durch Schlafstörungen bisher nicht ausreichend untersucht, wie ein internationales Team aus Wissenschaftler:innen feststellte.
Im Rahmen ihrer Studie beschäftigten sich die Autor:innen, zu denen auch der österreichische Neurologe Thomas Berger zählt, mit Häufigkeit, Verteilung und Ursachen von Schlafstörungen in 47 europäischen Ländern.
Jährliche Kosten von hunderten Milliarden Euro
Zudem widmete sich das Team anhand von 30 Ländern der Kostenfrage. Diese ökonomischen Analysen führten zu dem Ergebnis, dass der jährlich durch Schlafstörungen verursachte Schaden offenbar extrem hoch ist, wobei 48 Prozent als direkte Kosten ausgewiesen werden. Darunter fallen alle medizinischen Behandlungen, wie Arztbesuche, Medikamente oder Aufenthalte im Schlaflabor. Die indirekten Kosten, die beispielsweise aus Arbeitsausfällen oder Produktivitätsverlusten resultieren, machen hingegen 52 Prozent aus.
Als kostenintensivste Schlafstörung wurde die obstruktive Schlafapnoe identifiziert, sie ist für jährlich rund 184 Milliarden Euro Schaden verantwortlich, gefolgt von Schlaflosigkeit (158 Milliarden Euro) und Restless-Legs-Syndrom (79 Milliarden Euro).
18 Prozent der Erwachsenen von Schlafapnoe betroffen
Die Schadensummen korrelieren mit der Prävalenz, also der Häufigkeit, in der die Krankheiten auftreten. Der untersuchte Personenkreis umfasste über 20-Jährige, bei der obstruktiven Schlafapnoe wurden über 30-Jährige berücksichtigt.
Am weitesten ist die obstruktive Schlafapnoe verbreitet, die geschätzte Prävalenz in der erwachsenen Bevölkerung beträgt hier 18 Prozent. Im Falle der Schlaflosigkeit gehen die Studienautor:innen davon aus, dass zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen sind, bei dem Restless-Legs-Syndrom sind es drei Prozent. Deutlich seltener treten hingegen Narkolepsie (0,03 Prozent) oder die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (0,009 Prozent) auf.
Mehr Aufmerksamkeit für Schlafgesundheit gefordert
„Die unerwartet hohe Prävalenz und die erhebliche wirtschaftliche Belastung durch Schlafstörungen stehen im Gegensatz zur allgemein vernachlässigten Rolle der Schlafgesundheit und von Schlafstörungen in Strategien der öffentlichen Gesundheit", schreiben die Wissenschaftler:innen und rufen dazu auf, den Problemen jedenfalls mehr Augenmerk zu widmen.
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