Erst vor wenigen Tagen hat der Rechnungshof festgestellt, dass die quasi insolvente Gemeinde Matrei in Osttirol unter der Führung von Altbürgermeister Andreas Köll, gegen insgesamt zehn Bestimmungen der Tiroler Gemeindeaufsicht verstoßen hat. Am Mittwochvormittag rechneten die Oppositionsparteien im Rahmen einer Pressekonferenz im Tiroler Landhaus mit dem „System-ÖVP“ ab.
Laut Markus Abwerzger, Klubobmann der Freiheitlichen im Tiroler Landtag, habe sich keine andere Partei jemals nur ansatzweise so etwas zuschulden kommen lassen. „Es ist ein Skandal vom Scheitel bis zur Sohle.“ Obwohl die Gemeinde Matrei eine vergleichsweise gute Ertragslage gehabt habe, sei die Gemeinde durch die Handlungen des ehemaligen Bürgermeisters und seines mehrheitlich ÖVP geführten Gemeinderats schon 2013 in eine Situation geführt worden, in der sie ihre Finanzen nicht mehr stemmen konnte.
Wie im Dolomitenstadt-Dossier zur Causa ersichtlich, wies auch Abwerzger auf mehr als 20 Millionen Euro verschleppte Schulden durch die Auslagerung in Verbände hin. Dass die Kreditlaufzeit von üblichen 25 Jahren auf 60 Jahre (!) gestreckt wurde, sei unüblich und dennoch von der Gemeindeaufsicht gedeckt worden. „Wer hat die Warnsignale ignoriert, warum und wie viel ÖVP-Hinterzimmer hat es gegeben?“, das will der FPÖ-Klubomann erst einmal im Kontrollausschuss aufklären, in den er auch Köll geladen hat.
Schutz für den „Amigo“
Markus Sint, aus Osttirol stammender Klubobmann von der Liste Fritz, ist ebenfalls sicher, es wäre in keinem anderen Fall möglich gewesen, solch ein Missmanagement zu produzieren, ohne zur Verantwortung gezogen zu werden. Zum Schaden der Matreier und aller Tiroler habe Altlandeshauptmann Günther Platter seinen „Amigo“ Köll unter politischen Schutz gestellt. Das Ergebnis: „Ein Totalversagen vom Altbürgermeister, der schwarzen Gemeinderatsmehrheit, der Gemeindeaufsicht, von Alt-Landeshauptmann Platter und Landesrat Tratter. Ich empfinde es als entsetzlich, dass sich keiner der handelnden Akteure bisher öffentlich entschuldigt hat“, so Sint.
Er mutmaßt, dass die ÖVP Kölls Großmannssucht aufgrund seiner Funktionen in Osttirol zugelassen habe. Für den Liste-Fritz Obmann ist außerdem ein politischer Untersuchungsausschuss denkbar: „Es kann nicht sein, dass am Ende wieder niemand Schuld an der Finanzlage der Gemeinde hat. Mir fällt bei Gott niemand außer die ÖVP ein, die einen Grund gehabt hätte, Köll zu decken.“
Landesregierung schleudert Geld hinaus
Sint war am Aschermittwoch nicht der Einzige, der entweder religiösen Rat suchte, oder religiöse Tat forderte. „Beichte, Buße und Umkehr“ hätten die Verantwortlichen in der Causa Matrei an den Tag zu legen, wenn es nach dem Grünen Klubobmann Gebi Mair geht. Er verwies darauf, dass der Gemeinde Matrei Ende des Jahres erneut die Insolvenz drohe. Mair wies zudem darauf hin, dass den Bürgern in Matrei von der Gemeinde Vorschreibungen ausgestellt wurden, die nicht rechtens seien. Zu einer halben Million Euro Schaden durch Rechtsverletzungen durch den Bürgermeister kämen nochmals 439.000 Euro durch die jetzige Landesregierung. Der Rechnungshofbericht hatte nämlich festgestellt, dass die von der Landesregierung aufgedrängte Rechtsberatung wenn schon nicht unnötig dann jedenfalls mit knapp einer halben Million Euro unnötig teuer war. „Das ist schon ein Phänomen, dass die Landesregierung ständig glaubt, Geld für Rechtsberatung zu haben, aber kein Geld für Sozialvereine“, so Mair.
„Macht ist Politikern nur anvertraut“
Für Klubobfrau Birgit Obermüller von den Neos – sie stammt ebenfalls aus Osttirol – ist klar, dass Matreis Bürgermeister Investitionen getätigt hat, die der Großmannssucht zuzurechnen sind. Als Konsequenz sollte man sich überlegen, ob Bürgermeister generell nur zwei Funktionsperioden im Amt sein sollten. Das Finanzdebakel in Matrei sei jedenfalls kein Naturereignis gewesen, das die Gemeinde über Nacht getroffen habe. Die ÖVP präsentiere das Bild, „gehörst du zu uns, dann wird dir nichts passieren“, so die Neos-Klubofrau. Die nächsten drei Generationen müssten nun das ausbaden, was Köll verursacht habe. Damit meinte Obermüller nicht das Freibad Matrei, einem Millionenprojekt Kölls ohne finanzielle Deckung, dem vor vier Jahren der finanzielle Stöpsel gezogen wurde. Obermüller verwies im Rahmen der Pressekonferenz auf Aussagen von Irmgard Griss, die eine Politikerhaftung einforderte und die Macht den Politiker:innen nur anvertraut sieht. „Ich habe das Gefühl, die ÖVP hat die Macht gepachtet und setzt sie für sich ein“.
Rechtliche Konsequenzen für Köll und Gemeinderäte?
Für die vier im Landtag vertretenen Oppositionsparteien ist klar, dass das Finanzdebakel in Matrei nur auf Grund eines „Systems ÖVP“ möglich sei. In erster Linie sei es aber ein „Skandal Köll“ und dann ein ÖVP-Skandal. Die Staatsanwaltschaft habe bereits Ermittlungen eingeleitet. Zu prüfen seien vorsätzliche Rechtsverletzungen des ehemaligen Bürgermeisters und seiner Gemeinderatsfraktion. „Ein Aussitzen wird es diesmal nicht mehr geben“, ist sich Abwerzger, der selbst Anwalt ist, sicher.
Angesprochen auf die Verantwortung anderer Parteien, sprang selbst die Liste Fritz den Grünen zur Seite. Diese waren während der Bedarfszuweisungen in Millionenhöhe an die Gemeinde Matrei teilweise in Regierungsverantwortung. Sint erinnerte daran, dass der – mittlerweile verstorbene – Grüne Matreier Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Sepp Brugger schon früh versucht hat, Licht ins Matreier Dunkel zu bringen. Für Gebi Mair ist außerdem klar, dass die Bedarfszuweisungen notwendig und richtig waren, die Mittelverwendung aber nicht.
Das Stillschweigen der Landes-SPÖ begründeten die Oppositionsparteien damit, dass die SPÖ alles sei, aber keine Aufklärungspartei. „Blanik und Köll sind ein Duo, das sich immer schon gedeckt hat“, so Mair, „es ist ein offenes Geheimnis im Bezirk, dass sich die beiden Osttirol aufgeteilt haben“, ergänzt Markus Sint.
5 Postings
warum sollten sich die akteure entshculdigen? in deren augen ist ja alles richtig gemacht worden, keine fehler sind passiert .....
Tja, wie halt immer, jetzt ist niemand mehr Schuld. Anstatt endlich mal zu seinen Untaten zu stehen, wird alles wieder abgeschoben. Kein Wunder, dass die FPÖ immer größer wird, die ich mir ehrlich gesagt nirgendwo an der Macht wünsche, denn dann gehts erst richtig los.
Tja ÖVP, ihr versteht es einfach nicht, dass Ehrlichkeit am längsten währt, lieber deckt ihr sogar noch die Machenschaften eurer Expolitiker, anstatt mal endlich aufzuräumen, wie es sich jeder Normalbürger wünschen würde.
Und zur roten E.B. sag ich erst gar nichts mehr. Dass sie und A.K. Seite an Seite in Osttirol ihre Pfründe beackert haben wie sie wollten, war wahrlich nie ein Geheimnis. Nur niemandem auf die Füße steigen und jeden in seinem Garten wüten lassen, so läufts halt in einer Freunderlwirtschaft.
Schade eigentlich, aber Ehrlichkeit währt doch am längsten, das sieht man am Ende dann doch immer wieder.
Nur Schade, dass vorher oft ein immenser Schaden angerichtet wird, lokal aber auch weltweit, immer wieder sichtbar, bis diese "Großmachtdiktatoren" merken, dass sie keiner mehr haben will und sie dann doch komplett untergehen.
Und jetzt stelle man sich einen Kickl an der Macht vor, Russlandfreund und Hetzer gegen alles. Wollen wir wirklich so jemanden als "Volkskanzler" haben? Alleine diese Abwandlung der Funktion "Bundeskanzler" sagt doch schon so Vieles?
Aber wenn die gemäßigten Parteien so weiter agieren, wird das passieren, nur scheinen dies viele dieser Machtpolitiker einfach nicht zu verstehen, dass durch vertuschen und leugnen genau dieser Weg geebnet wird.
Steht endlich zu euren Fehlern und lernt daraus, dann wird auch der Stimmenschwund aufhören, so einfach ist das!!!
Was viele Bürgerinnen und Bürger irritiert: Der Eindruck entsteht, dass manche Politiker mehr Spielraum haben als jeder „normale“ Mensch. Während Privatpersonen für Fehlentscheidungen rasch persönlich haften oder wirtschaftlich scheitern, scheint in der Politik oft ein jahrelanges Wegschauen möglich zu sein. Viele im Bezirk hatten offenbar früh ein ungutes Gefühl. Doch in einem kleinen politischen Umfeld braucht es Mut, Kritik laut auszusprechen. Wer Missstände anspricht, riskiert schnell, als Störenfried zu gelten – das darf in einer funktionierenden Demokratie nicht so sein. Entscheidend ist jetzt: vollständige Aufklärung, klare politische Konsequenzen und transparente Verantwortung. Nicht aus parteitaktischen Gründen, sondern damit wieder sichtbar wird, dass für alle dieselben Regeln gelten. Denn das Bild, das derzeit entsteht, ist gefährlich: dass Macht schützt – und dass am Ende die Bevölkerung die Rechnung zahlt. Der aktuelle Bericht reiht sich in eine lange Kette von Vorgängen ein, die viele Menschen im Bezirk seit Jahren irritieren. Wenn finanzielle Fehlentwicklungen und politische Verantwortung wiederholt Thema sind, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie konnte das so lange passieren? Nicht nur einzelne handelnde Personen stehen in der Verantwortung – auch die Parteien insgesamt. Es gab immer wieder kritische Wortmeldungen, vereinzelte Statements, gelegentliche Distanzierungen. Aber ein konsequentes, gemeinsames Einschreiten? Das blieb aus. Und genau das ist es, was viele Bürgerinnen und Bürger fassungslos zurücklässt. Warum reichen jahrelange Hinweise und Diskussionen nicht aus, um früher klare Konsequenzen zu ziehen? Diese Fragen richten sich nicht nur an eine Partei, sondern an das gesamte politische System vor Ort.
Wenn Mair mit der Osttirol-Aufteilung' meint, dass Blanik, obwohl im Ausschuss vertreten, Köll im BKH gewähren ließ und sie sich hauptsächlich mit dem WPH Lienz befasst hat, so liegt er richtig. Dass beide sich zusammen im WPH Matrei, gleich nach Bereitstellen des Impfstoffes, Corona-Impfungen verabreichen ließen, habe ich den 'Vorbildfunktionen' zugeschrieben. Auch rein zufällig ist, dass der Krankenpfleger und Flugretter (man erinnere sich an den Notarzteinsatz Walders mit der vergessenen Nadel) die Impfungen organisiert hat... Na ja, gute 'Netzwerker' eben. Warum hat man Köll hofiert und so lange Zeit gewähren lassen? Weil er Macht hatte und die Ohnmacht der Anderen mißbraucht hat. Die damalige Bezirkshauptfrau hatte Köll mehrmals zu Gesprächen bzgl. der desaströsen Finanzlage (Gemeindeaufsicht) gebeten, zu denen er nicht erschienen ist. Welche Rolle nahm Tilg als zust. Gesundheits-LR ein? Dass die Causa ein Totalversagen der betroffenen Kontrollebenen darstellt, ist wohl unumstritten und sollte in einem Untersuchungsausschuss geklärt werden. Nicht um eine evrntuelle 'Schadenfreude' zu befriedigen sondern um sicherzustellen, dass so etwas nicht mehr geschehen kann. Letztendlich geht es auch um Steuergelder!
Interessante Aussage zu Köll und Blanik, da braut sich was zusammen!
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