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Vier Todesopfer nach Lawinen im freien Gelände

35 Lawinenmeldungen allein am Freitag. Zahl der Lawinentoten im Februar steigt auf elf.

In weiten Teilen Tirols herrscht seit den jüngsten Schneefällen Lawinenwarnstufe 4, also große Lawinengefahr. Seit dem 13. Februar vermeldete der Lawinenwardienst Tirol mehr als 200 gemeldete Lawinenereignisse.

Besonders spitzte sich die Lage am Freitag, 20. Februar zu: Allein an diesem Tag verzeichnete die Leitstelle Tirol 35 Lawineneinsätze in insgesamt sieben Bezirken, in 13 Fällen mit Personenbeteiligung. 19 Mal musste der Notarzthubschrauber ausrücken, 25 Ortsstellen der Bergrettung waren aktiv und 12 Mal wurden auch Hundeführer der Bergrettung hinzugezogen. Ebenfalls im Einsatz standen Rettungsdienst, Feuerwehr, Bergbahnen/Pistenrettung, Alpinpolizei und Straßenmeisterei.

Lawine in St. Anton forderte drei Menschenleben

Einen besonders traurigen Ausgang nahmen die Lawinenunfälle in St. Anton am Arlberg sowie in Nauders: Im Skigebiet von St. Anton fuhren gegen 15 Uhr fünf Freerider im freien Gelände auf einer Seehöhe von ca. 2.000 Metern in eine nordseitige Abfahrt. Dabei löste sich ein Schneebrett, das alle fünf Skifahrer erfasste und mitriss. Die Lawine löste sich auf einer Breite von ca. 450 Metern im sehr steilen Nordhang, ging durch teilweise felsdurchsetztes Gelände durch Rinnen und offene Flächen ab, verteilte sich über den kompletten Hang und hatte eine Sturzbahnstrecke von ca. einem Kilometer. Im Auslaufbereich stauten sich mehrere Lawinenkegel mit mehreren Metern Ablagerungshöhe. 

Unbeteiligte Zeugen setzten einen Notruf ab und es wurde eine großangelegte Suchaktion eingeleitet. Zwei Personen, ein US-Amerikaner und ein Pole, konnten nur noch tot aus der Lawine geborgen werden, ein 23-jähriger Niederländer wurde schwer verletzt aus der Lawine geborgen und mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus Zams geflogen. Ein 21-jähriger Österreicher wurde an der Unfallstelle reanimiert und in die Klinik Innsbruck geflogen, wo er wenig später verstarb. Ein 19-jähriger Ire wurde von dem Schneebrett mitgerissen, aber nicht verschüttet. Er erlitt lediglich leichte Verletzungen.

42-Jähriger verstarb in Nauders

Auch in Nauders kam es zu einem tödlichen Lawinenunfall: Gegen 11:15 fuhr ein 42-jähriger Deutscher mit seinem 16-jährigen Sohn im Skigebiet Nauders-Bergkastel. Die beiden Skifahrer verließen die gesicherten Pisten und querten einen Nordhang, als sich ein ca. 400 Meter breites Schneebrett löste und beide Wintersportler ca. 200 bis 300 Meter mitriss.

Der 16-jährige blieb verletzt an der Schneeoberfläche liegen, sein Vater wurde teilweise verschüttet. Der Jugendliche setzte einen Notruf ab und es wurde ein Lawineneinsatz ausgelöst. Der 42-Jährige konnte nicht mehr reanimiert werden und verstarb noch an der Unfallstelle. Sein Sohn wurde mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus Zams geflogen. 

Zu weiteren Lawinenunfällen kam es in Telfes im Stubaital und Kappl, sie führten bei den Beteiligten zu einem Verdacht auf Gehirnerschütterung, einer schweren Verletzung am Bein sowie einer Hüftprellung.

Mattle mahnt zur Eigenverantwortung

Mitt dem gestrigen Tag ist die Zahl der Lawinentoten im Februar auf elf gestiegen. Vor diesem Hintergrund wendet sich auch Landeshauptmann Anton Mattle - selbst langjähriger Bergretter - mahnend an die Bevölkerung und die Gäste in Tirol:

„Tirol ist ein sicheres Land mit gut ausgebauten Pisten und einem engmaschigen Sicherheitsnetz. Dennoch verlangen unsere Berge nach Vorsicht und Eigenverantwortung! Die frischen Schneefälle locken zurzeit viele Menschen auf die Berge - auch abseits von gesicherten Pisten. Es ist schmerzlich, dass wir bereits mehrere Lawinenabgänge mit Verletzten und Toten verzeichnen müssen. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Verunglückten. In weiten Teilen Tirols gilt aktuell Lawinenwarnstufe 4 - eine gefährliche und nicht zu unterschätzende Situation. Bitte passen Sie auf, bleiben Sie auf gesicherten Pisten und Routen und planen Sie Ihre Schi- oder Bergtouren mit der notwendigen Vorsicht."

Mattle appelliert außerdem daran, an die Einsatzkräfte zu denken, für die eine Rettung vielfach hohes Gefahrenpotenzial birgt.

Schneedecke äußerst störanfällig

Der Winter weist eine besondere Situation auf: Wegen der außergewöhnlich geringen Schneemengen im Dezember wurden viele Variantenbereiche kaum befahren. In der Folge haben sich gefährliche Schwachschichten in der Schneedecke gebildet, die die Gefahr im freien Gelände, selbst in unmittelbarer Nähe zu den Pisten, erhöhen.

Im Laufe der vergangenen Woche gab es in Tirol teils intensive Schneefälle: Am meisten Schnee fiel in Summe im Westen und Nordwesten Nordtirols mit verbreitet 100 bis 150 Zentimeter. In den übrigen Landesteilen waren es in Summe meist zwischen 30 und 70 Zentimeter. Gleichzeitig weht teils starker Wind aus wechselnden Richtungen. Dadurch entstehen umfangreiche Triebschneeansammlungen, die auf einer sehr schwachen Altschneedecke abgelagert werden.

Diese Konstellation führt dazu, dass Lawinen sehr leicht ausgelöst werden können – auch große Lawinen sind möglich. Besonders während der intensiven Niederschläge ist mit spontanen Lawinenabgängen zu rechnen. Aber auch danach bleibt die Schneedecke äußerst störanfällig. Typische Gefahrenzeichen wie „Wumm“-Geräusche und Rissbildungen sind klare Alarmsignale.

Lawinen aus der Ferne auslösen

Zudem sind Fernauslösungen verbreitet möglich. Das bedeutet, dass Lawinen auch aus sicher geglaubter Distanz ausgelöst werden können. Um nicht notwendige Sucheinsätze zu vermeiden, ist es wichtig, auch Negativlawinen zu melden. Das heißt: Wer Negativlawinen – also einen Lawinenabgang bei dem niemand zu Schaden kommt – beobachtet, sollte diese unbedingt unverzüglich der Leitstelle Tirol melden.

Lage bleibt auch am Sonntag gefährlich

Auch für Sonntag ist keine Entspannung in Sicht. Das Wetter bleibt turbulent: Der Lawinenwarndienst des Landes Tirol rechnet insbesondere mit dem Durchzug der Warmfront von heute auf morgen erneut mit erhöhter spontaner Lawinenaktivität. Lawinen können groß, vereinzelt auch sehr groß werden. Die Lawinensituation bleibt gefährlich. Aktuelle Informationen und Warnungen liefert der Lawinenreport.

2 Postings

chiller336
vor 5 Stunden

eventuell sollte man n betracht ziehen, bei solchen lawinenverhältnissen die schigebiete überhaupt geschlossen zu halten, auch wenn das jene, die sich an die empfehlungen halten, wohl stark verärgern würde. manchmal muß man die leute vor deren eigener dummheit schützen - auch wenn es dadurch vlt finanzielle einbußen gibt. wobei in wintern wie diesen alle geöffneten schigebiete sowieso umsätze ohne ende einfahren. menschenleben müssen einfach mehr wert sein als euros ohne ende

 
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    isnitwahr
    vor einer Stunde

    @Chiller, Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass sich die Leute von so einem Verbot abhalten lassen würden. Die Unfälle sind allesamt im freien Schiraum oder auf gesperrten Pisten passiert - bei Lawinenwarnstufe 4! Auch wenn die Bergrettung kund tun würde, dass sie nach Lawinenabgängen keine Einsätze mehr durchführen würden, wären viele dieser Leute nicht davon abzuhalten. Warum einem das eigene Leben so wenig wert ist, bleibt für mich ein Rätsel.

     
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