Eine Gesellschaft zeichnet sich durch gemeinsame Eigenschaften ihrer Mitglieder aus. Gleichzeitig besitzt jedes Individuum Eigenschaften, die es mit niemandem teilt. Die Kunstfiguren in Elena Reisingers Inszenierungen – halb Mensch, halb Fisch, auf jeden Fall aber im Rollstuhl – symbolisieren das ambivalente Verhältnis der Künstlerin zu ihrer sozialen Umgebung. Sie sind bei sämtlichen Unternehmungen und Inszenierungen mit dabei.
So auch, als Ranger:innen die unterschiedlichen Facetten des Nationalparks Hohe Tauern Klient:innen der Lebenshilfe Tirol im letzten Sommer näherbrachten und dabei von deren positiver Resonanz profitieren: Was wollen wir vermitteln? Was möchte unser Publikum vermittelt bekommen? Wo gibt es Hindernisse? Und ist Barrierefreiheit mehr als nur eine Abkürzung in unserem Kopf? Das waren die Fragen, die sich die Initiatoren zu Beginn der Kooperation zwischen Nationalpark und Lebenshilfe stellten. Das Kunstprojekt „Asylum“ ist das Ergebnis.
Elena Reisinger begleitete die Auftaktveranstaltung im April letzten Jahres sowie die Exkursionen während des Sommers fotografisch und filmisch. Ziele waren das Ködnitztal, der Wassererlebnisweg in St. Jakob und das Innergschlöss. Reisingers Bilder thematisieren den Nationalpark als geschützten Lebensraum – nicht als Gehege oder Gewächshaus, sondern als einen Kosmos, der allen Platz bietet.
„Alle glücklichen Menschen ähneln einander, alle unglücklichen sind auf ihre eigene Art unglücklich.“ In Anlehnung an dieses berühmte Zitat aus Tolstois Anna Karenina liegt das Glück jener „Abweichler:innen“ der Künstlerin besonders am Herz.
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