Mit Juli 2026 startet im gesamten Bezirk Lienz ein Regionalwirtschaftliches Programm (RWP), das bis 2036 läuft und mit insgesamt 20 Millionen Euro aus Landesmitteln dotiert ist. Es wurde bereits mehrfach im Bezirk präsentiert. Jährlich stehen damit zwei Millionen Euro für Projekte zur Verfügung, die Wirtschaft und Lebensqualität in Osttirol stärken und Abwanderung bremsen sollen. Am Freitag, 27. Februar, lud das Land deshalb neuerlich zu einem Medientermin im Firmensitz der Matreier Makkon GmbH.
Das Programm verfolgt offiziell das Ziel, Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen, Kaufkraft zu erhöhen und die Region als Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiver zu machen. Förderungen können voraussichtlich ab 1. Juli von Unternehmen, Gemeinden, Tourismusverbänden und Vereinen beantragt werden, die Höhe reicht – je nach Projekt – von 20 bis maximal 50 Prozent der Gesamtkosten.
Vor allem Ortskernbelebungen und die Aktivierung von Leerständen sollen mit höheren Sätzen unterstützt werden. Ein Fördergremium mit Vertreter:innen von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer, AMS, Tourismusverband, Nationalpark Hohe Tauern und Regionsmanagement Osttirol (RMO) empfiehlt die Projekte, die Fördermittel vergibt das Land Tirol.

Landeshauptmann Anton Mattle bezeichnete beim Pressegespräch in Matrei Osttirol als Region „mit echten Zukunftschancen“, aber unter Handlungsdruck: „Mit dem Regionalwirtschaftlichen Programm setzen wir einen wichtigen Impuls für die Wirtschaft, machen die Region weiterhin attraktiv für Investitionen und schaffen Arbeitsplätze.“ Er verweist auf den Bevölkerungsrückgang im Bezirk und die Notwendigkeit „erfolgreicher Betriebe, attraktiver Gemeinden und einer guten Daseins-Vorsorge“, um Abwanderung zu verhindern. Die Investition von 20 Millionen Euro sei „eine Investition in die Zukunft Osttirols“ und löse erfahrungsgemäß ein Vielfaches an Gesamtinvestitionen aus.
Das Programm wurde seit Herbst 2025 unter Einbindung regionaler Akteur:innen, mit externer fachlicher Begleitung und in enger Abstimmung mit Land Tirol, Bezirkshauptmannschaft Lienz und RMO erarbeitet. Es setzt Schwerpunkte bei der Stärkung der Daseinsvorsorge, der Belebung von Ortskernen, der Unterstützung von Wirtschaft und Gesellschaft bei Transformationen wie Digitalisierung und Mobilitätswende sowie bei Strategien gegen die Folgen des demographischen Wandels.
„Ganz Tirol wächst – nur in Osttirol nimmt die Bevölkerung ab. Der Bevölkerungsrückgang ist eine zentrale Herausforderung im Bezirk“, sagte der ebenfalls anwesende Markus Stotter, derzeit Präsident des Bundesrates, Bürgermeister von Oberlienz und Obmann des Planungsverbands Lienzer Talboden. Man müsse Osttirol „für junge Menschen noch attraktiver machen“, insbesondere durch zukunftsfitte Arbeitsplätze.
Das neue RWP Osttirol definiert vier Aktionsfelder: Attraktivierung von Tourismus und Freizeitinfrastruktur, Steigerung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Energie- und Umweltmaßnahmen sowie Sondermaßnahmen in der Daseinsvorsorge und Standortqualität inklusive weiterer regionaler Einzelmaßnahmen. Gefördert werden können etwa nachhaltige Tourismusangebote, Projekte zur Belebung von Dorfzentren, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen oder zukunftsfähige Infrastrukturprojekte. Das RMO bietet Förderwerber:innen umfassende Beratung vor Ort an.
Vorbild ist das seit 2016 laufende Regionalwirtschaftliche Programm für die Natura 2000 Region Isel. Mit acht Millionen Euro Fördermitteln wurden dort Investitionen von über 100 Millionen Euro ausgelöst und zahlreiche Projekte umgesetzt – von neuen Tourismusprodukten über nachhaltige Wohneinheiten bis zu Qualitätsverbesserungen in der Gastronomie. Ohne dieses Programm wäre etwa der Iseltrail „schlichtweg nicht umsetzbar gewesen“, betont RMO-Obmann und Bürgermeister von Virgen, Dietmar Ruggenthaler.
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Makkon GmbH in Matrei in Osttirol, ein Sondermaschinenbauer, der mit Hilfe der Förderung sein Betriebsgebäude und die Montagehalle erweitern sowie die interne Teilefertigung mit CNC-Maschinen aufbauen konnte. Geschäftsführer Markus Köll berichtet, man habe die Zahl der Mitarbeiter:innen auf 35 verdreifacht und die Wertschöpfung am Standort „exponentiell erhöhen“ können.
Die vielen Projekte in der Iselregion sieht Mattle als Beleg für den Nutzen solcher Sonderprogramme. Sie hätten dazu beigetragen, die Region „sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch den Tourismus und die Wirtschaft zu attraktivieren“ und gäben einen Vorgeschmack auf die Vorteile, die sich durch die Ausweitung auf den gesamten Bezirk Lienz erwarten lassen.
8 Postings
20 Millionen Euro für Osttirols Regionalwirtschaft – das klingt nach viel. Doch bei aller Förder-Euphorie bleibt die entscheidende Frage offen: Wer soll die neuen Arbeitsplätze eigentlich besetzen? Der Bevölkerungsrückgang wird zu Recht als zentrale Herausforderung genannt. Gleichzeitig hören wir von zusätzlichen Hotelbetten und Wachstumsplänen im Tourismus. Aber woher kommt das Personal? Der europäische Arbeitsmarkt ist längst abgegrast. Wenn man künftig auf Arbeitskräfte aus Indien, Nepal oder den Philippinen setzt, dann braucht es mehr als schöne Worte – nämlich ein klares Integrationskonzept. Wollen wir neue Mitbürger gewinnen oder nur temporäre Arbeitskräfte verwalten? Auch die vielzitierte Ortskernbelebung – etwa in Oberlienz – ist sinnvoll und notwendig. Aber ein renovierter Dorfplatz allein bringt noch keine jungen Familien in die Region zurück. Attraktive Arbeitsplätze, leistbarer Wohnraum, Kinderbetreuung und gesellschaftliche Offenheit wären die eigentlichen Standortfaktoren. Gerade von Bürgermeistern, die bei Medienterminen gerne in der ersten Reihe stehen, würde man sich zu diesen Fragen mehr Substanz wünschen. Stattdessen herrscht auffällige Zurückhaltung – vielleicht auch deshalb, weil manche ihr energiepolitisches und gesellschaftliches Weltbild lieber in alternativen Medien nähren, als sich mit den realen demografischen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Fördermillionen sind gut. Eine ehrliche Debatte über Zuwanderung, Integration und Zukunftsperspektiven wäre besser.
Ich bin ganz klar für die Verwaltung von temporären Arbeitskräften! Es kommt ja nicht oft vor dass ich muslimische Länder als Beispiel anführe, aber in Dubai, Katar, usw. funktioniert das super. Dauerhafte Niederlassung nur für Hochqualifizierte, die anderen fahren nach verrichteter Arbeit wieder nach Hause. Wenn man hier klare Regeln schafft, ist das gut für uns und die Arbeitskräfte. Und man spart sich auch gleich, die bei Ungebildeten kaum mögliche Integration
Da möchte ich gerne die Meinung der Gastarbeiter hören......
Arroganz der "Herrscherklasse" dieser Länder ist kaum zu übertreffen, die Gleichgültigkeit gegenüber Not der Arbeitskräfte ebenso.
Wieviel von diesen Geldern fließen über Umwege in die Tauerngemeinde? Herr Stotter hat sicher eine Antwort hiefür.
Keine , der Bgm. der Tauerngemeinde war nicht einmal eingeladen. 🤣
aber er hat doch sicher seine schergen geschickt
Der Bgm. der Tauerngemeinde war nicht einmal eingeladen? Wahnsinn! Unter´m Köll hätt´s das nicht gegeben.
Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren