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Drei Wochen ohne Handy: Experiment startet heute

Auch in Lienz sind Schüler:innen an Bord und finden heraus, was es heißt, auf das Smartphone zu verzichten.

Für viele, egal ob alt oder jung, ist das eigene Smartphone längst zum täglichen Begleiter geworden und nimmt darüber hinaus eine Rolle im Alltag ein, die kaum mehr wegzudenken ist. Vielfach wird dem Handy nicht nur der erste Blick am Morgen, sondern auch der letzte am Abend geschenkt.

Trotz dieser Omnipräsenz der Mobiltelefone, oder vermutlich gerade deshalb, startet mit Mittwoch, 4. März, österreichweit ein Experiment, das sich an Schüler:innen ab der fünften Schulstufe richtet. Dabei sollen Jugendliche drei Wochen lang komplett auf ihr Smartphone verzichten.

Lehrkräfte und Eltern unterstützen

Die Vorbereitungen für die Aktion starteten im Jänner und Februar, als sich interessierte Teilnehmer:innen bei ihren Lehrkräften melden konnten und weitere Infos sowie Teilnahme-Codes erhielten.

Die Lehrpersonen an den jeweiligen Schulstandorten übernehmen die Organisation des Experiments in der Klasse, begleiten die drei Wochen des Verzichts und sichern den Ablauf an der Schule. Ebenfalls zur Unterstützung aufgerufen sind die Eltern, sie sollen beim Durchhalten helfen und für einen klaren Rahmen zu Hause sorgen.

Wissenschaftliche Begleitung und Auswertung

Das gesamte Experiment wird wissenschaftlich begleitet. Zu diesem Zweck beantworten die Jugendlichen Fragebögen, die Stimmung, Schlaf, Wohlbefinden und Internet-Gewohnheiten messen.

Die entsprechenden Erhebungen finden zu drei Zeitpunkten statt: Der erste Fragebogen wurde von den Teilnehmer:innen vor rund einer Woche ausgefüllt, um die mentale Gesundheit vor dem Handyverzicht zu erheben. Die zweite Befragung folgt am 24. März, dem Tag, an dem die Challenge endet. Eine dritte Erhebung soll schließlich den Langzeiteffekt messen, diese wird Ende April stattfinden.

Um eine höhere Aussagekraft der Befragungen zu erreichen, formieren sich andere Schüler:innen, die ihr Handy behalten möchten, zur Kontrollgruppe. Sie nehmen ebenso an den Befragungen teil, um zu zeigen, wie sich Jugendliche ohne Verzicht entwickeln und ob mögliche Veränderungen wirklich aus dem Offline-Sein resultieren.

Teilnahme ist freiwillig

Die Teilnahme am Experiment ist völlig freiwillig. Auch ein Abbruch ist jederzeit möglich, obschon die Jugendlichen zum Durchhalten animiert werden. Zudem gibt es einen sogenannten „Light-Modus“. Diese Variante steht unter dem Motto „reduzieren statt komplett verzichten“ und sieht vor, dass man das Handy zwar behält, aber die Bildschirmzeit deutlich reduziert.

Gymnasium und Mittelschule Egger-Lienz sind dabei

In Lienz lassen sich das Gymnasium und die Mittelschule Egger-Lienz auf das Experiment ein: Am Gymnasium sind drei Klassen dabei, das sind rund 55 aktive Teilnehmer:innen, wie Direktor Christian Zach auf Anfrage von Dolomitenstadt berichtet. Die Jugendlichen besuchen die dritte, vierte und sechste Klasse und werden von ihren Klassenvorständinnen begleitet, die selbst auch mitmachen.

Auch an der Mittelschule Egger-Lienz, deren Schüler:innen im Handyverzicht bereits erprobt sind, haben sich wieder einige Kinder und Jugendliche gemeldet. Insgesamt zählt man dort 24 aktive Teilnehmer:innen von der ersten bis zur dritten Klasse.

HTL: Mobiltelefon ist Arbeitsinstrument

An der HTL Lienz wurde eine Teilnahme in Erwägung gezogen. Nach sorgfältiger Überlegung habe man sich aber entschieden, nicht teilzunehmen, da ein anderer Zugang zu Mobiltelefonen verfolgt werde. „Als technische Schule verstehen wir das Mobiltelefon in erster Linie als mechatronisches Gerät und als Arbeitsinstrument, das Techniker:innen in ihrem beruflichen Alltag unterstützt. Vor diesem Hintergrund ist es uns ein besonderes Anliegen, unseren Schüler:innen einen reflektierten, verantwortungsvollen und kompetenten Umgang mit dieser Technologie zu vermitteln", erklärt Direktor Alexander Kröll und verweist auf die Medienkompetenz, die im Unterricht gelehrt werde.

Zusätzlich werde das Mobiltelefon im Unterricht teilweise gezielt als Arbeitsmittel eingesetzt. Außerhalb dieser Nutzung gelte die Regelung, dass die Geräte ausgeschaltet in der Schultasche aufbewahrt werden müssen. In den ersten Klassen wurden diese Vereinbarungen zusätzlich verschärft, um die direkte Kommunikation in den Pausen und die Klassengemeinschaft zu stärken. „Es ist uns natürlich bewusst, dass wir damit wenig Einfluss auf den bewussten Handyverzicht in der Freizeit nehmen", so Kröll abschließend.

Klösterle: handyfreier Freitag

Eigene Lösungen hat man auch in der Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Dominikanerinnen gefunden: Dort wird bereits seit einigen Jahren der handyfreie Freitag praktiziert, der für Lehrer:innen und Schüler:innen gleichermaßen gilt, wie Schulleiterin Gudrun Loidl erklärt. Am Handyexperiment nehmen hingegen keine Schüler:innen teil.

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