Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören
Vor 15 Jahren wurde die Flutung dieses Tales von der Tiwag erstmals ins Auge gefasst. Startet die Umsetzung 2029? Foto: WWF/Sebastian Fröhlich

Vor 15 Jahren wurde die Flutung dieses Tales von der Tiwag erstmals ins Auge gefasst. Startet die Umsetzung 2029? Foto: WWF/Sebastian Fröhlich

Kaunertal-Kraftwerk: Drei Monate Verzögerung bei UVP

Vorstandsdirektor Speckle „tiefenentspannt“. WWF ortet „Tunnelblick“. Gebi Mair sieht „kluge Alternativen“. 

Der landeseigene Tiroler Energieversorger Tiwag sieht eine offenbar anstehende Verzögerung von drei Monaten bei der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfung zum Kraftwerk Kaunertal gelassen. „Ich bin da tiefenentspannt“, sagte Vorstandsdirektor Alexander Speckle am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Der „Tiroler Tageszeitung“ (Mittwoch) zufolge könnte 2027 ein Bescheid ergehen. Speckle kritisierte indes generell eine Verfahrensdauer von rund 15 Jahren bei Großprojekten.

„Ich selbst beurteile das nicht als Verzögerung“, sagte Speckle. Eine wohl anstehende Verzögerung von rund drei Monaten falle bei einem so aufwendigen Projekt nicht ins Gewicht. Laut „TT“ dürfte das Umweltverträglichkeitsgutachten nicht vor dem Sommer vorliegen, die mündliche Verhandlung würde sich ebenso verzögern. Daher könnte der Bescheid dann erst im kommenden Jahr ergehen - nicht wie zuvor avisiert bereits heuer.

„Der Zeitplan, den sich die Behörde vorgenommen hat, war extrem sportlich“, sagte der Tiwag-Vorstandsdirektor dazu. Immerhin würden die Beurteilungen von 51 Gutachtern aus 46 Fachgebieten in das gesamte schlussendlich Tausende Seiten lange Gutachten einfließen. Ob ein Baustart wie avisiert 2029 erfolgen könne, ließ Speckle auf Nachfrage offen: „Wir sind voll auf Zug, Tirol braucht dieses Projekt“.

Kritik an langer UVP-Verfahrensdauer

Indes sei die generell lange Verfahrensdauer bei der Umweltverträglichkeitsprüfung zu Projekten dieser Größenordnung kritisch zu sehen. „Wir brauchen bei derartigen Projekten 15 Jahre bis zum rechtskräftigen Bescheid“, rechnete Speckle vor. Das verursache einen volkswirtschaftlichen Schaden. „Es ist unverantwortlich, dass man in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zulässt, dass Verfahren so lange verzögert werden können“, kritisierte der Tiwag-Chef und nahm den Gesetzgeber in die Pflicht. „Wir brauchen wieder einen pragmatischen Ansatz“, forderte er - neben einer ebenso notwendigen strengen Prüfung. Etwa seien gewisse Parteienstellungen in bestimmten Instanzen zu überdenken: „Irgendwann muss dann fertig sein.“

„Die Tiwag ist nicht nur ein Motor der Energiewende, sondern auch ein Turbo für die Wirtschaft in Tirol.“

Tiwag-Vorstand Alexander Speckle

„Die Tiwag ist nicht nur ein Motor der Energiewende, sondern auch ein Turbo für die Wirtschaft in Tirol“, warf Speckle indes einen generellen Blick auf die Projekte des Landesenergieversorgers. Diese seien essenziell, um den steigenden und bis 2040 wohl doppelt so hohen Strombedarf wie aktuell decken zu können. Gleichzeitig habe man mit dem Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen bis 2050 ein „klares Ziel“. Gerade die vergangenen Tage hätten erneut die aktuell große Abhängigkeit von diesen verdeutlicht.

Man investiere 2,4 Mrd. Euro bis zum Jahr 2030, rechnete Speckle vor, alleine heuer 585 Mio. Euro. Für die bereits im Bau befindlichen Kraftwerksprojekte im Kühtai, in Osttirol (Tauernbach-Gruben) sowie in Imst-Haiming werden laut Tiwag während der Bauphase 1,6 Mrd. Euro investiert. Rund 27 Prozent dieser Summe - fast 430 Mio. Euro - flössen dabei direkt an Tiroler Betriebe, freute sich der Tiwag-Chef. Auch hob Speckle weiterführende Effekte für die betroffenen Gemeinden wie die anfallende Kommunalsteuer in jeweils sechs- bis siebenstelliger Höhe hervor.

Kaunertal-Kraftwerk mit volkswirtschaftlichen Effekten

Volkswirtschaftsprofessor Christian Helmenstein (Privatuniversität Schloss Seeburg) präsentierte indes Erkenntnisse einer Studie zu generellen volkswirtschaftlichen Effekten beim geplanten Pumpspeicherkraftwerk Versetz (Kraftwerk Kaunertal). Geplante Investitionen von 1,6 Mrd. Euro würden fast eine Mrd. Euro Bruttowertschöpfung in Tirol auslösen, analysierte der Chefökonom der Industriellenvereinigung.

„Das Projekt ist ein Gamechanger wenn es darum geht, die Energiewende hinzubekommen“, fasste der Experte zusammen. Auch zahlreiche Arbeitsplätze entstünden durch das Projekt. 3.200 Menschen seien während der Bauphase mit dem Projekt beschäftigt. Auch kämen weiterführende fiskalische Effekte zum Tragen. Bei einer Investitionssumme von 1,6 Mrd. Euro flössen 654 Mio. Euro an den österreichischen Staat zurück.

WWF ortet „Tunnelblick“, Grüne fordern Alternativen

Die Umweltschutzorganisation WWF kritisierte die Tiwag indes für einen georteten „Tunnelblick“. Man ignoriere durch den einseitigen Blick auf wirtschaftliche Effekte langfristige Schäden für die Biodiversität und kommende Generationen. „Anstatt mit sündteuren Uralt-Projekten wie dem Kaunertal-Ausbau das Tiroler Naturerbe zu zerstören, muss eine naturverträgliche Energiewende im Vordergrund stehen“, wurde WWF-Expertin Bettina Urbanek in einer Aussendung zitiert. Der WWF forderte einen „Kurswechsel“ und Maßnahmen wie die naturverträgliche Modernisierung bestehender Kraftwerke sowie ein deutlich stärkerer Ausbau der Photovoltaik.

Anstatt mit sündteuren Uralt-Projekten Naturerbe zu zerstören, muss eine naturverträgliche Energiewende im Vordergrund stehen.“

WWF-Expertin Bettina Urbanek

Die Tiroler Grünen erneuerten ihre Kritik am geplanten Kraftwerk Kaunertal - auch aufgrund der langen Umsetzungsdauer. Eine Fertigstellung nicht vor 2035 sei „keine adäquate Antwort auf die heutigen Verwerfungen am Energiemarkt“, sagte Landessprecher Klubobmann Gebi Mair am Mittwoch in einer Aussendung. Es gebe „kluge und effiziente“ Alternativen. Die Tiwag müsse ihr Investitionsprogramm umplanen, unter anderem gehörten über alle Großparkplätze in Tirol Photovoltaik-Anlagen errichtet. In Kombination mit inzwischen leistungsfähigen Akku-Technologien könne man ausreichend Speicherkapazitäten für Tirol schaffen.

Pläne erstmals 2009 eingereicht

Die Pläne für das Mega-Pumpspeicherkraftwerk waren zum ersten Mal im Jahr 2009 eingereicht, die UVP erstmals 2012 gestellt worden. Sowohl frühere Landesregierungen als auch die aktuelle aus ÖVP und SPÖ bekannten sich bisher zum Kaunertaler Kraftwerksausbau. Die Tiwag betonte stets, am Kraftwerksprojekt führe kein Weg vorbei, um die in Tirol für 2050 anvisierte Energieautonomie zu erreichen.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

12 Postings

Brunnschmid Hermann
vor einem Monat

Sollte jemand tatsächlich schon den Taschenrechner angeworfen haben, die Modellierung findet man als pdf ganz unten auf der ÖE Seite.

 
0
2
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Brunnschmid Hermann
vor einem Monat

@F_Z Die Modellierung von "Österreichs Energie" kann jedermann finden unter "Stromstrategie 2040". Da kommt man auf die Seite von ÖE. Die Modellierung verlangt 6,9 TWh Pumpspeicher, ca. 0,4 haben wir schon also müssten wir ca. 6,5 zubauen. Zusätzlich bräuchten wir laut Modellierung noch 4 TWh Batteriespricher und noch ein paar weitere fexible Energieerzeuger. Mit meinen eigenen Berechnungen und Überlegungen komme ich für eine halbe Energiewende ebenfalls auf 6,5 TWh Pumpspeicher. Die hohe Bedarf kommt daher, dass man nicht nur eine Dunkelflaute von bis zu 14 Tagen überstehen müsste, sondern man sollte auch Energie aus dem Sommer Überschuss in den Winter hinüber bringen. Dafür müsste man ca. 28 Vollast Tage überbrücken können. Kann jeder mit technischem Hausverstand und Taschenrechner nachrechnen.

 
0
4
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
steuerzahler
vor 2 Monaten

Energiewende, das ist fast zum Lachen. Wie soll das gehen, wenn es bei jedem Bauvorhaben sofort Bürgerinitiativen dagegen, Einsprüche, Verfahrensverzögerungen und dergleichen mehr gibt? Dadurch wird alles so verzögert, daß es nicht nur sehr spät gebaut werden kann, sondern auch noch viel mehr kostet.

 
9
10
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Village Pizza
    vor einem Monat

    Die UVP-Novelle, die der Tristacher Bauernbub demnächst in Begutachtung gibt, macht´s wieder gut. Sofern sie beschlossen wird.

     
    1
    1
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      senf
      vor einem Monat

      ... und der ober-lienzer bauernbub? er wird dann als länderkammervertreter vorher seine wohlwollende oder besser "kollegiale" unterstützung geben und alles sozusagen wertelos durchsetzen (versuchen).

       
      1
      1
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Brunnschmid Hermann
vor 2 Monaten

Ein Motor für die Energiewende? Wohl nur ein Moped-Motor für 1,6 Milliarden. Laut einer Modellierung im Auftrag von "Österreichs Energie" (Thinktank des Verbundes) benötigen wir für eine Verdoppelung des Energiebedarfes zusätzlich ca. 6,5 TWh Pumpspeicher, um eine zuverlässige Stromversorgung zu garantieren. Die Pumpspeicherstufe Versetz liefert davon ca. 0,015 TWh. Ohne Zahlen kann man eben eine Energiewende nicht realistisch einschätzen. Auch Gebi Mair seine PV Anlagen können im Winter so gut wie nichts zur Energiewende beitragen, sind also als Alternative völlig ungeeignet.

 
7
8
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Village Pizza
    vor 2 Monaten

    Es trifft zwar zu, dass mit diesem Kraftwerk allein (oder mit irgendeinem Kraftwerk allein) weder die Energiewende gelingen noch die Versorgung gesichert werden kann; aber jeder Beitrag ist ein Beitrag.

     
    4
    6
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    karli8
    vor 2 Monaten

    Ich denke deine Zahlen solltest noch mal prüfen. Der Ausbau bring ca. 0.86 TWh pro Jahr, was ca. 13% vom Ausbauziel alleine ist. Klingt für mich nicht so schlecht für ein einzelnes Projekt.

     
    2
    5
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      Brunnschmid Hermann
      vor 2 Monaten

      Ich rede lediglich von der Speicherleistung der Pumpspeicher Stufe Versetz, nicht vom gesamten Kaunertal Ausbau. Da habe ich tatsächlich nochmal nachgeschaut. Wenn der Platzertal Sprichersee komplett entleert werden könnte, slso bis schon Schlamm und Steine in die Triebwsserleitung gelangen, wären theoretisch 160 Stunden Volleistung möglich. Läßt man 10% Restmenge zur Sicherheit im Speichersee, sind es nur mehr ca.145 Stunden. 400 MW X 145h= 58000 MWh = 58 GWh = 0,058 TWh. Demach würden wir weitere 111 Stück der gleichen Größe benötigen, um die 6.5 TWh zu erreichen. Die müssten allerdings alle ZWEI Speicherseen dieser Größe aufweisen,denn die Sonderfälle wo ein Speicher schon vorhanden ist sind ausgereizt.

       
      1
      2
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      F_Z
      vor 2 Monaten

      Die 6,5 TWh sind auch nicht ganz koscher - mir dünkt da fehlt was bei der Angabe vom Hermann.

       
      2
      2
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    senf
    vor 2 Monaten

    Dafia brauch ma heut an 400 PS-Stromer, um an halbn Kilo frische Bananen von da Debant ham nach Lienz zu bringen, äh, zu liefern, oda a klans Paddlbootle zum Taglio - mento obi und wieda auffa zu zahn. Und olle, die mitn Vabrennerflieaga urlaub ba die Saudis gmacht habn, bring ma jetzt af Steuerzahlerkoschtn wieda sicha ham. varuckte welt!

     
    5
    5
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      senf
      vor 2 Monaten

      ... des war zu erwarten ...

       
      3
      3
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren