Die Ölpreise sind in der Nacht auf Montag weiter angestiegen. Der Preis für ein Fass Brent-Rohöl legte um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar zu, bis Mittag ging er wieder auf 105 Dollar zurück. Das dürfte sich auch auf die Spritpreise auswirken, seit dem Ausbruch des Iran-Krieges sind die Preise an den Zapfsäulen spürbar nach oben gegangen. Die Regierung prüft die Preissteigerungen derzeit. Für einen Eingriff ist es laut Wifo-Chef Gabriel Felbermayr noch zu früh.
„Ich denke, es müssten die Preise nochmal deutlich stärker steigen, als das schon der Fall ist, dass so etwas gerechtfertigt wäre“, sagte der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) am Sonntagabend in der ORF-Sendung „Das Gespräch“. Zwei Euro pro Liter Diesel seien aus seiner Sicht noch nicht genug für einen Eingriff, „aber danach wird es wahrscheinlich relativ schnell kritisch“, so Felbermayr weiter.

Am gestrigen Sonntag kostete ein Liter Diesel im Schnitt 1,894 Euro, für Super mussten 1,689 Euro an der Zapfsäule gezahlt werden, das entspricht Aufschlägen von rund 13 bzw. rund 22 Prozent zum Tag vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs. Am Freitag vor dem Start der Angriffe Israels und der USA auf den Iran lag der Dieselpreis in Österreich im Schnitt noch bei 1,554 Euro und der Preis für Super-Benzin bei 1,499 Euro je Liter. Die E-Control erhebt die Spritpreise einmal täglich in der Früh für den Vortag.
Spritpreis ist politischer Preis und beeinflusst Inflation
Generell sei der Spritpreis „ein sehr politischer Preis“, der auch stark auf die Inflationsentwicklung wirke, sagte der Wifo-Chef. IHS-Chef Holger Bonin rechnete bereits am vergangenen Freitag in der „ZIB2“ - das war noch vor dem weiteren Anstieg des Ölpreises - damit, dass die Preisentwicklung beim Treibstoff die Inflation jedenfalls um 0,4 Prozentpunkte erhöhen werde. Im Februar betrug die Inflationsrate in Österreich laut vorläufiger Prognose der Statistik Austria rund 2,2 Prozent.
Im Hinblick darauf könnten Eingriffe in die Spritpreise notwendig werden. „Wenn wir eines gelernt haben 2022 bzw. 2023, dann ist das, dass wir das Durchrauschen-Lassen der Inflation nicht wieder machen sollten“, so Felbermayr.
„Wenn wir eines gelernt haben 2022 bzw. 2023, dann ist das, dass wir das Durchrauschen-Lassen der Inflation nicht wieder machen sollten.“
Wifo-Chef Gabriel Felbermayr
Die Frage sei jedoch, wie genau eingegriffen werden soll. „Da wird man scharf nachdenken müssen“. Aus anderen Ländern gebe es Beispiele, welche Eingriffe nicht funktioniert haben: Der Tankrabatt in Deutschland mittels Senkung der Mineralölsteuer sei bereits nach wenigen Monaten nicht mehr für den Staat leistbar gewesen, die Preiseingriffe direkt an den Zapfsäulen in Ungarn hätten wiederum zu langen Warteschlangen an den Tankstellen geführt. Die Regierung prüft aktuell die Preissteigerungen an den Tankstellen. Von den Autofahrerklubs ÖAMTC und ARBÖ wurden vergangene Woche bereits Rufe nach Preiseingriffen laut.
Felbermayr für Eingriff in Merit Order
Um die Energiepreise generell im Zaum halten zu können, könnte jedoch beim Merit-Order-Prinzip eingegriffen werden. Dieses bestimmt, wie der Preis auf dem europäischen Strom-Großhandel zustande kommt und besagt, dass das letzte zugeschaltete Kraftwerk - im Winter ist das oft ein Gaskraftwerk - den Preis bestimmt. „Es rächt sich ein bisschen, dass man da in den letzten Jahren nicht aktiv geworden ist, aber das wäre jetzt sehr dringend“, sagte Felbermayr im Ö1-Mittagsjournal am Montag.
Europaweit könnte das iberische Modell umgesetzt werden, also eine Deckelung der Preise nach Vorbild Spaniens und Portugals. Allerdings müsste eine solche Deckelung für die gesamte EU umgesetzt werden.
Beim Gaspreis sieht Felbermayr zudem die Möglichkeit, analog zu den Aktienbörsen bei starken Preisausschlägen eine Aussetzung des Handels zu ermöglichen. Im Hinblick auf die Spritpreise sieht Felbermayr hohe Marktmacht und plädiert für rasche politische Maßnahmen seitens der Politik, damit Konzerne, die ihre Marktmacht ausnützen, gebremst werden.
Hattmannsdorfer warnt vor zu frühem Eingriff
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat jedoch vor einem zu schnellen Eingreifen in die Spritpreise gewarnt. Gleichzeitig sei für ihn klar, „dass es keine Krisengewinner geben darf auf Kosten der Autofahrer“, erklärte er am Rande einer Pressekonferenz am Montag. Man müsse aber aufpassen, dass gesetzte Maßnahmen nicht zu einer Angebotsverknappung in Österreich führen, „und dann sind die Zapfsäulen leer“. Sollten die Sprit-Preise aber längerfristig hoch bleiben, müsse über Maßnahmen nachgedacht werden. Um die Versorgungssicherheit macht sich der Wirtschaftsminister aktuell keine Sorgen. Sowohl die Gasspeicher als auch die Ölreserve seien gut gefüllt. Letztere entspreche ungefähr einer Versorgung Österreichs für drei Monate.
Konjunkturprognose könnte revidiert werden
Wegen des Iran-Kriegs und des rasanten Öl- und Gaspreisanstiegs könnte auch die für 10. April angekündigte Konjunkturprognose des Wifo und des IHS revidiert werden. Die Ökonomen des Wifo gingen in ihrer letzten Prognose im Dezember 2025 für 2026 von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent und für 2027 von einem Plus von 1,4 Prozent aus.
Die Wifo-Volkswirte nahmen in ihrer damaligen Prognose für das Gesamtjahr 2026 einen durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von 62 Dollar pro Barrel an und einen TTF-Erdgaspreis von 29 Euro je MWh an. Zum Vergleich: Der europäische Gas-Future für eine Lieferung im April notierte am Montagmittag bei 62,9 Euro (+18 Prozent) und der Brent-Ölpreis bei 105 Dollar (+13 Prozent).
13 Postings
"Die Mineralölsteuer ist eine Mengensteuer (48,2 Cent für einen Liter Benzin, 39,7 Cent bei Diesel). Hier bleiben die Einnahmen also von Preisschwankungen unberührt, ebenso verhält es sich bei der CO₂-Steuer. Was anzieht, sind die Umsatzsteuereinnahmen..."
Die momentanen preissteigerungen haben also sehr wenig mit zusätzlichen steuereinnahmen für den staat zu tun...
Interessant die vorschläge der parteien: Die von der ÖVP geforderte steuerlichen Entlastungen zahlen wir alle: was an Steuereinnahmen wegfällt, fehlt im Budget. Entweder werden öffentliche Leistungen gekürzt oder die Schulden steigen, weshalb dann nächstes Jahr mehr Leistungen gekürzt werden müssen. Den von der SPÖ geforderten Margendeckel (wie in kroatien bereits vorhanden) zahlen die Aktionäre der Ölfirmen, deren Dividenden nicht so stark steigen...
https://www.derstandard.at/story/3000000311910/gestiegene-spritpreise-in-oesterreich-steuern-senken-margen-begrenzen-oder-beides
Warum machens die Spritlieferantn und Vakafer ned auch so wie man gelegentlich von anichen Supermärkten hört? Statt 100 Gramm nur mehr 750 Gramm, also statt an Lita dann halt nur mehr sechs Achtalen zum alten, gewohnten Literpreis.
Fällt niemanden auf, aber alle sans zufrieden.
Humor in diesen Zeiten schadet nicht!
Klar Herr Felbermayr, je später man eingreift, umso länger profitiert der Staat und die Konzerne von den gestiegenden Preisen. Also besser noch etwas abwarten 🥳
eigentlich sind diese experten, vom orf vorgesetzt, alle für die fisch. genausogut kann man die wirtschaftsunis alle schließen. null, komma null lösungsvorschläge von derer seite.
Am besten wird sein Sie halten sich weiterhin an der Rundum-Experten Hauser. Da kann nichts schiefgehen, mehr Schwurbelei kriegt man nirgends. Vor allem nicht in den "Systemmedien" und der "Einheitspresse".
Was gegenwärtig Ihre Rundum-Experten leisten ist FAKT; nämlich NICHTS als große Sprüche. Wenn man so will, hatte Hauser bis dato keine Möglichkeit gehabt unseren Staat derart zu ruinieren. Ja, die Coronasprüche hätte er lieber bleiben lassen sollen. Ich bin aber kein Fan von ihm.
Da sieht man wieder schön, dass es längst an der Zeit ist, sich von fossilen Energien zu trennen. Wenn man heute noch glaubt, man benötigt eine Gas- oder Ölheizung, man kauft immer noch einen Benziner oder Diesel und verteufelt jegliche Innovationen, na dann bleibt man halt abhängig von den Scheichs und Trumps dieser Zeit.
Vielleicht wird dann aktuell doch wieder weniger mit dem KFZ gefahren, sollte es eine Möglichkeit geben. Aber solange weiterhin viele alleine zur Arbeit fahren und z.B. keine Fahrgemeinschaften bilden wollen, dürft der Preis weiterhin nur eine Nebenrolle spielen, auch wenn er über 2 Euro steigen sollte.
2022: "Bürger leiden unter Teuer-Schock: Öl-Multis kassieren Milliarden von Euros zu viel"
2026: "Wie die Mineralölkonzerne mit dem Irankrieg Kasse machen"
Und zwischen diesen Jahren gab es dann eine kräftige Kampagne gegen Erneuerbare, E-Autos, Wärmepumpen - sponsored by...?
"Nach unseren Schätzungen zahlen die Menschen weltweit allein dieses Jahr 1.000 Milliarden Euro zusätzlich und diese zusätzlichen Ausgaben der Menschen kommen fast 1:1 als Gewinne bei den Mineralölkonzernen an..."
https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/kriegsprofiteure-uebergewinnsteuer-100.html
„…diese zusätzlichen Ausgaben der Menschen kommen fast 1:1 als Gewinne bei den Mineralölkonzernen an…“ Wer weiß, dass über 50 % des Spritpreises Steuern sind, dem könnte etwas auffallen. Aber der ÖRR würde ja nie manipulieren.
Man könnte ja mal die CO2 Steuer streichen. War beim Klimabonus ja auch sehr einfach.
... und für Sie gibt es eben k e i n e n Klimawandel, weiter so ...
eh klar, diejenigen, die nur ihren chauffeur anrufen müssen um dann mit den bmws und benzs abgeholt und durch die gegend kutschiert zu werden, müssen sich um den spritpreis keine gedanken machen - den bezahlt ja das gemeine fußvolk
tja bei dem Öffi Standard im armen Autoland gibt es eben keine Alternative zu den Dienstauti
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