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Benkos „Laura Privatstiftung“ ist insolvent

Schulden bei Gesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten führten zur Zahlungsunfähigkeit.

Die aktuellen Vorstände der Laura Privatstiftung, Luipold Wüsthof, Thomas Limberger und Christof Jauschnegg, haben einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Landesgericht Innsbruck eingebracht. Bei Jauschnegg handelt es sich um den langjährigen Privatpiloten Benkos.

Die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wurden vom Landesgericht Innsbruck bestätigt und es kam folglich zur Verfahrenseröffnung.

Gründung durch Ingeborg und René Benko

Ursprünglich wurde die Laura Privatstiftung von René Benko und seiner Mutter Ingeborg am 22.12.2006 gegründet und Anfang 2007 im Firmenbuch registriert. Als Stiftungszweck wurde im Jahr 2006 die Versorgung der Begünstigten festgelegt, als welche Benko selbst, seine Mutter sowie seine Nachkommen definiert wurden.

Über die Jahre erfolgten zahlreiche Änderungen der Stiftungsurkunde. Im Rahmen einer dieser Änderungen der Stiftungsurkunde schied René Benko aus der Gruppe der Begünstigten aus. Auch gab es im Laufe des Bestehens der Laura Privatstiftung eine Erweiterung des Stiftungszwecks. Es war den Vorständen in der Folge gestattet, unternehmerische Risiken einzugehen und Beteiligungen an Unternehmen zu erwerben.

Die Laura Privatstiftung war in weiterer Folge sehr eng mit der Signa-Gruppe verbunden, es gab zahllose wechselseitige Abhängigkeiten. Besonders wichtig im Zusammenhang mit den aufgetretenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Laura Privatstiftung ist, dass diese im Zuge von Investorengesprächen von Signa-Gesellschaften immer wieder beteiligt war.

Zahlungen von mehr als 900 Millionen Euro ausständig

Am 29.01.2026 fällte der ICC in Genf, der Schiedsgerichtshof zur Beilegung internationaler Handelsstreitigkeiten, zwei Schiedssprüche: Diese besagen, dass die Laura Privatstiftung insgesamt drei Gesellschaften aus den Vereinigten Emiraten inklusive abgelaufener Zinsen weit mehr als 900 Millionen Euro schulde. Außerdem stellte der ICC fest, dass die Laura Privatstiftung den Gesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten für Finanzierungsströme im Zusammenhang mit der Signa-Gruppe hafte.

Klaus Schaller, Leiter des KSV1870 in Tirol, erklärt: „Die drei Vorstände der Laura Privatstiftung kamen zum Schluss, dass aufgrund der beiden Schiedssprüche Zahlungsunfähigkeit eingetreten sei. Es wäre ein weiterer Rechtszug gegen die Schweizer Schiedssprüche möglich gewesen. Die Vorstände haben sich offensichtlich gegen die Beschreitung dieses – mit sehr hohen Kosten verbundenen Rechtsweges - entschieden. Der Antrag auf Eröffnung dieses Insolvenzverfahrens wurde sohin von der Laura Privatstiftung selbst initiiert.“

Komplexe Konzernstruktur

Die große Herausforderung für die Insolvenzverwalter, die Rechtsanwälte Dr. Stefan Geiler, MMag. Dr. Stefan Dorner und MMag. Dr. Simon Schafferer von der Kanzlei UGP Rechtsanwälte aus Innsbruck, wird es nun sein, die vorhandenen Vermögenswerte zu erheben. Derzeit sind zahlreiche österreichische Unternehmensbeteiligungen bekannt, doch in der Vergangenheit war die Privatstiftung auch bei Immobilientransaktionen im Ausland aktiv. Hervorgehoben wird vonseiten des KSV1870, dass die österreichischen Beteiligungen selbst wieder über eine Vielzahl an Beteiligungen verfügen.

„Die Insolvenzverwalter erwartet eine Herkulesaufgabe. Nach einer ersten Analyse des Konzernorganigramms sind hunderte Gesellschaften der Einflusssphäre der Laura Privatstiftung zuzuordnen. Dies nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland. Dementsprechend umfangreich stellt sich die Situation dar", beschreibt Klaus Schaller.

Die sehr komplexe Konzernstruktur, welche bereits bei der Abwicklung diverser Insolvenzen im Signa-Konzern evident wurde, setzt sich damit auch in der Sphäre der Laura Privatstiftung fort. Nach Einschätzung des KSV1870 handelt es sich demnach um „eines der komplexesten Insolvenzverfahren in der österreichischen Wirtschaftshistorie“.

Auch die Villa N in Igls, die René Benko vor Verhängung der Untersuchungshaft persönlich bewohnte, steht im Stiftungsbesitz. Foto: Apa/Expa/Johann Groder

Bekannt ist, dass Vermögensgegenstände der Laura Privatstiftung und im Rahmen diverser Beteiligungen vorhandene Vermögenswerte – vor Verhängung der Untersuchungshaft – René Benko zur Nutzung überlassen wurden. Beispielhaft erwähnt wird die Villa N in Igls, welche Benko persönlich bewohnte.

Neben den Unternehmensbeteiligungen verfügt die Laura Privatstiftung immer noch über einen umfassenden Immobilienbestand. Laut Auskunft der Vorstände der Laura Privatstiftung sollen an Vermögenswerten rund 327 Millionen Euro bestehen.

Verbindlichkeiten von 1,07 Milliarden Euro

In der Vergangenheit haben Insolvenzverwalter von diversen insolventen Signa-Gesellschaften bzw. auch der Familie Benko Privatstiftung immer wieder Ansprüche gegen die Laura Privatstiftung geltend gemacht. Durch das nunmehrige Insolvenzverfahren der Laura Privatstiftung können die Insolvenzverwalter ihre Ansprüche nur mehr im Insolvenzverfahren zur Anmeldung bringen.

Eine Vollzahlung in die jeweiligen Insolvenzmassen der Signa-Gesellschaften rückt damit außer Reichweite. Es bleibt abzuwarten, in welcher Höhe Verbindlichkeiten in diesem Verfahren von der Masseverwaltung letztlich festgestellt werden. Im Insolvenzeröffnungsantrag gehen die Vorstände der Laura Privatstiftung von Verbindlichkeiten in Höhe von 1,07 Milliarden Euro aus.

Die Verhandlung zur Prüfung der angemeldeten Forderungen hat das Landesgericht Innsbruck für den 18.05.2026 anberaumt. Die Gläubiger sind angehalten Ihre Forderungen bei Gericht bis 04.05.2026 beim Landesgericht Innsbruck zur Anmeldung zu bringen, der KSV1870 bietet dafür seine Unterstützung an.

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