Ein beachtliches Aufgebot an Bildungs- und Arbeitsmarktexpert:innen versammelte sich am 12. März im Bildungshaus Osttirol in Lienz, um den Medien eine Fachausbildung für Rechnungswesen zu präsentieren, die zum einen die Grenzen zwischen Osttirol und Kärnten verschwinden lässt und zum anderen auf hybriden Unterricht setzt, also auf einen Mix aus Anwesenheit und Homeoffice.
Was auf den ersten Blick nicht sonderlich neu klingt, öffnet dennoch für Kursteilnehmer:innen – durchwegs Menschen auf Arbeitssuche und vorwiegend Frauen – eine neue, den Lebensumständen besser angepasste Bildungschance. Der Hebel dazu ist die Digitalisierung.
Beim Lokalaugenschein in Lienz saßen – zwei Stockwerke über der Pressekonferenz – ein gutes Dutzend Kursteilnehmer:innen vor ihren Rechnern in einem Seminarraum des Bildungshauses und lauschten den Worten eines Referenten, der auf einem großen Screen live aus Kärnten zugeschaltet war.

Dort nahm eine zweite Gruppe am selben Kurs teil. Der Präsenzunterricht geht bei diesem Kurs abwechselnd in Lienz und Spittal über die Bühne und wird zeitgleich in die jeweils andere Stadt gestreamt. Die Präsenztage sind verpflichtend, Teile der Ausbildung kann man aber – bei eingeschalteter Kamera – auch im Homeoffice absolvieren. Vorteil aus der Sicht der Kursanbieter AMS und BFI: Die zeitgleiche Durchführung in zwei Städten sorgt für eine höhere Zahl an Teilnehmer:innen, was die Kosten senkt.
Eine Kursteilnehmerin aus Winklern erklärte spontan, warum dieser Kurs für sie eine ideale Lösung ist. „Von Winklern nach Lienz fahre ich 20 Minuten, nach Spittal eine Stunde.“ Da der Kurs vom AMS bezahlt und über das BFI abgewickelt wird, müsste sie ihn eigentlich in Kärnten absolvieren. Die seit Herbst des Vorjahres bestehende Kooperation zwischen den Bundesländern spart der Teilnehmerin nun nicht nur Zeit und Geld, sondern liegt auch näher an ihrer Lebensrealität.
Das AMS war bei der Präsentation des Pilotprojekts durch Vorstandsmitglied Petra Draxl, Kärnten-Chef Peter Wedenig und Tirol-Chefin Sabine Platzer-Werlberger vertreten, das BFI durch Tirol-Geschäftsführer Othmar Tamerl und dessen Kärntner Kollegen Gottfried Pototschnig. Sie alle waren sich einig, dass der Arbeitsmarkt durch verschiedene Faktoren im Umbruch ist und vor großen Herausforderungen steht, die nach neuen Denk- und Lösungsansätzen verlangen.
„Die hybride Ausbildung für die Bezirke Lienz und Spittal stellt so eine Lösung dar. Getragen von Digitalisierung und technischen Möglichkeiten können wir Bildungsräume neu denken, besser und kosteneffizienter nutzen; wir bündeln Kräfte, kooperieren überregional und schaffen zugleich regional Chancen,“ unterstrich AMS-Vorständin Petra Draxl.
Die AMS-Bundesgeschäftsstelle übernimmt in diesem Fall auch die Kosten von 200.000 Euro für die Fachausbildung, an der aktuell 17 Personen teilnehmen. Sie benötigten keine Vorkenntnisse und werden in drei aufbauenden Modulen einen gesetzlich anerkannten Fachabschluss in den Bereichen Buchhaltung und Personalverrechnung erwerben. Diese Fachgebiete sind nicht zufällig gewählt, sie sind in der Wirtschaft nachgefragt und bei guter Bezahlung zudem vorwiegend weiblich besetzt.
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