Fast die Hälfte der E-Zigaretten in Europa stammt aus irregulären Quellen, 90 Prozent davon aus China. Das besagt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts, in der Marktstrukturen, Lieferketten und Herkunftsländer umfassend untersucht wurden.
Das Marktvolumen irregulärer E-Zigaretten liegt demnach bei rund 6,6 Milliarden Euro. Bis 2030 wird allerdings ein deutliches Wachstum des Marktes auf 10,8 Milliarden Euro erwartet, hieß es am Donnerstag bei einem Online-Pressegespräch.
Viele Grau- und Schwarzmarktprodukte
Als irreguläre Produkte gelten Grau- und Schwarzmarktprodukte, die gegen nationale Steuervorschriften, Kennzeichnungsvorschriften oder Zulassungsvorschriften verstoßen oder deren Herkunft nicht eindeutig nachverfolgt werden kann. Davon lassen sich 35 Prozent eindeutig dem illegalen Handel zuordnen, rund 13 Prozent sind private Importe nicht zugelassener oder unversteuerter Produkte.
Für die Regierungen und die EU bedeutet diese Praxis jedes Jahr einen millionenschweren Verlust. Allein in Deutschland belief sich der geschätzte Steuerausfall im Jahr 2024 auf rund 119 Millionen Euro. Der irreguläre Markt wächst weiter, Schätzungen gehen von einer Zunahme von 8,6 Prozent pro Jahr aus.
Hauptquelle China
Die Hauptquelle für Importe in die EU ist China, wobei die Metropole Shenzhen im Südosten des Landes als Zentrum gilt. Rund 72 Prozent der chinesischen E-Zigaretten-Produktion findet dort statt, und 70 Prozent der Hersteller von Vaping-Geräten haben dort ihren Sitz, zeigen die Daten der aktuellen Studie.
Deutschland, Niederlande und Belgien sind Drehkreuze in Europa
Innerhalb Europas sind Deutschland, die Niederlande und Belgien zentrale Drehkreuze für den weiteren Vertrieb innerhalb Europas. Verbraucher bestellen aber immer öfter direkt in Asien. Plattformanbieter würden hier von der Uneinheitlichkeit der EU-Vorschriften profitieren, hieß es im Zuge des Pressegesprächs.
„E-Zigaretten aus irregulären Quellen umgehen Verbraucherschutz und Qualitätskontrollen und sind für Hersteller äußerst profitabel", stellte Horst Manner-Romberg fest, Geschäftsführer der MRU Beratungs- und Verlagsgesellschaft, die mit dem Fraunhofer IIS zusammengearbeitet hat.
Preisunterschiede innerhalb des EU-Binnenmarktes würden zusätzliche Anreize für Schmuggel und Re-Importe aus Nachbarländern schaffen und legale Anbieter unter Druck setzen.
Logistik als Komplize
„Vape-Produkte gelangen in Standardverpackungen in die EU. Was wie harmlose Sendungen aussieht, summiert sich zu einem Schattenmarkt im Wert von Milliarden", erklärte Rico Back, geschäftsführender Partner der SKR AG, die die Studie in Auftrag gegeben hat.
„Die Folgen für die Wirtschaft und Gesellschaft sind immens, und die Logistik steht unfreiwillig im Zentrum des Problems", kritisierte er. In Sachen Logistik wünscht er sich mehr Transparenz und eine enge Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern.
Verbot wäre kontraproduktiv
Ein generelles Verbot von E-Zigaretten, wie es derzeit öffentlich diskutiert wird, halten die Experten mit Blick auf die Studienergebnisse für kontraproduktiv. Werden legale Vertriebskanäle vollständig geschlossen, bestehe die Gefahr der Abwanderung in den illegalen Sektor, fürchten sie.
Für eine effektive Stabilisierung des Marktes könnten hingegen einheitliche Definitionen und Produktklassifizierungen von E-Zigaretten, die digitale Rückverfolgbarkeit der Produkte und eine bessere Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern, insbesondere bei Massenware aus China, sorgen.
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