Vor rund 30 Jahren beschlossen die Hüttenbewirtschafter im Virgental, an einem Strang zu ziehen und einen gemeinsamen Verein zu gründen. Ziel war es, auf die Schönheit des Tales und seiner Hütten aufmerksam zu machen – „damit die Touristen Osttirol nicht nur zum Durchfahren benützen“, wie Lois Niederegger, ehemaliger Obmann und Wirt der Wodenalm im Ruhestand, sagt.
Die erst kürzlich wiedergewählte Obfrau Sarah Rainer stammt ursprünglich aus Prägraten. Die Liebe führte sie zunächst talauswärts nach Matrei und schließlich wieder hinauf auf über 1.800 Meter, auf die Zunigalm, die sie gemeinsam mit ihrer Familie bewirtschaftet.
Zum Verein gehören 18 Hütten, darunter privat geführte Almhütten bis zu hochalpinen Schutzhütten in Extremlagen. Sie sind, wie viele andere bewirtschaftete Alm- und Berghütten in Osttirol, nicht nur ein touristisches Angebot, sondern auch für die Menschen die hier leben von zentraler Bedeutung. Gemeinsam mit dem weitverzweigten Wegenetz zählen sie zur wichtigen Infrastruktur der Region.
Verbunden sind die Virgentaler Hütten durch zwei Weitwanderwege: den Lasörling-Höhenweg auf der einen und den anspruchsvolleren Venediger Höhenweg auf der anderen Seite. Besonders Ambitionierte können dort ihr Hüttenbuch mit Stempel füllen und bekommen dafür den bronzenen, silbernen oder – für ganz Fleißige –, den goldenen Virgentaler Wandertaler verliehen. Keine kleinen, leichten Münzmedaillen, wie im Video zu sehen ist.
Seit der Vereinsgründung ist viel Wasser die Isel hinuntergeflossen – gespeist auch von den rapid dahinschmelzenden Gletschern. Wie sich die klimatischen Veränderungen im Virgental bemerkbar machen, was Hüttenbetreiber:innen im Winter tun und was Lois Niederegger unter Ruhestand versteht, darüber sprechen wir im Dolo Talk.
Und: Warum ist eigentlich kein Mann im Vereinsvorstand?
Ein Posting
Ein sehr angenehmes, ja sogar "genussvolles" Interview mit Sarah und Lois, die beiden wissen von was sie reden. Sie haben auf ihre erzählerische Weise sogar Lust auf eine Hüttenwanderung im Virgental geweckt. Die Zusammenarbeit in dieser Werbegemeinschaft scheint gut zu funktionieren und Erfolg bringen. In früheren Zeiten war vieles anders, es lag vielleicht an den örtlichen Tourismusbüros und auch in der Einstellung so mancher Leute, nicht über die Gemeindegrenze oder nicht hinter den eigenen Kirchturm zu schauen. Erst die in den Achzigerjahren erfolgten Bemühungen für grenzüberschreitende Wanderweg- und Routenverbindungen auf der Sonn- und Schattseite des Virgentales, die einen regelrechten Hüttenbauboom in der oberen Etage in die Almregion auslösten. Der Hüttenzusammenschluss war vorausschauend die Folge.
Wenn da Lois den Hüttenkongress erwähnte, so war es damals alpenweit eher die Sorge um die die Zukunft der Alpinen Versorger, aber noch mehr um ihre Bewirtschafter. Und auch die verschärften Bestimmungen nach der Wasserrechtsnovelle brachte Unsicherheit. Weniger im Tal, aber vielmehr durch die ausnahmslosen Entsorgungsauflagen der höheren Hütten, die in jeden einzelnen Fall hohe Kosten verursachten, aber auch nicht überall von Erfolg gekrönt war. Das war natürlich auch für die Privathüttenbetreiber eine schier unlösbare Aufgabe, die letztlich gemeinsam gemeistert wurde. Ich denke, dass dem Hüttenwirtestammtisch vieles zu verdanken ist und man schon früh erkannte, welcher Weg und Steig zum Erfolg führt. Bravo!
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