Der aktuelle Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins, der das Jahr 2024/25 beleuchtet, belegt einmal mehr den langjährigen Trend: Die Gletscher in Österreich verlieren weiter massiv an Länge, Fläche und Volumen.
Rückgang von rund 20 Metern
Für den Bericht wurden 79 Gletscher sowohl 2024 als auch 2025 vermessen: In diesem Zeitraum schrumpften sie im Durchschnitt um 20,3 Meter.

Bei insgesamt 96 Gletschern wurde zudem die Änderungstendenz erhoben: 94 von ihnen haben sich weiter verkleinert, nur zwei blieben nahezu unverändert. Damit liegt der Wert zwar unter den beiden Vorjahren, zählt aber noch immer zu den höchsten der 135-jährigen Messreihe.
Zu warme Temperaturen
Grund für diese Entwicklung waren erneut gletscherungünstige Witterungsbedingungen: ein schneearmer und warmer Winter und ein außergewöhnlich warmer Frühsommer mit einem Juni, der um fast 5 °C zu warm war. Die Temperaturen lagen an den ausgewerteten Hochgebirgsstationen um 2 °C über dem langjährigen Jahresdurchschnitt. Gleichzeitig wurde ein Niederschlagsdefizit von 24,5 Prozent verzeichnet. Diese Bedingungen setzten den Gletschern weiter zu.
„Viele Gletscher verlieren nicht nur an Länge, sondern treten zunehmend in eine Phase des strukturellen Zerfalls ein. Freigeschmolzene Felsstufen, abreißende Eisbereiche und in sich zusammenstürzende Gletscherzungen prägen immer mehr das Erscheinungsbild“, erläutert Andreas Kellerer-Pirklbauer, der gemeinsam mit Gerhard Lieb (beide Universität Graz) den Gletschermessdienst des Alpenvereins leitet.
Gerhard Lieb ergänzt: „Dass der mittlere Rückzug heuer etwas unter den Rekordwerten der Vorjahre liegt, darf nicht missverstanden werden. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Die Serie extrem gletscherungünstiger Jahre setzt sich fort, und viele Gletscher verlieren inzwischen so viel Substanz, dass sie auf Wetterphasen mit kurzfristiger Abkühlung, wie es etwa im Juli 2025 der Fall war, kaum noch reagieren.“
Alpeiner Ferner ist größter Verlierer
Die größten Rückzugswerte wurden laut aktuellem Gletscherbericht am Alpeiner Ferner (Stubaier Alpen/Tirol) mit minus 114,3 Metern, am Stubacher Sonnblickkees (Granatspitzgruppe/Salzburg) mit minus 103,9 Metern und am Krimmler Kees (Venedigergruppe/Salzburg) mit minus 90,3 Metern gemessen.
„Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern.“
Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins
Zweiteilung von Pasterze wahrscheinlich
An der Pasterze am Großglockner (Glocknergruppe/Kärnten) wurde an der Hauptzunge ein Rückzug von 54 Metern gemessen. Damit war die Pasterze österreichweit „nur“ auf Platz 8, in Kärnten jedoch wieder unter den großen Gletscherverlierern.
Auch wenn die „Hufeisenbruch“ genannte Eisverbindung zum höhergelegenen Riffelwinkel noch besteht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Gletscherzunge in den nächsten Jahren abreißt. Der größte Gletscher Österreichs wäre damit zweigeteilt und die immer noch mächtige Gletscherzunge würde als Toteiskörper langsam aber sicher abschmelzen.
Ziel: Konsequenzen abmildern
Im Alpenraum zeigt sich der Klimawandel besonders deutlich. Die fortschreitende Erwärmung führt zu mehr Wetterextremen und Naturgefahren, der Wasserhaushalt verändert sich, die alpine Infrastruktur ist zunehmend gefährdet und mit dem Verschwinden der Gletscher ändert sich das Landschaftsbild tiefgreifend: „Die Gletscher schmelzen – und mit jedem neuen Bericht wächst die Dringlichkeit. Der Klimawandel ist in den Alpen längst Realität, und wir erleben seine Folgen nicht irgendwann, sondern jetzt“, mahnt Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins. „Es geht nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer alten Form noch retten können; es geht darum, die Konsequenzen für uns selbst abzumildern.“
Resignation sei keine Option, betont Slupetzky. Die Veränderungen in den Alpen müssten wachrütteln, um das eigene Verhalten zu hinterfragen und die Politik in die Pflicht zu nehmen. Es brauche dringend eine effektive Klimapolitik, die nicht zu Lasten des Naturschutzes gehe.
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