Der Kreditschutzverband von 1870 blickt auf das erste Quartal des Jahres zurück und stellt fest, dass es an den Tiroler Bezirksgerichten in den ersten drei Monaten recht beschaulich zuging. Die Auswirkungen der unterschiedlichen Krisen in der Welt und die damit verbundenen Preissteigerungen belasteten die Haushaltsbudgets zwar stark, dennoch nahmen die Privatinsolvenzen in Tirol ab.
Nach dem Burgenland und Salzburg verzeichnete Tirol mit 19,3 Prozent Rückgang und lediglich 151 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren im ersten Quartal die größte Abnahme von Privatinsolvenzen. Österreichweit lag der Rückgang bei 5,1 Prozent.
Beratung stößt an Grenzen
Auf den ersten Blick würde man diese Entwicklung wohl als Zeichen für eine Entspannung der finanziellen Situation deuten. Gänzlich anders lautet hingegen die Interpretation des KSV1870, für den der Rückgang verdeutlicht, dass Betroffene das komplexer werdende Verfahren nicht mehr bewältigen können.
Klaus Schaller, Regionalleiter West des KSV1870, analysiert: „Hohe Mieten, hohe Energiekosten und ein Preisanstieg bei Lebensmitteln führen dazu, dass Private, welche in der Vergangenheit gerade noch ein wirtschaftliches Auskommen hatten, ihre monatlichen Verpflichtungen nicht mehr bedienen können. Sinnvoll wäre es, dass sich Betroffene in ihrer oft prekären wirtschaftlichen Situation, rasch Hilfe suchen.
Das aktuell in Tirol vorhandene Beratungsangebot ist jedoch überschaubar. Zweifellos stellt es den Flaschenhals zwischen einer Vielzahl an faktisch insolventen Privatpersonen auf der einen, und einer gerichtlichen Schuldenregulierung - mit Einbindung aller Gläubiger - auf der anderen Seite, dar.“
Weiterer Rückgang erwartet
Im Moment treffen somit eine hohe Nachfrage nach Beratungsangeboten und immer komplexer werdende Verfahren in Tirol zusammen und führen dazu, dass das Beratungsangebot aus Sicht des KSV1870 nicht mehr ausreichend ist. So kündigte etwa die Schuldenberatung Tirol bereits vor Wochen an, im Raum Innsbruck keine neuen Erstberatungstermine mehr zu vergeben.
Auch für den weiteren Jahresverlauf geht der KSV1870 demnach davon aus, dass es weiterhin zu einem leichten Rückgang bei Privatinsolvenzen kommen wird.
Jahreslanges Ausharren in der Schuldenfalle
Der KSV1870 hat jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit säumigen Zahlern und berichtet aus Erfahrung, dass ein Zuwarten häufig dazu führt, dass verschuldete Personen resignieren und ihre triste wirtschaftliche Situation akzeptieren.
Aus volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht sei diese Entwicklung allerdings massiv negativ, da Privatpersonen, die den Kopf in den Stand stecken, oftmals über Jahre hinweg in der Schuldenfalle verbleiben und selbst nicht mehr aktiv werden würden.
Hat eine zahlungsunfähig gewordene Person hingegen rasch die Möglichkeit, durch ein gerichtliches Verfahren die Schulden zu regulieren, schaffe das Perspektiven. Nach einer gewissen Zeit der wirtschaftlichen Anspannung sind nämlich alle Verbindlichkeiten getilgt, womit ein finanzieller Neubeginn erfolgen kann.
Keine Postings
Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren