Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören

Lienzer Bergbahn AG klagt die Tiroler Versicherung

Am 15. April treffen sich die Kontrahenten vor Gericht. Es geht um 1,8 Millionen Euro für die Stützensanierung.

Weitgehend unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit geriet hoch über Gaimberg Mitte Juli 2021 eine gigantische Erdmasse in Bewegung. Nach starken Regenfällen kamen auf 14 Hektar Fläche viele Millionen Kubikmeter Erdreich bis in eine Tiefe von bis zu 30 Metern ins Rutschen, ein breiter Spalt öffnete sich auf einer Wiese oberhalb des Sonnendorfes.

Fünf Zentimeter bewegte sich die Riesenmure pro Tag talwärts, was nach wenig klingt, aber viel ist und die Experten der Wildbachverbauung kurzfristig ordentlich ins Schwitzen brachte. Sie reagierten noch am selben Tag, begannen hunderte Meter Drainageleitungen zu verlegen und den Hang zu entwässern.

All das schilderte Hanspeter Pussnig von der Wildbach- und Lawinenverbauung ziemlich genau drei Jahre später, im Juli 2024, im Gemeinderat von Lienz. Wir haben ausführlich berichtet. Über sieben Millionen Euro kostet die Einhausung der Gefahr in drei Stufen der Bach- und Hangzähmung, von denen die dritte heuer in Angriff genommen wird.

Doch nicht nur die Wildbachverbauung geriet durch die mögliche Riesenmure über Gaimberg in Zugzwang. Auch die Lienzer Bergbahnen AG machte eine beunruhigende Entdeckung. An zwei Stützen der Umlaufbahn auf das Lienzer Zettersfeld wurden leichte Bewegungen registriert. Konkret waren die Stützen 14 und 16 betroffen. Man entschied sich, das Fundament der Stütze 16 zu erneuern und elf Meter tief im Felsen zu verankern.

Damit startete ein Sicherungs- und Sanierungsprojekt, das am Ende mit 4,8 Millionen Euro zu Buche schlug. Hier einige Bilder dazu:

1,8 Millionen Euro entfallen laut Bergbahn-Aufsichtsratschef Franz Theurl auf die unmittelbare Stützensanierung. Aus Sicht des Unternehmens wurde diese massive Sicherungsarbeit durch eine Katastrophe ausgelöst. Dagegen sei man versichert und zahle der Tiroler Versicherung hohe Prämien, erklärt Theurl im Gespräch mit Dolomitenstadt.

Die Tiroler Versicherung bewertet das aber offenbar völlig anders, sieht keine Katastrophe sondern eine Erosion, also einen natürlichen Vorgang und will nicht zahlen. Also klagt die Bergbahn. Man trifft sich am 15. April vor dem Landesgericht in Innsbruck.

Natürlich wollten wir Genaueres über Standpunkt und Argumente der Tiroler Versicherung wissen, doch Pressesprecherin Sylvia Ainetter winkte nach Rücksprache mit dem Vorstand ab: „Wir möchten das derzeit nicht kommentieren.“

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

Das könnte Sie auch interessieren

Hang in Bewegung: Wie gefährlich ist der Grafenbach?

2021 kamen Millionen Kubikmeter Erdreich ins Rutschen. Sie zu stoppen, kostet mehr als kalkuliert.

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren