Rat auf Draht, Österreichs Notrufnummer für Kinder und Jugendliche, verzeichnet ein Rekordhoch bei Beratungen zu Gewalt. So wurden im Jahr 2025 insgesamt 3.217 Beratungsgespräche geführt, die in die Kategorie Gewalt fallen - ein absoluter Höchststand und eine Zunahme von 9,1 Prozent im Vergleich zu 2024. „Anders ausgedrückt: Neun Jugendliche melden sich pro Tag wegen einer Gewalterfahrung", erklärte Birgit Satke, Leiterin des Beratungsteams von Rat auf Draht.
Besonders stark waren die Zuwächse bei körperlicher Gewalt, die auch als häufigste Form in den Beratungen (840 Gespräche) genannt wird. In den Beratungen nahm körperliche Gewalt in der Familie 2025 um 17 Prozent zu, in der Schule um 33,8 Prozent und in der Partnerschaft um 5,7 Prozent.
Psychische Gewalt ist die zweithäufigste Form, der junge Menschen ausgesetzt sind. „Darunter fallen: Beschimpfungen, Abwertungen, Demütigungen, permanente Kritik, aber auch absichtliches Ignorieren oder Anschweigen", sagt Satke. Psychische Gewalt nahm vor allem in der Familie (plus 16,8 Prozent) und in der Partnerschaft zu (plus 14,6 Prozent). Aber auch andere Arten von Gewalt nahmen zu: Cybermobbing stieg um elf Prozent, Stalking um 17,1 Prozent.
Vielfältige Gründe für Zunahme
Die Gründe für die Zunahmen sind vielfältig. So können Familienkonflikte und -belastungen wie Stress, Trennung der Eltern, Armut, Vernachlässigung oder bereits vorhandene Gewalt in der Familie das Risiko erhöhen, dass Jugendliche Gewalt erleben oder selbst ausüben. Auch Gewaltvideos oder aggressive Inhalte im Internet können Nachahmungseffekte auslösen und die Hemmschwelle für Gewalt senken. Druck innerhalb der Peergroup kann Jugendliche zu gewalttätigem Verhalten animieren. „Auch fehlende oder zu späte Hilfe kann die Gewaltspirale verstärken", so Satke.
Mädchen und junge Frauen sind deutlich öfter von Gewalt betroffen, besonders, was körperliche und psychische Gewalt in der Familie, sexuellen Missbrauch sowie Mobbing betrifft: Auf sie entfallen 2.082 Gespräche. Burschen und junge Männer wandten sich im Vorjahr 1.052-mal an das Beratungsteam, 18 Anrufer waren divers, 65 unbekannt.
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