Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören
Vor über acht Jahren kamen Joseph Oshakuade und seine Schwester Victoria Oshakuade aus Nigeria nach Österreich. Foto: privat

Vor über acht Jahren kamen Joseph Oshakuade und seine Schwester Victoria Oshakuade aus Nigeria nach Österreich. Foto: privat

Jung, klug, integriert – und kurz vor der Abschiebung

MCI-Studierende und Rektor Altmann engagieren sich für zwei nigerianische Geschwister in Abschiebehaft.

In einem Offenen Brief an den Bundespräsident, den Kanzler, den Innenminister und die Wissenschaftministerin machen Studierende des MCI in Innsbruck auf die drohende – und humanitär mehr als bedenkliche – Abschiebung eines Kommilitonen und seiner Schwester aus Österreich nach Nigeria aufmerksam.

Nicht nur die Abschiebung an sich, auch die konkreten Umstände stimmen nachdenklich. So schreibt Julian Pfurtscheller, Vorsitzender der Hochschülerschaft am MCI:

„Vor über acht Jahren sind Joseph Oshakuade und seine Schwester Victoria Oshakuade aus Nigeria nach Österreich gekommen. Sie haben sich hier ausgezeichnet integriert, Freunde gefunden, engagieren sich freiwillig in der Kirche, haben maturiert und sich ein Leben in Innsbruck aufgebaut. Joseph studiert mittlerweile Business & Management mit uns am MCI, seine Schwester macht eine Ausbildung im IT-Bereich. Österreich ist ihre Heimat geworden, zu Nigeria haben sie keinen Bezug mehr.

Schockiert haben wir vergangene Woche erfahren, dass Joseph und Victoria trotz ausgezeichneter Integration und einem vielversprechenden Bildungsweg nun nach Nigeria abgeschoben werden sollen. Sie wurden vergangenen Mittwoch nur mit den Kleidern die sie an sich trugen verhaftet, getrennt und nach Wien überstellt. Dort wurden sie schlussendlich zu einem Termin mit Vertretern des BFA und der nigerianischen Botschaft gebracht, um vermutlich ihre Abschiebung vorzubereiten.“

Pfurtscheller schließt eine eindringliche Bitte an: „Wir Studierende am MCI forschen, lernen und arbeiten gemeinsam. Wir unterstützen und helfen einander. Joseph ist einer von uns und gehört hierher, nach Innsbruck. Deshalb bitten wir Sie, Joseph und Victoria die Chance zu geben, ihr Leben und ihren Bildungsweg hier in Innsbruck fortzusetzen. Dort, wo sie Freunde gefunden haben. Dort, wo sie einen erfolgreichen Bildungsweg absolvieren. Dort, wo sie sich in den vergangenen acht Jahren ein Leben aufgebaut haben. Wir bitten Sie eindringlich um Ihre dringende Unterstützung für Joseph und Victoria.“

Doch nicht nur die Studierenden an der unternehmerischen Hochschule, die auch eine Außenstelle in Lienz hat, engagieren sich für ein Bleiberecht der nigarianischen Geschwister. Auch Rektor Andreas Altmann richtet in einem LinkedIn-Post einen „Appell an Vernunft, Verantwortung und Menschlichkeit!“

Altmann wörtlich: „Bei allem Anerkenntnis, dass Europa und Österreich nicht die Flüchtlingskrisen der Welt auf ihre Schultern laden können und dass ungeregelte Zuwanderung sowie mangelnde Integrationsbereitschaft und Instrumentalisierung heimischer Sozialsysteme unakzeptabel sind:

Hier haben wir es mit bestens integrierten, Verantwortung in der österreichischen Gesellschaft übernehmenden, mit substanziellen öffentlichen Mitteln hervorragend ausgebildeten und ihren nunmehrigen Qualifikationen dringend benötigten Bürgern zu tun, die nun abgeschoben werden sollen.

Dies, weil für die damals Minderjährigen bei ihrer Einreise nach Österreich offenbar keine, ungültige oder falsche Papiere vorgelegt worden waren. Die damalige Vorgehensweise ist nicht zu entschuldigen. Wer aber trägt hierfür die Verantwortung? Doch nicht die Minderjährigen. Auch das ist Rechtsstaatlichkeit.

Mein Appell an die zuständigen Behörden und politischen Entscheidungsträger als Leiter einer im Dienste des Standorts wirkenden Hochschule, an der Joseph Oshakuade nach seiner Matura am Akademischen Gymnasium Innsbruck erfolgreich studiert und sich beispielgebend einbringt: Gibt es in derartigen Fällen nicht Wege einer differenzierten Behandlung?

Joseph und Victoria Oshakuade wurden vor kurzem wie Kriminelle verhaftet, um ihre Abschiebung vorzubereiten. Bitte nochmals prüfen, ob es nicht - auch in Verantwortung für unseren gemeinsamen Standort - doch noch rechtlich gangbare Wege gibt, um derartigen Fällen bspw. unter Auflagen einen Aufenthalt und eine Zukunft in Österreich zu ermöglichen und für dieses Land zu wirken.“

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren