Tirols Grünen-Landessprecher Gebi Mair muss doch um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Herbst 2027 bangen: Der frühere Nationalratsabgeordnete und Ex-Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig bewirbt sich ebenfalls um den ersten Listenplatz für die Wahl, teilte die Partei am Donnerstag mit. Wer das Rennen für sich entscheidet, wird bei der Landesversammlung am 25. April in Schwaz feststehen - und damit in Weratschnigs Heimatstadt.
Eine Wahl wird in der Landesversammlung nicht mehr stattfinden, denn die grünen Mitglieder werden bereits ab dem 20. April online abstimmen. In Schwaz wird dann das Ergebnis bekanntgegeben. Wer zum Spitzenkandidaten der Oppositionspartei gewählt wird, wird übrigens automatisch auch Landessprecher und damit Tiroler Grünen-Chef sein. Eine entsprechende Statutenänderung war bei der Landesversammlung im Mai 2025 beschlossen worden.
Grünen-Urgestein Mair, der seit 2008 dem Tiroler Landtag angehört und derzeit auch Klubobmann ist, fungiert seit März 2023 als Landessprecher. Der 42-Jährige war bereits bei der Landtagswahl 2022 Spitzenkandidat gewesen, nachdem er sich - mit Co-Partnerin Petra Wohlfahrtstätter - gegen die damalige Soziallandesrätin Gabriele Fischer und den Landtagsabgeordneten Georg Kaltschmid durchgesetzt hatte. Bei der Wahl fuhr man dann ein Minus von 1,47 Prozentpunkten ein, landete bei 9,20 Prozent und in der Opposition, da die ÖVP fortan mit der SPÖ regierte.
Mair überrascht von Weratschnig-Kandidatur
Nach der Entscheidung der Nationalratsabgeordneten Barbara Neßler, nicht gegen Mair anzutreten, war man eigentlich davon ausgegangen, dass dieser politisch freie Bahn haben dürfte. Doch nun will ihm mit dem 50-jährigen Weratschnig ein weiteres Urgestein die Position streitig machen. „Die Kandidatur von Hermann kommt für mich wie für die meisten Mitglieder überraschend“, räumte Mair denn auch in einer Aussendung ein. Er schätze den Schwazer als „fachkundigen Politiker und nehme diese Herausforderung gerne an.“

Der Grünen-Frontmann sprach von einer Neuausrichtung bzw. Weiterentwicklung der Landespartei in den vergangenen zwei Jahren. Man sei „viel lebensnaher, smarter und zuversichtlicher als früher.“ „Ich sehe für mich die Chance, noch mehr aufzuzeigen, dass die neue lebensnahe Ausrichtung der Grünen erfolgversprechend ist und dass ich als Zugpferd an der Spitze die richtige Wahl bin“, rührte Mair schon einmal die Werbetrommel in eigener Sache. Mit 42 Jahren würden „die besten politischen Jahre“ noch vor ihm liegen: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als die Grünen in die nächste Landtagswahl zu führen.“
Weratschnig will Grüne als Regierungspartner-Option
„Meine Kandidatur ist ein Angebot an die Tiroler Grünen. Mit Erfahrung, Teamgeist und dem Ziel, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, will ich die Mitglieder überzeugen“, begründete indes Weratschnig, derzeit Gemeinderat in Schwaz, seine Kandidatur. Es gehe ihm nicht um eine Gegenkandidatur zu Mair, den er persönlich schätze, „sondern ich stelle meine Erfahrung und meine Persönlichkeit zur Wahl“.
Er wolle mit Sachpolitik Probleme der Menschen aufzeigen und an Lösungen arbeiten. Und der 50-Jährige hat offenbar auf eine erneute Regierungsbeteiligung im Visier: Die Grünen müssten 2027 „kräftig genug sein, um als Regierungspartner eine Option zu sein, die unsere nächste Generation dringend braucht.“
Dass Weratschnig in der Lage ist, ein Comeback auf höherer politischer Ebene zu schaffen, hat er schon einmal bewiesen: Von 2013 bis 2018 gehörte er schon dem Landtag an, unterlag dann aber im folgenden Urnengang im Rittern um einen Listenplatz. Im Jahr 2019 dann die „Rückkehr“: Er zog in den Nationalrat ein, dem er bis zur Wahl 2024 angehörte und vor allem als Verkehrssprecher von sich hören ließ. Bei der Nationalratswahl im Herbst 2024 verfehlte er jedoch den Wiedereinzug.
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