In einem aktuellen Test von ÖAMTC und seinen Partnerorganisationen sind gleich bei mehreren Modellen von Auto-Kindersitzen schwerwiegende Sicherheitsmängel aufgetreten. Der Mobilitätsclub warnte daher am Mittwoch vor allem vor dem Kauf sogenannter White-Label-Kindersitze, die online unter verschiedenen Namen vertrieben werden. Teils flogen Sitze aus der Basisstation, was im echten Leben zu gravierenden Folgen für Mädchen und Buben führen könnte.
„Bei den Crashtests lösten sich einige Sitze aus der Basisstation und wurden durch das Fahrzeug geschleudert. In der Praxis birgt ein solcher Aufprall ein erhebliches Verletzungsrisiko“, hieß es von ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Bei den besonders fehleranfälligen Modellen der White-Label-Kindersitze handelt es sich um eine Gruppe baugleicher Modelle, die im Internet mit unterschiedlichen Namen angeboten werden.
Händler haben laut Aussendung die Möglichkeit, diese Sitze zu individualisieren und in großen Mengen über Plattformen wie Alibaba zu beziehen. Entsprechend finden sich diese Modelle unter Namen wie „Ding Aiden 360“, „Kidiz 360“, „Kids Zone i-Size 360“, „Buf Boof Tweety Plus“, „Miophy i-Size 360“, „Xomax 946i“ oder „Lettas i-Size 360“ auf verschiedenen Online-Verkaufsportalen wieder. Zwar unterscheiden sich die Sitze optisch und im Labeling, technisch sind sie nach Angaben des ÖAMTC aber nahezu identisch. Das zeigten die vorläufigen Testergebnisse, die finalen Daten werden Ende Mai veröffentlicht.
Auch reguläre Sitze teils mit erheblichen Mängeln
Erhebliche Mängel zeigten sich laut Analyse aber auch bei regulären Sitzen, wie etwa beim Modell „Kinderkraft Mink Pro 2“. Im Frontalcrash löste sich die Babyschale aus der Isofix-Station „Base Mink FX2“ und wurde ebenfalls durch den Fahrgastraum geschleudert. Jener Sitz könne laut ÖAMTC-Experte Kerbl zunächst als Alternative auch ohne Isofix-Station weiterverwendet werden. Dabei sollen Eltern auf den richtigen Gurtverlauf beim Einbau achten. „Ohne die Basisstation bot der Sitz in den Crashversuchen einen guten Schutz“, so Kerbl.
Modelle auch bei schlechterem Abschneiden noch im Handel
Die Tests, die von ÖAMTC und den Partnerorganisationen durchgeführt werden, orientieren sich an der Unfallschwere der sogenannten EURO NCAP-Crashtests. Bei diesen würden deutlich höhere Kräfte auf die Produkte wirken als bei den regulär gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsprüfungen für Kindersitze. Da die Modelle, die nun bei der ÖAMTC-Analyse durchgefallen sind, aber die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, sind sie weiter im Handel erhältlich. Deshalb gibt es auch kein Recht für Konsumentinnen und Konsumenten, die bereits gekauften Modelle zurückzugeben oder umzutauschen.
Der Mobilitätsklub informierte nach eigenen Angaben alle betroffenen Anbieter bereits vor der Veröffentlichung über die Ergebnisse. Der Hersteller Lettas, Produzent der White-Label-Kindersitze in China, gab an, in Bezug auf die Sicherheitsproblematik bereits seit Anfang des Jahres einige Verbesserungen vorgenommen zu haben. Kinderkraft kündigte einen kostenlosen Umtausch des Modells „Mink Pro 2 + Base Mink FX2“ an. Kundinnen und Kunden können sich hierfür unter der E-Mail-Adresse safety@kinderkraft.com melden.
Als Rat an die Eltern gilt von den Experten, sich vor dem Kauf von Kindersitzen im Internet umfassend über unabhängige Testergebnisse zu informieren.
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