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Matrei: Schultz baut Großhotel und spart eine Million

Gemeinderat segnet 300-Betten-Projekt ab. Wurde halbierter Erschließungsbeitrag unter Köll beschlossen?

Die Spannung im Matreier Gemeinderat dürfte sich heute, 9. April, in Grenzen halten, obwohl es um wirklich Großes geht. Die Schultz-Gruppe wird wohl grünes Licht für ein 300-Betten-Hotel direkt an der Talstation der Schultz-Bergbahn erhalten. In einer Medienaussendung bekundet die Matreier Liste schon vor der Sitzung ihre Zustimmung. Sie stellt nicht nur Bürgermeister und Vizebürgermeister, sondern hat im Gemeinderat eine komfortable absolute Mehrheit.

In der Aussendung wird weder der Bauherr noch ein bedeutsames Detail erwähnt, sondern lediglich auf die aus Sicht der Matreier Liste positiven Aspekte für die Gemeinde verwiesen. Das Hotel sei ein „wichtiger Impuls für die touristische Weiterentwicklung der Region“ und stärke die lokale Wirtschaft durch die Schaffung von rund 100 neuen Arbeitsplätzen. 

„Zudem profitieren lokale Betriebe von zusätzlichen Aufträgen und Gästen. Neben einer einmaligen Einnahme von rund einer Million Euro durch Erschließungsgebühren erwartet sich die Gemeinde wirtschaftliche Vorteile durch das steigende Kommunalsteueraufkommen sowie Mehreinnahmen aus diversen Verbrauchsgebühren. Somit kann sichergestellt werden, dass sich für die Gemeinde Matrei die Einnahmensituation nachhaltig verbessert“, schreibt die Mehrheitsfraktion. 

So könnte der neue Schultz-Hotelkomplex am Ortseingang von Matrei aussehen. Visualisierung: carpe solem matrei

Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die oben genannten Erschießungsgebühren nur 50 Prozent des regulär berechneten Betrags für ein Projekt dieser Größe betragen.

Das bestätigt Vizebürgermeister Lukas Brugger auf Nachfrage von dolomitenstadt.at und schreibt wörtlich: „Die Million ist die Hälfte. Laut Berechnungen wäre die gesamte Höhe der Erschließungsgebühren rund zwei Millionen. Es gibt aber eine Vereinbarung von vor unserer Zeit, die besagt, dass er (Anm.: Heinz Schultz) 50 Prozent des Erschließungsbeitrags gefördert bekommt. Wir haben auch beim Land nachgefragt, ob diese Vereinbarung rechtens ist bzw. auch für uns gültig usw. aber (leider) ist die Vereinbarung einzuhalten. So kommt man eben auf ca. eine Million.“

Stimmen diese Angaben, dann wäre die Zusage also in jene Zeit gefallen, in der Ex-Bürgermeister Andreas Köll noch am Ruder war und mit seiner – nun oppositionellen – Liste auch eine Gemeinderatsmehrheit hatte.

Viel spannender ist aber, dass Köll zu dieser Zeit auch Geschäftsführer der Schultz-Bergbahnen war. Die Opposition im Tiroler Landtag fiebert bereits einer neuerlichen Sitzung des Finanz-Kontrollausschusses entgegen, in der das sicher zur Sprache kommen wird, zumal auch der brisante Bericht des Bundesrechnungshofes darauf hinweist, dass die konkursreife Gemeinde jedenfalls nichts zu verschenken hat.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

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