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Geknickter Strommast unterbrach TAL-Pipeline

Anschlag in Palluzza für Staatsanwaltschaft Triest vermutlich Sabotage. TAL versucht zu kalmieren.

Zuerst kursierten Gerüchte, dann berichteten nur einige deutsche Boulevardmedien, jetzt ist es offiziell: Offenbar gab es Ende März einen ernsthaften Zwischenfall, der den Ölfluss der TAL-Pipeline unterbrach, die auch durch Osttirol führt.

Im Seehafen Triest beginnt die TAL-Pipeline, eine zentrale Schlagader der Rohölversorgung für Bayern, Baden-Württemberg, Tschechien und Österreich, die auch durch Osttirol führt. Foto: Expa/JFK

In Matrei betreibt die TAL eine Pumpstation, die 41,6 Millionen Tonnen Rohöl über den Tauernpass pumpt. Eine ähnliche Pumpstation steht in Paluzza am Fuß des Plöckenpasses. Und diese Pumpstation musste vorübergehend ihren Betrieb einstellen, weil am 25. März ein 12 Kilometer entfernter Strommast der 132-kV-Leitung Tolmezzo-Paluzza beschädigt wurde. Der Mast steht in schwer zugänglichem Gelände, deshalb wurde zunächst ein Erdrutsch vermutet.

Doch dann stellte sich heraus, dass zwei der vier Stützpfeiler glatt durchgeschnitten waren. Das bestätigt auch ein Video des italienischen Fernsehsenders RAI. Laut Ermittlungen und Zeugenaussagen vor Ort wurde die Basis des Mastes mit einer Brennschneidflamme abgetrennt. Die Aktion scheint darauf abgezielt zu haben, keinen sofortigen Zusammenbruch des Masts zu verursachen, sondern einen langsamen Kollaps, der die Versorgung der Pipeline-Pumpstationen hätte unterbrechen sollen.

Als der Mast zur Seite knickte, wurde der Schaden bemerkt. Der Netzbetreiber Terna teilte der TAL am 25. März mit, dass die Stromleitung repariert wird und deshalb die Pumpstation abgeschaltet werden muss. Die Reparatur führte zu einer dreitägigen Unterbrechung der Stromversorgung, betroffen waren neben der Pumpstation auch mehrere Industrieanlagen in der Region.

So wurde auch die Presse auf das Ereignis aufmerksam. „Wir haben bis zum 30. März, circa 2 Uhr, drei Tage lang kein Rohöl durch die TAL-Pipeline bekommen und aus unseren Rohölbeständen gelebt“, bestätigte eine Sprecherin von Miro der „Welt am Sonntag“. Auch die Bayernoil-Raffinerie hatte mit dem Lieferausfall zu kämpfen. Die Standorte Neustadt und Vohburg in Bayern mussten ebenfalls die Lieferunterbrechung aus örtlichen Lagerbeständen drei Tage lang überbrücken, so die Zeitung.

Eine OMV-Sprecherin verwies am Sonntag gegenüber der APA nur auf die Betreiberfirma TAL, die selbst an diesem Tag nicht erreichbar war. In einer Presseaussendung am Samstag bestritt TAL die Sabotage und erklärte, es habe sich um eine „normale technische Störung“ gehandelt. TAL teilte mit, dass es im März zu einem „technischen Rückgang der Förderleistung“ gekommen sei.

Die Staatsanwaltschaft Triest sieht die Lage anders und ermittelt wegen Sabotage. Die Untersuchung wurde den Carabinieri und der Polizei anvertraut und erfolgt in Zusammenarbeit mit den deutschen Geheimdiensten, berichteten friulanische Medien. Aufgrund der Ausführung wird vermutet, dass hinter dem Anschlag keine gewöhnlichen Vandalen stecken, sondern professionelle Saboteure.

Die TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb. Sie transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und in die Tschechische Republik. Versorgt werden Raffinerien der OMV (Burghausen in Deutschland und Schwechat), Bayernoil und Unipetrol (Tschechien), Gunvor und MiRO. Als Schlüsselinfrastruktur für die europäische Ölversorgung deckt die TAL 100 Prozent des Rohölbedarfs in Bayern und Baden-Württemberg, sowie 90 Prozent des Rohölbedarfs in Österreich und fast den ganzen Bedarf Tschechiens.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

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