Am Mittwoch, 8. April, ging der 73. Landesjugendredewettbewerb im Innsbrucker Landhaus über die Bühne. 54 Teilnehmer:innen stellten sich in drei Kategorien der Jury. So weit, so traditionell.

Ein Novum der diesjährigen Veranstaltung kam aber bereits im Vorfeld zum Tragen: Anders als in den vergangenen Jahren hatte heuer kein Vorentscheid auf Bezirksebene stattgefunden. Stattdessen wurde die Entscheidung, welcher Beitrag für das Landesfinale nominiert wird, den Schulen übertragen.
Pro Schule durfte ein Redner bzw. eine Rednerin - unabhängig von der Kategorie - angemeldet werden. Sollte am Standort ein „erhöhtes Teilnahmeinteresse“ herrschen, könne eine Vorentscheidung durch die Schule vorgenommen werden, lautete der Vorschlag auf der Website des Landes.
Die Entscheidung über die tatsächliche Teilnahme traf die Abteilung Gesellschaft und Arbeit „in chronologischer Reihenfolge“, es galt somit das Prinzip „first come, first served“. Aufgrund dieser geänderten Rahmenbedingungen fand auch in Lienz kein Bezirksbewerb statt. Wohl auch darauf ist zurückzuführen, dass beim diesjährigen Landesfinale nur ein Beitrag aus Osttirol auf der Teilnehmerliste stand.
Entscheidung ohne Einbindung von Organisatoren
Vonseiten der Opposition regt sich nun Kritik an dieser Streichung der Bezirksvorentscheidungen. Neos-Klubobfrau Birgit Obermüller beanstandet besonders den Umstand, dass Jugendlandesrätin Astrid Mair diese Entscheidung bereits im Sommer 2025, ohne Einbindung der Organisatoren, getroffen habe.

„Dass engagierte Organisatoren erst im Nachhinein vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ist respektlos und organisatorisch höchst fragwürdig.“ Auch die Begründung, die Kürzung sei aufgrund geringer Teilnehmerzahlen passiert, lässt die Neos-Politikerin nicht gelten: „Wenn weniger Jugendliche teilnehmen, dann ist das ein Auftrag zu handeln und nicht ein Anlass, bestehende Strukturen abzubauen. Gerade die Bezirksbewerbe bieten eine niederschwellige Bühne und einen geschützten Raum für erste Erfahrungen, öffentlich Stellung zu nehmen.“
„Überschaubare Kosten, riesiger Mehrwert“
Ähnlich positioniert sich die Grüne Landesrätin Zeliha Arslan, die darauf hinweist, dass die Kosten für die einstigen Bezirkswettbewerbe überschaubar seien, wohingegen der Mehrwert für die Jugend „riesig“ sei. Dementsprechend kündigte Arslan an, im nächsten Landtag einen Antrag für den Erhalt der Bezirksausscheidungen einzubringen.

„Ich stimme ÖVP-Landesrätin Astrid Mair voll und ganz zu, dass ‚eine lebendige Demokratie vom Diskurs lebt‘, wie sie am Rande des Wettbewerbs gesagt hat. Darum sollten wir die Möglichkeiten für Jugendliche keinesfalls einschränken. Vielmehr sollten wir die Angebote und Unterstützung in den Bezirken finanziell stärker fördern, damit noch viel mehr Jugendliche teilnehmen. Denn gerade dort bekommen junge Menschen erstmals eine Bühne, um ihre Sorgen, Ideen und Forderungen auszusprechen – und genau dort hören Politik und Gesellschaft hin. Wer diese Ebene streicht, streicht nicht nur einen Wettbewerb, sondern ein wichtiges Sprachrohr der Jugend“, fasst Arslan ihre Beweggründe abschließend zusammen.
Jugendanwalt sieht Zugänglichkeit eingeschränkt
Auch Lukas Trentini, Kinder- und Jugendanwalt für Tirol, bezieht zum Wegfall der Bezirksbewerbe Stellung. Er sieht in der Reduktion auf einen eintägigen Landesbewerb ohne Vorrunden einen „großen Bruch mit der bisherigen Struktur und auch Kultur dieses traditionsreichen Beteiligungsformats.“
Auf diese Weise werde die Zugänglichkeit erheblich eingeschränkt. Während 2025 noch 130 Jugendliche am gesamten Wettbewerb inklusive Vorrunden teilnehmen konnten, reduzierte sich die Zahl in diesem Jahr auf 57 Teilnehmer:innen beim Landesfinale. Diese Abnahme sei Anzeichen dafür, dass „der niederschwellige Zugang zum Wettbewerb nicht mehr in ausreichendem Maß gewährleistet ist.“

Besonders Jugendlichen aus ländlichen Regionen oder mit weniger Unterstützung im eigenen Umfeld hätten die Bezirksbewerbe bisher einen niederschwelligen Zugang zu ersten Bühnenerfahrungen ermöglicht. „Der Wegfall dieser Ebene führt dazu, dass insbesondere jene jungen Menschen ausgeschlossen werden, die von solchen Angeboten am stärksten profitieren würden“, ist der Kinder- und Jugendanwalt besorgt, der die Entwicklung auch im Hinblick auf die UN-Kinderrechtskonvention kritisch bewertet.
Darüber hinaus weist Trentini auf die Bedeutung des Jugendredewettbewerbs für die Demokratiebildung hin, da Demokratie von mündigen Bürger:innen lebe, die ihre eigene Meinung bilden, artikulieren und in den Diskurs einbringen können. Der Bewerb leiste hierzu einen wesentlichen Beitrag, wohingegen ein reduziertes Format diese Funktion gefährde: „Wenn weniger Jugendliche Zugang zu solchen Erfahrungsräumen haben, wird auch demokratische Bildung eingeschränkt“, heißt es in einer Aussendung der weisungsfreien Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol.
Vor diesem Hintergrund spricht sich Trentini dafür aus, regionale Vorrunden wieder einzuführen oder digitale bzw. hybride Formate zu implementieren, „um eine breite und inklusive Beteiligung junger Menschen sicherzustellen und damit auch den technischen Entwicklungen zu entsprechen.“ Ziel müsse es auch unter veränderten Rahmenbedingungen sein, den jungen Menschen eine Stimme zu geben.
Mair zeigt sich gesprächsbereit
Durchaus offen für Änderungen bzw. eine Weiterentwicklung des Bewerbs gibt sich die verantwortliche Jugendlandesrätin Astrid Mair: „Die diesjährige Veranstaltung wird umfassend evaluiert, um mögliche Verbesserungspotenziale zu identifizieren und den Wettbewerb laufend weiterzuentwickeln. Sollte es ein entsprechendes Interesse der Jugendlichen an den Bezirksausscheidungen geben, bin ich die erste, die anordnet, dass es diese Bezirksbewerbe wieder geben soll.“

Nicht so stehen lassen will sie hingegen die Behauptung, die Streichung der Vorentscheide sei aus finanziellen Gründen passiert. Stattdessen habe man diese Entscheidung „aufgrund der fehlenden Beteiligung in einzelnen Regionen“ getroffen.
Im Jahr 2025 seien die Teilnehmerzahlen in den Bezirken nämlich regional sehr unterschiedlich ausgefallen. In einigen Bezirken sei kein ausreichendes Interesse vorhanden gewesen, weshalb die Veranstaltungen dort nicht mehr durchgeführt werden konnten.
Dieser Artikel wurde am 15. April um 15:44 Uhr aktualisiert.
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