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Zoff um Deponie Lavant: Gemeinde lehnt Verkauf ab

AWVO drängt auf Eigentum, Lavant bietet Nachsorge-Nutzung gegen Entgelt. Der Haussegen hängt schief.

In Osttirols Abfallwirtschaft hängt der Haussegen schief. Während – wie berichtet – einige Talbodengemeinden aus der Allianz zum Bau und Betrieb eines großen Abfall-Recyclingzentrums ausscheren wollen, kommuniziert man an einer anderen Front schon länger über Anwälte.

Abfall, der nicht recycelt werden kann, wird deponiert und dafür nutzte der Osttiroler Abfallwirtschaftsverband AWVO die Deponie Lavant. Ende 2024 lief der Pachtvertrag für das rund 16 Hektar große Deponieareal aus, das der AWVO seit 1991 genutzt hatte. Der Verband ist vertraglich verpflichtet, die Deponie zu rekultivieren und der Gemeinde in ordnungsgemäßem Zustand zurückzugeben, muss aber gleichzeitig eine jahrzehntelange Nachsorge sicherstellen. Während Lavant von Beginn an zusagte, diese Nachsorge zu ermöglichen, stellte die Gemeinde ebenso klar, keinen Gemeindeboden zu veräußern.

Und das führte zum Konflikt. Der AWVO will den Grund nämlich kaufen und hat gegenüber der verbandsangehörigen Gemeinde sogar eine mögliche Enteignung ins Spiel gebracht. Bereits im Juni 2024 erklärte der AWVO, künftig keine Pacht mehr zahlen zu wollen und ausschließlich am Eigentumserwerb interessiert zu sein; andernfalls würde man den Standort „abpacken“.

Die Deponie Lavant ist nur eine der Baustellen des Abfallwirtschaftsverbands. Foto: Expa/Groder

Im November 2024 kündigte der Verband an, die Deponie zu schließen und den ABL-Standort nach Lienz („Rossbacher-Gelände“) zu verlegen, und bot der Gemeinde an, 11,4 Hektar inklusive belasteter Flächen um 1,5 Millionen Euro zu kaufen. Kurz darauf teilte der AWVO per Anwalt mit, den Pachtvertrag nicht zu verlängern, die Fläche trotz Vertragsende nicht zu räumen, einseitig ein Nutzungsentgelt für rund 115.000 Quadratmeter festzusetzen und zugleich knapp 113.850 Quadratmeter um 1,5 Millionen Euro erwerben zu wollen.

Der Gemeinderat Lavant lehnte den Verkauf im März 2025 ab, schlug Gespräche vor und verwies auf alternative Rechtsformen wie Pacht oder Baurecht. In einer Konferenz im April 2025 blieb der AWVO bei seiner Linie und brachte gegenüber der eigenen Mitgliedsgemeinde auch die Enteignung ins Spiel, ohne aus der Sicht von Lavant schlüssig zu begründen, warum die Nachsorge nur im Eigentum möglich sein soll.

Zugleich änderte der Verband laut einem aktuellen Schreiben der Gemeinde Lavant mehrfach die Angaben zur angeblich notwendigen Fläche – von 11,4 Hektar über rund 72.800 Quadratmeter bis zu mehr als 113.000 Quadratmetern –, was die Gemeinde kritisch hinterfragte.

Ende 2025 stellte der AWVO in Aussicht, bei Ablehnung des Kaufangebots die Tiroler Landesregierung als Enteignungsbehörde anzurufen, und lehnte Nachforderungen der Lavanter auf Nutzungsentgelt ab; man berufe sich auf einen einstimmigen Beschluss der übrigen 32 Osttiroler Gemeinden. Lavant wies den Vorwurf zurück, die Nachsorge zu blockieren, urgierte offene Entgelte und bot an, dem AWVO die Nutzung einer Teilfläche von gut 115.000 Quadratmetern weiterhin gegen ein jährliches, wertgesichertes Entgelt zu ermöglichen – ohne Eigentumsübertragung.

In einer Besprechung am 6. März 2026 erzielten beide Seiten – vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Gremien – Einigung auf ein Nutzungsentgelt bis Ende 2027. Gleichzeitig bekräftigte die Gemeinde ihren Kurs, die Deponieflächen nicht zu verkaufen, und zeigte sich für die sogenannte ABL-Fläche mit möglicher Bezirkskompostierung ausdrücklich offen für Pacht- oder Baurechtsmodelle, die der AWVO erneut apodiktisch ablehnte. Lavant sagte zu, ein konkretes Modell für die Nachsorgeflächen vorzulegen.

Mit Anwaltsschreiben vom 8. April 2026 machte die Gemeinde ihren Vorschlag offiziell: Der AWVO soll die für die Nachsorge benötigten Deponie- und Betriebsflächen gegen ein jährliches, wertgesichertes Entgelt von netto 0,37 Euro pro Quadratmeter nutzen können.

Dieser Betrag leitet sich laut Gemeinde aus dem bisherigen Pachtzins von 1,25 Euro pro Quadratmeter und aus Vergleichswerten für Baurechtsmodelle ab, berücksichtigt aber, dass der Verband die Flächen in der Nachsorge nicht wirtschaftlich verwerten kann. Gleichzeitig betont Lavant, dass ihr die Flächen aufgrund der Nachsorgepflicht über Jahrzehnte für andere Nutzungen entzogen sind und daher nicht gratis überlassen werden können.

Der AWVO kritisierte umgehend, dass der Vorschlag keine Befristung der Entgeltpflicht vorsieht, und verlangt einen Endtermin, um die finanziellen Aufwände kalkulieren zu können. Der Gemeinderat Lavant hält dagegen, dass die Dauer der Nachsorge nach heutigem Wissensstand nicht seriös begrenzbar ist, bleibt aber gesprächsbereit – sowohl hinsichtlich der Deponie-Nachsorgeflächen als auch bezüglich einer möglichen Kompostieranlage im Bereich der ABL Lavant, jeweils ohne Verkauf von Gemeindeeigentum.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

2 Postings

Macki
vor einer Stunde

Und in Lienz gibt es nächste Woche ein Bauverhandlung ohne Beschlüsse aller Gemeinden zum Abfallzentrum und gleichzeitig keinen fixen Plan für die Kompostieranlage? oder hab ich das falsch verstanden?

 
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steuerzahler
vor 4 Stunden

Ein unwürdiges Schauspiel, das hier geboten wird. Kein Wunder, daß das Vertrauen der Bürger in ihre Vertreter schwindet.

 
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