Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Unverständnis nehme ich die aktuelle Entwicklung rund um den ehemaligen SPAR-Standort in der Friedensiedlung zur Kenntnis.
Innerhalb kurzer Zeit wurde der Bevölkerung wesentliche Infrastruktur entzogen: Nahversorgung, Bankdienstleistungen, Gastronomie und Trafik. Damit wurden funktionierende Strukturen des täglichen Lebens beseitigt, ohne adäquaten Ersatz zu schaffen.
Besonders schwer wiegt dabei, dass nach meinem Kenntnisstand kein einziger Anrainer in diese Entwicklung eingebunden wurde. Entscheidungen wurden offensichtlich über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung hinweg getroffen. Eine solche Vorgangsweise widerspricht aus meiner Sicht grundlegenden Prinzipien transparenter und bürgernaher Gemeindepolitik.

Die nun präsentierte Lösung eines sogenannten „Hauses der Begegnung“ kann diesen strukturellen Verlust nicht ersetzen. Zwar besteht im Umfeld noch Gastronomie, jedoch erscheint das im Projekt integrierte geplante Kaffeehaus aus meiner Sicht nicht vorbehaltslos und wirft Fragen hinsichtlich seiner tatsächlichen Offenheit für alle Bevölkerungsgruppen auf.
Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier versucht wird, einen massiven Substanzverlust durch ein symbolisches Projekt zu überdecken.
Aus Sicht der betroffenen Bevölkerung wäre es wesentlich zielführender, den Standort für tatsächlich benötigte Infrastruktur zu nutzen.
Hinzu kommt, dass in der Friedensiedlung viele ältere Menschen leben, die nicht über ein eigenes Fahrzeug verfügen. Der neue Standort der bisherigen Infrastruktur ist für diese Bürgerinnen und Bürger nur sehr schwer und vielfach nur mit Fremdhilfe erreichbar. Dieser Umstand wurde offenbar in den Entscheidungsprozessen nicht ausreichend berücksichtigt.
Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage nach der Gleichbehandlung und einer angemessenen Grundversorgung der Bevölkerung. Es kann nicht im Sinne einer verantwortungsvollen Gemeindepolitik sein, bestimmte Bevölkerungsgruppen – insbesondere ältere oder weniger mobile Menschen – faktisch von wesentlichen Versorgungsstrukturen auszuschließen.
Insbesondere ist festzuhalten, dass eine Apotheke oder vergleichbare Versorgungseinrichtungen einen deutlich höheren praktischen Nutzen für die Anrainer darstellen würden.
Ich ersuche daher um eine klare Stellungnahme:
- Auf welcher Grundlage wurden diese Entscheidungen getroffen?
- Warum erfolgte keine Einbindung der betroffenen Bevölkerung?
- Welche konkreten Maßnahmen sind geplant, um die verlorene Nahversorgung tatsächlich zu ersetzen?
Die Menschen in der Friedensiedlung haben Anspruch auf eine ernsthafte Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und auf nachvollziehbare Entscheidungen.
Mit Nachdruck ersuche ich um entsprechende Aufklärung. Ich behalte mir zudem vor, diese Entwicklung auch einer breiteren Öffentlichkeit sowie weiteren zuständigen Stellen zur Kenntnis zu bringen, sollte hier keine nachvollziehbare und bürgernahe Lösung erfolgen.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Außerlechner, Lienz
8 Postings
Der Gedanke kommt ein Jahr zu spät.
Ich finde den Verlust dieses "Dorfplatzes" in der Siedlung auch schade - aber es gibt viele Orte in Osttirol, wo man sich einen Nahversorger in 300m Entfernung sehr wünschen würde (und diese Ecke von Lienz hat 2)...
Eher wundert mich ja, dass dieses Gebäude samt kahlem Parkplatz jetzt weiterhin platzverschwenderisch bestehen bleibt, obwohl z.B. die gesamte Bausubstanz aus den 1970ern nicht gerade eine Augenweide und zudem der Keller feucht ist. Denn warum sonst wäre SPAR nun ausgezogen, denn der jetzige Standort kann wohl nicht unbedingt als Verbesserung gesehen werden.
Was passiert eigentlich mit dem "Oh er", früher gabs dort mal ein Kegelbahn, ist die noch in Betrieb?
Nun denn, man war auf einen Abriss und Wohnungsneubau eingestellt, jetzt bleibt dieses Areal offenbar unverändert öde, vorallem im Sommer kommt es wieder zu einem Hitzestau am Brixenerplatz, da man dort sämtliches Grün vernichtet hat, um eine ausladende Betonfläche zu installieren. Das kann man sehr wohl der Gemeindepolitik ankreiden, dass man dieses Öffentliche Gemeindegut so unschön verändert hat. Auch die Raumordnung wird vom Gemeinderat festgelegt und dementsprechend eine Parzelle gewidmet.
Aber die Verantwortlichen wohnen ja nicht dort, also eh egal, wer sich dort unwohl fühlt...
Herr Ausserlechner, warum kritisieren Sie die Gemeindepolitik? Diese war in diese Vorgänge kaum eingebunden: Sie dürften vielleicht schon festgestellt haben, dass wir in einer sog. sozialen Marktwirtschaft leben und nicht in einer kommunistischen Planwirtschaft. Dies ist in Hinblick auf die (ehem.) Eigentumsverhältnisse wichtig: Gastwirt, SPAR und Freie Christl. Gemeinde. Wenn nun die SPAR absiedelt (in ein bestehendes und dementsprechend gewidmetes Gebäude). dann ist das einzig eine Entscheidung der SPAR. Ebenso der Verkauf des SPAR Anteils! Dass die Trafik 'übrigblieb' und dadurch ein Frequenzproblem bekam, war abzusehen! Das ist der einzige Punkt, wo die Stadt ihre 'Pfoten' drin hatte: die Umwidmung der Fläche am neuen Standort! für fie Trafik! ( zu lange hinausgezögert!! )
Und nun konkrete Antworten zu Ihren 3 Fragen: ad1) die Flächenwidmung am neuen Standort beruht auf dem TROG ( Tir. RaumordnungsG)
ad2) im Bauverfahren werden grundsätzlich Anrainer geladen
ad3) ein Nahversorger geht ja nicht 'verloren'. nur weil der Standort 150m weiter umgesiedelt wird!
Das ist der Anteil der Stadt an der Entscheidungsfindung! Für weitere Antworten wenden Sie sich bitte an die SPAR, die Freie Christl. Gemeinde, die BauGen Frieden....
Ich kann dir da in fast allen Punkten zustimmen. Mit einer Aussnahme: die Distanz zwischen dem alten und dem neuen SPAR-Standort ist eher 300m als 150m (Luftlinie). Warum Anrainer jetzt in die Standortentscheidungen von SPAR (oder anderen Unternehmen) eingebunden werden sollten verstehe ich auch nicht.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die mir übermittelte Stellungnahme zur Entwicklung rund um die Friedensiedlung ist aus meiner Sicht in wesentlichen Punkten unzureichend und wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Der Verweis darauf, dass es sich überwiegend um privatwirtschaftliche Entscheidungen handelt, greift zu kurz und wird der Verantwortung der öffentlichen Hand nicht gerecht. Im Rahmen der Raumordnung, Flächenwidmung und Infrastrukturplanung kommt der Gemeinde eine zentrale Steuerungsfunktion zu, die nicht auf formale Zuständigkeiten reduziert werden kann.
Gerade die angesprochenen Umwidmungen sowie deren zeitliche Verzögerung zeigen deutlich, dass sehr wohl Einflussmöglichkeiten bestanden haben. Die daraus entstandene Situation – nämlich der faktische Verlust einer funktionierenden Nahversorgungsstruktur – kann daher nicht ausschließlich privaten Akteuren zugeschrieben werden.
Unabhängig von Eigentumsverhältnissen ist es Aufgabe der Gemeinde, im Sinne der Daseinsvorsorge eine angemessene Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Dies gilt insbesondere für ältere und weniger mobile Menschen, die in der Friedensiedlung einen erheblichen Anteil darstellen.
Die Argumentation, wonach ein Nahversorger nicht „verloren geht“, sondern lediglich um etwa 150 Meter verlagert wurde, verkennt die tatsächlichen Lebensumstände vieler Betroffener. Für einen Teil der Bevölkerung bedeutet diese Veränderung sehr wohl eine spürbare Einschränkung der Erreichbarkeit und damit der Lebensqualität.
Ebenso unzureichend ist der Hinweis auf formale Abläufe im Bauverfahren. Eine echte Bürgerbeteiligung erfordert Transparenz und Einbindung im Vorfeld grundlegender struktureller Veränderungen – nicht lediglich eine nachgelagerte Information im Rahmen gesetzlicher Mindestanforderungen.
Besonders kritisch ist zudem, dass zentrale Fragen zur Zweckmäßigkeit, Nutzung und insbesondere zur Finanzierung des Projekts „Haus der Begegnung“ unbeantwortet geblieben sind.
Herr Ausserlechner: Sie unterliegen gleich mehreren Irrtümern: Es erfolgte EINE Umwidmung für die Trafik, der Markt wurde 2008 von der OSG errichtet, damals für den ADEG Markt des Herrn Aichner! Da kann die Stadt nicht sagen: 'ADEG und danach BILLA ja, SPAR nein' Dafür gibt's KEINE Rechtsgrundlage!
Es ist übrigens NICHT Aufgabe der Stadt 'im Sinne der Daseinsvorsorge (whatever that is) eine angemessene Versorgung der Bevökerung sicherzustellen', wie Sie behaupten. Dann hätten Leisach. Amlach oder Lavant kläglich versagt.... Ausserdem: wie viele Lebensmittelmärkte gibt's in Lienz???
'Unzureichend sei der Verweis auf formale Abläufe im Bauverfahren'.. ein Bauverfahren gab's nur i.S. Trafik, nicht aber für den SPAR. In diesem Verfahren sind/wären auch Anrainer gehört worden. Solche Verfahren sind halt nun mal in ihren Abläufen gesetzlich geregelt..,, That's it!
Dass Sie und die Öffentlichkeit, auch die Stadt , die Zweckmässigkeit und Finanzierung 'des Projekts' auch nur irgendetwas angeht, wage ich zu bezweifeln!! (Frage: ist Ihre Wohnung nicht zu gross, also nicht zweckmässig bzw. wie finanzieren Sie diese??)
ich bin tatsächlich keine Stadtnerin und habe vielleicht zu wenig Einblick, aber alle Ihre Punkte Herr Schwarzer, sind für mich vollständig nachvollziehbar. Wenn ein Nahversorger 300m weiter siedelt, entsteht doch keine Lücke! Eher wir mir persönlich mit diesem Brief der Eindruck vermittelt, dass Herr Ausserlechner ein Problem mit der freien christlichen Gemeinde hat. Für ältere Personen, die nicht mehr so gut p.p. sind, gibts doch Taxigutscheine von der Stadt, oder ist das nicht mehr so? Mir leuchten diese Forderungen beim besten Willen nicht ein!
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