Das Italientief, auf das in Kärnten und Osttirol gehofft worden war, brachte deutlich weniger Regen als angekündigt. Noch in der Vorwoche hatten die Wettermodelle verbreitet zehn bis 20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter prognostiziert, eingetroffen ist davon nur ein Bruchteil.
Wie der Wetterdienst tauernwetter.at meldet, fielen in ganz Kärnten und Osttirol nur zwei bis acht Liter pro Quadratmeter - viel zu wenig, um die anhaltende Trockenheit in irgendeiner Form zu mildern.
Damit ist das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn weiter gewachsen und erreicht im Flächenmittel für Kärnten und Osttirol mittlerweile 41 Prozent. In einzelnen Regionen fehlen inzwischen mehr als 50 Prozent des üblichen Niederschlags.
Nächstes Italientief in Sicht, Skepsis wächst
Für die kommende Woche und darüber hinaus berechnen die Wettermodelle erneut ein Italientief mit ergiebigerem Niederschlag für Kärnten und Osttirol. Das amerikanische GFS-Modell zeigt in seiner 16-Tage-Prognose für Ende April und den Übergang in den Mai wieder kräftigere Regenmengen, in einigen höher gelegenen Tälern Osttirols und Oberkärntens ist demzufolge sogar Schneefall möglich.
Allerdings ist an dieser Stelle größte Vorsicht geboten. Seit Mitte Dezember 2025 taucht in den Wettermodellen mit auffälliger Regelmäßigkeit ein Italientief mit ergiebigem Niederschlag für Kärnten auf – immer fünf bis sieben Tage in der Zukunft, wie eine Karotte, die einem vor der Nase baumelt. Jedes einzelne Mal hat das Tief wenige Tage vor dem erwarteten Eintreffen die Zugbahn geändert und ist südlich oder östlich an uns vorbeigezogen. Das jüngste Italientief hat sich nahtlos in diese Serie eingereiht. Das ist kein Zufall, sondern die Folge einer stabilen Großwetterlage, die Niederschlagssysteme seit Monaten um Kärnten und Osttirol herumlenkt.
Erste Gemeinden rufen zum Wassersparen auf
Die anhaltende Trockenheit hat bereits konkrete Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Bereits im Jänner hatte der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer zum Wassersparen aufgerufen, nachdem die Quellschüttung der Stadtgemeinde von 120 auf 58 Liter pro Sekunde zurückgegangen war. Auch die Gemeinde Malta startete im März einen Aufruf zum Trinkwassersparen in bestimmten Ortschaften.
Anfang April hat die Gemeinde Reißeck nachgezogen. Bürgermeister Stefan Schupfer erklärte, es bestehe zwar kein Wassernotstand, doch müssten Poolbefüllungen nun koordiniert erfolgen, damit der Wasserstand in den Hochbehältern nicht in Bedrängnis gerate. Besonders kleinere Gemeinden, die auf einzelne Quellfassungen angewiesen sind, geraten in Zugzwang.
Schneeschmelze bringt wenig Entlastung
Ein weiterer Faktor verschärft die Situation: Die Schneereserven in den Bergen sind heuer weit unterdurchschnittlich. In normalen Jahren trägt die Schneeschmelze im Mai und Juni wesentlich zur Speisung der Bäche, Flüsse und Quellen bei. Dieser natürliche Puffer fehlt heuer weitgehend.
Zwar liegen die Flusspegel derzeit durch die einsetzende Schmelze vorübergehend etwas höher, doch sobald der ohnehin geringe Schnee aufgebraucht ist, werden die Pegelstände abrupt zurückgehen – und diesmal ohne den üblichen Nachschub.
Saisonprognose sieht Mai und Juni weiterhin zu trocken
Die experimentelle Saisonprognose des amerikanischen Climate Prediction Center (CFSv2-Modell) gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Sowohl für den Mai als auch für den Juni zeigt das Modell unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen im Alpenraum. Erst ab Juli deutet sich wieder etwas ergiebigerer Niederschlag für unsere Region an. Diese Langfristmodelle haben zwar eine höhere Eintreffwahrscheinlichkeit als ein Münzwurf, sie sind aber noch experimentell und können sich in alle Richtungen ändern.
Bemerkenswert ist jedoch ein anderer Befund: Bis einschließlich Oktober zeigt das CFSv2-Modell keinen einzigen Monat, der nicht zu mild prognostiziert wird. Die Kombination aus zu warm und zu trocken über Monate hinweg wäre die denkbar ungünstigste.
Risiko extremer Sommertemperaturen von 40 oder 41 Grad
Die anhaltende Trockenheit birgt noch ein weiteres, oft übersehenes Risiko. Wenn die Böden ausgetrocknet sind, fehlt im Sommer die Verdunstungskühlung. Normalerweise wird ein erheblicher Teil der Sonnenenergie dafür aufgewendet, Bodenwasser zu verdunsten, was die Luft kühlt. Fällt dieser Effekt weg, geht die gesamte Sonnenenergie in die direkte Erwärmung der Luft. In der Fachliteratur wird dieser Temperaturzuschlag an Hitzetagen auf 2 bis 5 Grad geschätzt.
Regionen, in denen es im vergangenen Sommer 37 oder 38 Grad hatte, könnten bei vergleichbarer Großwetterlage heuer aufgrund der ausgetrockneten Böden 40 oder 41 Grad erreichen, im ungünstigsten Fall sogar darüber. Das Klagenfurter Becken mit seiner Kessellage wäre davon besonders betroffen.
Ungünstige Großwetterlage über Monate
Wie David Kaufmann von Tauernwetter einordnet, ist zwischen der aktuellen Trockenheit und dem Klimawandel kein direkter Zusammenhang für Kärnten und Osttirol belegt. In den letzten 30 Jahren sei es in der Region sogar minimal feuchter geworden.
Der Klimawandel zeige sich in Kärnten vor allem über die Temperatur, nicht über den Niederschlag. Was wir derzeit erleben, ist in erster Linie eine ungünstige Großwetterlage, die sich über Monate verfestigt hat. Der Klimawandel kann aber über die höheren Temperaturen die Auswirkungen der Trockenheit verstärken und genau über diesen Weg drohen im Sommer solch extreme Temperaturwerte.
Zum jetzigen Zeitpunkt und auf Basis des aktuellen Prognosestandes sei es Kaufmann zufolge angebracht, die ernste Lage klar zu benennen. Es gehe hier nicht um Alarmismus, sondern darum, die Gefahren jener Szenarien zu skizzieren, die derzeit meteorologisch am wahrscheinlichsten sind.
Natürlich sei es möglich, dass es in zwei Wochen doch noch ergiebig regnet und der Mai und Juni feucht ausfallen. Bisher hat sich die Hoffnung auf den rettenden Regen allerdings seit vielen Monaten jedes Mal zerschlagen.
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