Bislang fuhren die beiden Osttiroler Nachtlinien 900N von Lienz nach Matrei und 901N von Sillian über Lienz nach Nikolsdorf an Freitagen, Samstagen und vor Feiertagen bis spät in die Nacht hinein. So war es ausdauernden Nachtschwärmern bisher etwa möglich, noch um 3:53 Uhr am Bahnhof in Lienz in den Bus einzusteigen und um 4:27 Uhr in Matrei anzukommen.
Massive Verschmutzungen und Sachbeschädigungen
Ab Mai ist damit jedoch vorerst Schluss, denn die Nachtbusse verkehren ab diesem Zeitpunkt nur mehr bis 0:30 Uhr. Grund für die Kürzung ist das anhaltend unangemessene Verhalten einzelner Fahrgäste gegenüber anderen Mitfahrenden sowie dem Personal. Laut Verkehrsverbund Tirol (VVT) sei es wiederholt vorgekommen, dass alkoholisierte Personen massive Verschmutzungen und Schäden an den Bussen verursachten. Dadurch wurden andere Fahrgäste und Buslenker:innen gefährdet, zudem entstanden Sachschäden an den Fahrzeugen.

Blanik in Entscheidung eingebunden
Vorfälle dieser Art ereigneten sich auf beiden Linien regelmäßig nach Mitternacht. Nach einer Beobachtungsphase von über zwei Jahren entschied sich der VVT in enger Abstimmung mit der Region Osttirol, die Verbindungen nach Mitternacht vorerst einzustellen. VVT-Pressesprecherin Karin Bachmann unterstreicht: „Wir haben die Entscheidung nicht alleine getroffen. Auch Elisabeth Blanik steht voll dahinter.”
Die Lienzer Bürgermeisterin berichtet von Ausschreitungen, die so weit gingen, dass eine Scheibe im Bus zerschlagen wurde. „So etwas darf einfach nicht passieren. Wir mussten zum Schutz anderer Fahrgäste und der Buslenker:innen handeln und die Konsequenzen ziehen“, so Blanik.
Evaluierung folgt
Noch handelt es sich bei der Kürzung des Busangebots um keine endgültige Entscheidung. VVT-Geschäftsführer Alexander Jug stellt etwa in Aussicht, dass die Einstellung vorerst temporär passiere. „Nach einer Cool down-Phase wird die Situation nochmals gemeinsam mit der Region evaluiert und neu bewertet. Der Bedarf an einem öffentlichen Nachtangebot besteht weiterhin – umso bedauerlicher ist es, dass nun auch jene Fahrgäste die Folgen tragen, die sich korrekt verhalten.“
Petition soll Nachtfahrten retten
Indes wurde eine Petition zum Erhalt der Nachfahrten nach Mitternacht in Osttirol gestartet, die am Mittwochnachmittag bereits mehr als 620 verifizierte Unterschriften zählte. Da die große Mehrheit der Fahrgäste das Angebot verantwortungsvoll nutze, sei es „grundlegend ungerecht, alle für das Verhalten einzelner zu bestrafen.“ Statt das Problem an der Wurzel zu packen, werde der öffentliche Verkehr beschnitten und damit das eigentliche Ziel, sichere und nachhaltige Mobilität zu fördern, verfehlt.
Als Alternative zur Streichung werden gezielte Maßnahmen vorgeschlagen, wie etwa die Anstellung von Sicherheitspersonal in Nächten mit größeren Veranstaltungen, Videoüberwachung sowie die konsequente Erstattung von Anzeigen bei Sachschäden.
Der anonyme Initiator der Petition weist angesichts der geografischen Lage Osttirols zudem darauf hin, dass öffentliche Nachtmobilität „kein Komfort, sondern eine Notwendigkeit“ sei. Aus der Streichung würden hingegen mehr Privatfahrten angetrunkener Fahrer:innen resultieren, ebenso wird ein sinkender Umsatz in der Nachtgastronomie der Lienzer Innenstadt als mögliche Konsequenz angeführt. Besonders betroffen seien Jugendliche und junge Erwachsene ohne eigenes Fahrzeug, für die das Ende der Nachtfahrten bedeute, entweder früher nach Hause oder gar nicht erst weg zu gehen.
Auch die Tiroler Grünen protestieren
Ganz und gar nicht einverstanden zeigt sich auch Gebi Mair, Klubobmann der Tiroler Grünen, mit dem plötzlichen Aus für die Nightliner in Osttirol: „Ich habe für Vandalismus null Verständnis. In der Konsequenz aber jene zu bestrafen, die sich benehmen, ist schlichtweg falsch. Was kann eine junge Frau, die mit ihren Freund:innen am Wochenende gerne ausgeht, dafür, dass sich ein paar schwarze Schafe komplett daneben verhalten? Ich kann dieser grundsätzlichen Linie der SPÖ nichts abgewinnen. Statt den Nachtbus einzustellen, sollte die SPÖ für Ordnung sorgen. Securitys haben sich auch in Tourismusregionen bewährt. Warum wurde das bisher in Osttirol nicht ausprobiert?“
Beim Nightliner gehe es um weit mehr als nur um eine Öffi-Verbindung von A nach B, sagt Mair: „Der Bus bietet gerade jungen Menschen ein Stück Freiheit. Außerdem erhöht er die Sicherheit, weil Betrunkene ihr Auto eher stehen lassen. Und nicht zuletzt zahlen die Öffi-Nutzer:innen mit ihrer Jahreskarte für diese Verbindung.“
3 Postings
Ein weiteres Mal muss sich die Mehrheit beugen, weil sich Einzelne nicht benehmen können. Man bekommt ja nicht mal mehr ein Taxi in Lienz. Wie soll man sicher nach Hause kommen, selbst wenn man keinen Alkohol konsumiert hat, wenn man kein Auto hat und weiter weg wohnt als in der Innenstadt? Apropos Taxi, das ist am Wochenende auch untertags ein großes Probem in Lienz, vor allem Sonntags ...
Das 0:30 stimmt auch durch bedingt... laut neuem fahrplan des VVT fährt der letzte Bus nach Sillian um circa 21:30 weiters fährt der Nightliner so wie es scheint nur mehr von FR auf SA....
Die Leidtragenden sind die Fahrgäste, die sich benehmen können.
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