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Furz-Messung per intelligenter Unterwäsche

„Smart Underwear“ misst den Wasser­stoffgehalt in Darmgasen und erlaubt Rückschlüsse auf Mikrobiom des Trägers.

Jetzt werden sogar Flatulenzen messbar. Ein US-Wissenschafterteam hat über in Unterwäsche integrierbare Biosensoren berichtet, die den Wasserstoffgehalt im Darmgas messen. Das soll Aufschlüsse über das Darmmikrobiom geben. „Forschende aus den USA haben eine Art intelligente Unterwäsche entwickelt, die Flatulenzen messen kann. Das tragbare Sensorsystem soll langfristig Einblicke in die Aktivität des Darmmikrobioms liefern“, berichtet das „Deutsche Ärzteblatt“.

Die Ärztezeitung bezieht sich dabei auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung im Fachjournal „Biosensors and Bioelectronics: X“. „Die Smart Underwear lässt sich bequem mit einem Druckknopfsystem an der Außenseite der Unterwäsche des Benutzers in der Nähe des Dammbereichs befestigen, wobei ein kleiner Kunststoffdruckknopf auf der Innenseite des Unterwäschestoffs in ein entsprechendes Loch auf der Smart Underwear auf der anderen Seite der Unterwäsche passt“, schrieben die US-Wissenschafter in ihrer Publikation. Der integrierte Sensor messe kontinuierlich den Wasserstoffgehalt im Darmgas.

Flatulenzen bieten Rückschlüsse auf Mikrobiom.

Der Wasserstoff entsteht bei Stoffwechselprozessen von Darmmikroben und wird über Atemluft oder Darmgase ausgeschieden. Die Konzentration im Darmgas ist deutlich höher, weshalb sie sich besonders gut als Biomarker eignet, hieß es. „In einer zweiten Untersuchung mit 38 gesunden Erwachsenen prüfte das Team, ob sich Veränderungen der mikrobiellen Aktivität nachweisen lassen. Dazu erhielten die Teilnehmenden Inulin, einen Ballaststoff, der von Darmbakterien fermentiert wird. Tatsächlich erkannte die smarte Unterwäsche bei 36 der 38 Teilnehmenden eine erhöhte mikrobielle Aktivität am vierten Tag nach der Inulin-Einnahme und das mit einer Entdeckungsrate von 94,7 Prozent“, schrieb die Ärztezeitung.

Das System könnte demnach in Zukunft helfen, die Dynamik mikrobieller Stoffwechselprozesse im Darm genauer zu untersuchen. Bisherige Methoden – etwa die Analyse von Stoffwechselprodukten im Stuhl oder Blut – erlaubten zumeist nur seltene Messungen und lieferten deshalb kaum Informationen über kurzfristige Veränderungen. Laut einer Versuchsreihe von Mikrobiologen der University of Maryland (USA) hatten gesunde Freiwillige im Durchschnitt pro Tag 32 Mal eine Flatulenz – mit einer Bandbreite von vier bis 59 Episoden in 24 Stunden.

Messungen waren bisher kaum möglich.

Der Co-Erfinder des Systems, der US-Mikrobiologe Brantley Hall, wurde zu der Bedeutung der Entwicklung so zitiert: „Wir wissen, was eine normale Herzfrequenz ist, wir wissen, was ein normaler Cholesterinspiegel ist, aber wenn man zum Arzt geht, wissen die nicht, wie oft man normalerweise flatuliert.“

Am interessantesten sind wahrscheinlich die möglichen Rückschlüsse auf das Darmmikrobiom. Das „Deutsche Ärzteblatt“ führte dazu folgende Aussage der Entwickler des Systems in ihrer wissenschaftlichen Arbeit an: „Die Entwicklung unserer intelligenten Unterwäsche schließt eine grundlegende Lücke in der Mikrobiomforschung: die (bisherige; Anm.) Unmöglichkeit, die Stoffwechselaktivität von Darmmikroben unter natürlichen Bedingungen kontinuierlich und langfristig zu beobachten.“

Aus weiterführenden Studien soll sogar so etwas wie ein „Human Flatus Atlas“ entstehen. Dann will man auch ablesen können, wie objektive Basiswerte für die mikrobielle Aktivität (Fermentation) im Darm aussehen und wie sie sich mit Ernährung, Pro- und Präbiotika verändert.

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