Das neue Umspannwerk Matrei ist nach rund zwei Jahren Bauzeit planmäßig in Vollbetrieb gegangen. Das 46,5 Millionen Euro schwere Infrastrukturprojekt von Austrian Power Grid (APG) und TINETZ wurde am 24. April offiziell in Seblas in Betrieb genommen.
Mit der Anlage verfügt Osttirol nun über zwei unabhängige Einspeisepunkte aus dem österreichweiten APG-Netz. Die rund 36 Kilometer lange 110-kV-Leitung durch das Iseltal ist nun Laut APG doppelt abgesichert, was die Versorgungs- und Ausfallsicherheit erhöhen soll. Zudem könne überschüssiger Strom aus Kleinwasserkraft und Photovoltaik im Iseltal besser abtransportiert und in das österreichische Energiesystem integriert werden.

Bei der Inbetriebnahme waren Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der TINETZ und Vorstand der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG, Michael Kraxner, der technische Geschäftsführer der TINETZ, Thomas Rieder, sowie APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner anwesend.
Geisler verwies auf die Strategie Tirol 2050 energieautonom und betonte das Zusammenspiel von Erzeugung, Netzen und Speichern. Wörtlich sagte er: „Erzeugung, Netze und Speicher müssen gemeinsam gedacht werden.“
APG-Vorstand Christiner sieht ein „leistungsfähiges Netz“ als „Rückgrat der Stromversorgung“ und betont: „Mit Projekten wie dem neuen Umspannwerk Matrei schließen wir Lücken im Netz und sichern die Versorgung für die kommenden Jahrzehnte.“ In seiner Stellungnahme verwies Christiner auch auf die Kosten der aktuellen Entwicklung im Stromsystem. Er sagte, dass die schnellere Entwicklung der Stromerzeugung aus Sonne und Wind gegenüber dem Netz 2025 in Österreich „rund eine Milliarde Euro an vermeidbaren Kosten für Stromkundinnen und -kunden verursacht hat“.
Für den weiteren Netzausbau nannte APG in dem Zusammenhang einen Netzentwicklungsplan mit Projekten im Investitionsvolumen von rund neun Milliarden Euro bis 2035. Dafür brauche es „deutlich beschleunigte Genehmigungsverfahren“, so Christiner.
Wie berichtet plant die Austria Power Grid (APG) gemeinsam mit der Kärnten Netz GmbH den Bau einer 192 Kilometer langen, neuen Trasse für einen Lückenschluss der 380-kV-Leitung mit mitgeführter 110-kV-Leitung von Lienz bis Obersielach in Kärnten. Zwischen 2027 und 2031 soll zudem die 220-kV-Stromleitung zwischen Lienz und Italien erneuert werden. Gegen die Ausführung dieses Projekts protestieren der TVB Osttirol, Umweltschützer und die Gemeinde Obertilliach.
Auch die TINETZ verweist auf zusätzliche Maßnahmen in Osttirol. Geschäftsführer Thomas Rieder sagte, mit dem neuen Umspannwerk werde die Versorgungszuverlässigkeit für ganz Osttirol wesentlich erhöht. TINETZ habe zudem das bestehende 110-kV-Netz von Gruben bis Matrei verstärkt; der Abschnitt Matrei bis Kalserbach inklusive Ertüchtigung der Umspannwerke Kienburg und Kalserbach laufe und werde in den kommenden Jahren abgeschlossen.
Seit rund zehn Jahren setzt TINETZ laut Rieder ein Investitionsprogramm mit insgesamt 63 Projekten in 23 Gemeinden um. Zwischen 2014 und 2030 sollen dafür insgesamt rund 92 Millionen Euro in eine zukunftsorientierte Stromversorgung Osttirols fließen. Für die kommenden rund 15 Jahre nannte er zudem ein Rekordbudget von gesamt drei Milliarden Euro für die Tiroler Infrastruktur.
Zu den nächsten Meilensteinen im Bezirk Lienz zählen laut TINETZ der Netzausbau im Pustertal inklusive Steigerung der Betriebsspannung auf 30 kV, die Erneuerung des Umspannwerks Stribach sowie diverse 30-kV-Projekte im Lienzer Talboden und den Isel-, Virgen- und Defereggentälern.
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