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Betrug mit der Liebe: Es geht um Geld und Daten

Immer öfter gaukeln Kriminelle Liebe vor. Das Internet ist zum wichtigsten „Geschäftsfeld“ geworden.

Der Beginn der Beziehung glich der in einem Liebesroman: Nachdem man auf einer Internet-Plattform Bekanntschaft geschlossen hatte, wird die Kommunikation schnell intensiver und er überschüttet sie mit Komplimenten und heißen Liebesschwüren. Schickt Bilder seines makellosen Körpers und kümmert sich rührend um die Frau am anderen Ende der Online-Verbindung.

Ohne dass sie Verdacht schöpft, gerät die 47-jährige Tirolerin in das Netzwerk organisierter, oft international tätiger Krimineller. Auch als der angebliche Mediziner von finanziellen Schwierigkeiten berichtet und um Hilfe bittet, ahnt die Betroffene nichts und überweist ihr Erspartes ins Ausland, in Summe einen fünfstelligen Eurobetrag. Dann bricht der Kontakt ab und die 47-Jährige reiht sich ein in die große Zahl an Opfern des sogenannten „Love“- oder „Romance-Scamming“: Betrogen werden durch vorgespielte Gefühle mit dem einzigen Ziel, an das Geld der Verliebten zu gelangen.

Organisierte Kriminalität

Love-Scamming ist Teil organisierter, oft internationaler Kriminaliät, die mit dem Wunsch der Menschen nach Zuneigung und Liebe spielt. Wie viele davon wirklich betroffen sind, lässt sich nicht festmachen, da viele vor Scham über den Betrug schweigen.

Die Arbeiterkammer warnt ausdrücklich vor dieser Betrugspraxis, da grundsätzlich jede Person, unabhängig von Alter, Bildung oder Beruf betroffen sein kann. „Das Problem ist, dass mit dem Wunsch nach einer Beziehung auch der Hausverstand oft nachlässt. Denn sonst wäre es verdächtig, wenn eine Person, die man noch nie zuvor gesehen hat, plötzlich von der großen Liebe spricht“, gibt AK Präsident Erwin Zangerl zu bedenken.

Täter gehen ähnlich vor

Die Vorgehensweisen der Täter sind zwar nicht immer gleich, folgen aber ähnlichen Mustern: Am Anfang steht die Kontaktaufnahme etwa über ein gefälschtes Profil in einer Dating-App oder via E-Mail.

Dann wird die Kommunikation intensiviert. Man meldet sich regelmäßig, baut eine Beziehung auf, wobei die Forderung nach Geld erst später kommt, manchmal sogar erst nach Wochen oder sogar Monaten. Fix ist nur eines: Die Geldforderung kommt, und zwar mit emotionalem Druck.

Von UNO-Soldat bis Top-Model

Sie sind UNO-Soldaten, Bohrinselarbeiter, Ärzte im Ausland oder sogar Top-Models und sie alle haben nur ein Ziel: Frauen, die auf der Suche nach der großen Liebe sind, um ihr Geld zu bringen.

Es wird gezielt auf die Sehnsüchte der Opfer eingegangen, sogar Treffen werden in Aussicht gestellt, doch zuvor kommt eine dramatische Geschichte dazwischen – der Angebetete hätte Probleme mit den Behörden, einen Unfall bzw. gesundheitliche Probleme oder andere Schwierigkeiten, für die er Geld braucht. Die verliebten und gutgläubigen Opfer überweisen, bis nichts mehr möglich ist und der Kontakt abbricht. Dann kommt das böse Erwachen und die Erkenntnis, dass man einem Betrug aufgesessen ist.

Geld ist meist verloren

Auch wenn es meist dauert, bis man sich diese Erkenntnis eingesteht und das überwiesene Geld in den meisten Fällen verloren ist, ist es sinnvoll, Anzeige zu erstatten bzw. sich bei der Bank zu erkundigen, ob eine Überweisung rückgängig gemacht werden kann.

Viel wichtiger sind jedoch gesundes Misstrauen, Skepsis, kritisches Nachdenken und der Austausch mit Freund:innen. Denn oft erkennen Außenstehende früher, dass an den vermeintlichen Liebesschwüren aus dem Netz etwas faul ist, was dazu führt, dass die Täter ihre Opfer auch dazu bringen wollen, die Beziehung geheim zu halten. „Bleiben Sie skeptisch und fragen Sie sich, warum Ihnen eine völlig fremde Person, die weit entfernt von Ihnen lebt, Ihnen ihre Liebe erklärt und letztlich Geld von Ihnen will!“, rät die AK.

Erpressungen durch Fotos

Auch der Austausch intimer Bilder soll auf jeden Fall vermieden werden, denn sie könnten später als Druckmittel für Erpressungen genutzt werden, eine Betrugsform, die als „Sextortion“ bezeichnet wird.

Phishing und betrügerische Finanz-Angebote

Darüber hinaus warnt die AK vor anderen verbreiteten Betrugsmaschen, wie dem sogenannten „Phishing“. Darunter versteht man Methoden, um auf betrügerische Weise an fremde und geheime Daten zu kommen. Oft erfolgen die Kontaktaufnahmen per E-Mail, SMS-Link, gefälschtem QR-Code oder auch per Telefonanruf mit fingierter Geschichte. Letztere treten derzeit wieder verstärkt auf und sind nicht zuletzt deshalb irreführend, da mittels KI echt wirkende Stimmen von Bekannten bzw. Angehörigen imitiert werden können.

Ebenso verlockend klingen Angebote im Netz, die für das Investment in Kryptowährungen, wie Bitcoins werben und gigantische Gewinne versprechen. Tatsache ist, dass Kryptowährungen in ihrem Kurs meistens gewaltigen Schwankungen unterliegen und innerhalb kurzer Zeit ein Investment nichts mehr wert sein kann.

Nur sehr wenige sind mit Kryptowährungen reich geworden und wenn, dann mit einem gewaltigen Risiko, alles zu verlieren. Tatsache ist auch, dass Spekulationen mit Kryptowährungen nichts für Anfänger sind und dass die Finanzmarktaufsicht bereits öfter vor bis zu 80 Prozent an Betrugsangeboten im Internet für Bitcoin und Co. gewarnt hat. „Deshalb Hände weg von Gewinnversprechungen“, so die AK abschließend.


Das sind die Tipps der AK:

  • Bleiben Sie skeptisch!
  • Von der Bekanntgabe nicht unbedingt nötiger Daten im Netz ist abzuraten.
  • Im Zweifel nichts bekanntgeben. Überall dort, wo die Weitergabe der persönlichen Daten untersagt werden kann, sollte das auch gemacht werden.
  • Insbesondere mit der eigenen Mobilrufnummer sowie mit Debit- und Kreditkartendaten sowie ganz allgemein mit Bank- oder Zahlungsdaten ist sehr zurückhaltend umzugehen.

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