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Medienmanager Clemens Pig: „Lügen explodieren“

Der APA-CEO sieht in seinem neuen Buch „Welt ohne Wahrheit“ noch Chancen, den digitalen Raum zurückzuerobern.

APA-CEO Clemens Pig hat am Montagabend im APA-Pressezentrum sein jüngst erschienenes Buch „Welt ohne Wahrheit“ vorgestellt. Dabei beschwor er in Anwesenheit zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter aus der Medienbranche die Kooperation, um den digitalen Raum von den internationalen Big-Tech-Giganten zurückzuerobern. „Es ist spät, aber wir haben noch die Gelegenheit, Dinge zu ändern“, sagte er mit Blick auf eine „Dekade der Desillusionierung“, in der „Lügen explodieren“.

„Es ist spät, aber wir haben noch die Gelegenheit, Dinge zu ändern.“

Clemens Pig

Das im Brandstätter Verlag erschienene Buch ist der zweite Teil von Pigs „Democracy Dies in Darkness“-Reihe, analysiert den besorgniserregenden Status quo in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung und liefert Antworten auf Fragen wie: Wie kommen verlässliche Informationen wieder zu den Menschen? Und: Wie können Medien ihre Arbeit aus eigener Kraft finanzieren, statt von Plattformlogiken abhängig zu bleiben?

„Kooperation als Antwort auf brutale Digitalwelt“

Es erschien in dem Jahr, in dem die APA in ihrer heutigen Form 80 Jahre alt wird. Den Gründungsgedanken bzw. die Erkenntnis, dass es selbst für Konkurrenten am Markt Sinn macht, sich an einen Tisch zu setzen und gewisse Dinge gemeinschaftlich zu unternehmen, bezeichnete er als „stark“ und „unglaublich mutig“. Auch heute sei „Kooperation als Antwort auf eine brutale Digitalwelt“ gefragt, so der gebürtige Tiroler. „Würde es die APA nicht geben, wir würden sie heute gründen“, zeigte er sich überzeugt. Schließlich hätten sich stets jene durchgesetzt, die anpassungsfähig und bereit zur Kooperation gewesen seien.

APA-CEO Clemens Pig sieht „Kooperation als Antwort auf eine brutale Digitalwelt.“ Foto: APA/Ludwig Schedl

Seit mehreren Jahren beschäftige sich die Medienbranche nun damit, wie man Künstliche Intelligenz bestmöglich in den Nachrichtenbetrieb integrieren könne. „Wir haben in diesen drei Jahren übersehen, dass sich die KI eine andere Frage gestellt hat - nämlich: Wie bringen wir Journalismus in die KI?“, blickte Pig auf von Medien produzierte Inhalte, die von KI-Anbietern „wie aus einem Rohstofflager geplündert“ würden. „Ich liebe KI, ich liebe digital. Es gehört nur eingehegt“, so der 51-Jährige, der darauf hinwies, dass Medien die Tagesbegleiter sein sollten - und nicht KI-Chatbots.

„Punkt erreicht, an dem Lügen explodieren“

„Es darf niemals ein Wahrheitsministerium geben, aber wir haben einen Punkt erreicht, an dem Lügen explodieren“, zeigte sich Pig besorgt. „Jene, die Lügen massiv in die Welt bringen, wollen, dass wir überhaupt niemandem mehr vertrauen.“ Daher brauche es jemanden, der weiterhin versucht, die bestmögliche Version der Wahrheit zu liefern, beschwört Pig handwerklich saubere redaktionelle Arbeit. In puncto Distribution der Nachrichten sieht er aber einen guten Einsatzbereich für KI gegeben.

„Jene, die Lügen massiv in die Welt bringen, wollen, dass wir überhaupt niemandem mehr vertrauen.“

Clemens Pig

„Ich plädiere für eine Informationsoffensive, einen Schulterschluss der Medien mit der Wissenschaft und Politik, um wesentlich klarer zu sagen: „Es macht einen Unterschied, was wir konsumieren“, sagte der Medienmanager. Er tritt in seinem Buch neben geteilter IT-Infrastruktur und -Lösungen und vehementem Rechte- und Lizenzmanagement etwa für ein kooperativ-redaktionelles Social Media ein, wo Nutzerinnen und Nutzer mit Journalismus in Verbindung treten. Es handle sich um eine Utopie, kein fertiges Modell, stellte Pig klar - eine „Einladung zu einer Diskussion, wie man einen Teil des Internets für die gute Sache“ abseits von süchtig machenden Mechanismen zurückerobern könne.

„Manchmal ist ein Buch einfach nur ein Buch“

Vielfach wurde in den vergangenen Wochen gerätselt, ob Pig einen Unternehmenswechsel überlegt. Ob sein Buch als eine Art Bewerbung für die nächste ORF-Generaldirektorenperiode zu verstehen sei?, wollte „ZiB1“-Anchorman Tarek Leitner als einer der Moderatoren des Abends von Pig wissen. „Manchmal ist ein Buch einfach nur ein Buch“, sagte Pig und wünschte eine spannende Lektüre.


Clemens Pig: „Welt ohne Wahrheit. Demokratie verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung“, Brandstätter Verlag, 216 Seiten, 25 Euro)

6 Postings

Bahner Bernd
vor einer Woche

Neuerdings droht den freien Medien weiteres Ungemach. Das Imperium schlägt zurück. Durch SLAPPklagen mit Milliardenbeträgen wird versucht, kritische Meinungsäußerungen von NGOs und Medien abzuwürgen. Trump hat diese Methode besonders kultiviert. Das Wallstreet Journal wurde wegen eines Artikels zu Eppstein auf 10 Milliarden Dollar verklagt, ähnliches wurde gegen die Sender ABC, CBS und die NYtimes eingebracht bzw. angedroht, ua wegen Interviews mit Pamela Harris. Auch in Europa gibt es genug Beispiele dafür. Immerhin ist die Gesetzeslage in unseren Breiten etwas restriktiver ( nur Österreich ist hier säumig ).

 
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    Bahner Bernd
    vor einer Woche

    Trump hat Kamala Harris im abschätzig Pamela genannt. Das sollte ich nicht tun.

     
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Bahner Bernd
vor 2 Wochen

Die Wahrheit des Faktischen, journalistisch, gewissenhaft recherchiert, in die Welt zu bringen wird immer mehr durch Bestrebungen gefährdet, " Wahrheiten ", die weniger faktenbasiert sind sondern gleichsam übergeordnet "höheren" ideologischen und politischen Ziele dienen in der Meinungsbildung zu positionieren. Dem leisten Internet, vor allem auch KI entscheidenden Vorschub. "Wahrheit " als Maneuvriermasse der Meinungsmache. Der Unbequemlichkeit, sich mit kontroversiellen Informationen und Argumenten befassen zu müssen, Fragen offen zulassen,Zweifel zuzulassen ist man rasch enthoben, wenn man die "Wahrheit" durch KI in handlichen, überschaubaren Portionen geliefert bekommt, ( und durch Leute, die auf diesem Spielfeld gekonnt agieren ).

 
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r.ingruber
vor 2 Wochen

Ohne die Buchempfehlung in irgendeiner Weise relativieren zu wollen: Vielleicht könnte man jetzt aber auch Richard David Prechts und Harald Welzers vor vier Jahren als unreflektierte Medienschelte verteufeltes Werk "Die vierte Gewalt" ein zweites Mal lesen?

 
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    Photon 07
    vor einer Woche

    1. geht nur um Distanz zu. B.B.; 2. Gewichtung, Interpretation u. Definition von Fakten, jeder einzelne dieser Begriff ein Minenfeld, und Wahrheit ist nicht mehr als das, worauf ich vertrauen kann (Sophia od. doch Sophist, im konkreten Fall, egal); 3. AI ist (mehr als die Summe ihrer Algorithmen) die Unbekannte im Bett, wer zuviel darüber nachdenkt, der wird paranoid; 4. Big-Tech gegen Pig-Meinung, das kann nicht gut enden

     
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      Bahner Bernd
      vor einer Woche

      Es geht primär nicht um Wahrheit als Philosophiebegriff wie ua bei Kant oder Heidegger, wenn hier auch die Prämissen für jegliches ethisches Handeln dargelegt sind. Wahrheit in die Welt zu bringen bedeutet hier das Ergebnis journalistischer Redlichkeit, eine Faktenlage von Interesse nach gründlicher Recherche, unvoreingenommen und Meinung nicht mit Fakten gleichsetzend an die Öffentlichkeit zu bringen . Im Gegensatz dazu Informationen, die Fakten desinformativ aus- oder in einen neuen Kontext stellen, in eine bestimmte ideologische oder politische Richtung hin uminterpretieren, manchmal auch nur um simple Sensationslust zu bedienen. Irrtümer sind systemimmanent und korrigierbar ( wie in der Wissenschaft ), der Prozess der Wahrheitsfindung muß aber offen bleiben.

       
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