Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören
Insgesamt sechs Gänsegeier wurden in den letzten Wochen in Kärnten und Osttirol tot geborgen. Die Todesursachen sind noch unklar. Foto: privat

Insgesamt sechs Gänsegeier wurden in den letzten Wochen in Kärnten und Osttirol tot geborgen. Die Todesursachen sind noch unklar. Foto: privat

Mysteriöses „Geiersterben“ in Kärnten und Osttirol

Sechs tote Aasfresser wurden bisher gefunden. Jüngster Fund am Bahndamm in Mittewald. Ursache völlig unklar. 

Rund um den 20. April wurden im Lesachtal innerhalb weniger Tage insgesamt fünf tote Gänsegeier aufgefunden, vier davon auf Kärntner Seite, einer auf Osttiroler Seite in Untertilliach. Die Tiere wurden gekühlt und nach Mödling transportiert, um deren Todesursache zu ermitteln.

Wie Hannes Tiefnig, Leiter der Veterinärabteilung der BH Hermagor, mitteilt, wurde zunächst eine Geflügelpest vermutet. Bei den Untersuchungen durch die AGES Tiergesundheit konnte diese Krankheit jedoch ausgeschlossen werden. Deshalb laufen derzeit weitere toxikologische Untersuchungen, sprich die Suche nach Gift.

Der jüngste Fall eines toten Gänsegeiers ereignete sich am Dienstag, 5. Mai, bei Mittewald neben der Bahnstrecke, wie Bezirkshauptfrau Bettina Heinricher auf Anfrage von Dolomitenstadt bestätigt. Auch die Lienzer Behörde wartet weiterhin auf Untersuchungsergebnisse zur Todesursache der Vögel. Heinricher: „Das ist für uns von großem Interesse.“ Noch lasse sich aber keineswegs abschätzen, ob jemand „nachgeholfen“ habe, eine Krankheit vorliege oder eine natürliche Ursache dahinterstecke.

Am Dienstag wurde der sechste tote Gänsegeier neben der Bahnstrecke bei Mittewald gefunden. Foto: privat
Wildbiologe Michael Knollseisen mit dem Gänsegeier, der noch lebend gefunden und gesund gepflegt wurde. Foto: Knollseisen

Ein einziges Tier, und zwar der Gänsegeier mit der Kennung FB7, wurde noch lebend gefunden und von der Pflegestation der Burgarena Landskron in Villach aufgenommen, wo er gesund gepflegt werden konnte. Bei diesem Gänsegeier handelt es sich um einen 2017 in Friaul geborenen Wildvogel, der von Biologe und „Geierflüsterer“ Michael Knollseisen und seinem Kollegen Fulvio Genero im Rahmen eines Interreg-Projektes in der Geierstation am Lago di Cornio gefangen und mit einem Sender ausgestattet wurde.

Todesursache wird untersucht

Über die Todesursache der verstorbenen Geier stellt Knollseisen ebenso wie Nationalpark-Wildbiologe Gunther Gressmann keine Spekulationen an: Grundsätzlich gebe es viele Gefährdungen für große Greifvögel. Was in den aktuellen Fällen zum Tod geführt habe, könne man vor Abschluss der Untersuchungen jedoch nicht sagen, erläuterte Gressmann auf Anfrage von Dolomitenstadt.

Auch ob die toten Gänsegeier aus dem Lesachtal überhaupt mit dem verendeten Tier aus Mittewald in Zusammenhang stehen, sei ebenfalls unklar. Da letzteres neben der Bahnstrecke aufgefunden wurde, sei denkbar, dass es der Gänsegeier als Aasfresser auf den Kadaver eines von der Eisenbahn verletzten Tieres abgesehen hatte und dabei in die Oberleitung gelangte.

Population in Osttirol

Abgesehen von den aktuellen Fällen schaue die Population der Geier in der Region Osttirol „prinzipiell ganz gut“ aus, schildert Knollseisen. Von sechs Brutpaaren hätten vier erfolgreich gebrütet.

Von maximal 120 gleichzeitig zu beobachtenden Gänsegeiern berichtet Gressmann. Für diese Tiere mit einer maximalen Flügelspannweite von fast drei Metern ist der Nationalpark Hohe Tauern allerdings nur im Sommer ein Lebensraum.

Mit rund einem Meter Körpergröße und fast drei Metern Flügelspannweite ist der Gänsegeier ein äußerst beeindruckender Bewohner am Himmer über den Kärntner und Osttiroler Bergen. Foto: NPHT/Genero

Die Tiere ernähren sich zumindest in Europa fast ausschließlich von Aas größerer Nutztiere. Wenn etwa ein Rind abstürzt, dessen Kadaver gefressen werden kann, tauchen die Tiere urplötzlich auf. Dabei ist noch immer unklar, wie ihre Kommunikation funktioniert.

Gänsegeier brüten in Kolonien in Felsen. Altvögel sind überwiegend Standvögel, junge Gänsegeier sind „Teilzieher“ und verbringen den Sommer meist abseits der Brutplätze in Gebieten mit reichem Nahrungsangebot. Dazu zählen auch die Alpen. 

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren