Die anhaltende Trockenheit hat in Kärnten dramatische Auswirkungen. Im April wurde regional ein Niederschlagsdefizit von bis zu 85 Prozent verzeichnet, hieß es am Mittwoch von Vertretern der Landwirtschaftskammer Kärnten bei einer Pressekonferenz.
Würden in den kommenden zehn Tagen keine starken Regenfälle - bis zu 50 Liter pro Quadratmeter - fallen, geht man bereits jetzt von einem Ernteausfall von 20 bis 70 Prozent aus. „So eine Situation mit lang anhaltender Trockenheit haben wir oft im Spätsommer - aber an so etwas, dass es so früh im Jahr so trocken ist, kann ich mich in meinen 31 Jahren als Bauer nicht erinnern,“ sagte der Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer, Siegfried Huber.
Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) meldete sich zu Wort: Zentral seien „Investitionen in die betriebliche und überbetriebliche Bewässerung, wobei unter anderem Investitionskosten in die Bewässerung, Wasserspeicherung, -rückhaltung und -aufbereitung gefördert werden“, so Totschnig in einer Aussendung. Das Landwirtschaftsministerium setze daher im nationalen Strategieplan für die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) Schwerpunkte, um „die Resilienz der landwirtschaftlichen Betriebe zu stärken und eine nachhaltige Produktion langfristig sicherzustellen“.
Grasschnitt fällt aus
Mancherorts sei der erste Grasschnitt überhaupt ausgefallen, so Huber. Zwar gebe es die Dürreversicherung der Österreichischen Hagelversicherung, die Ausfälle abdeckt. Aber: „Uns geht das Futter aus. Ich befürchte, dass es verstärkt Notverkäufe von Rindern geben wird.“ Die Trockenheit sei so drastisch, dass etwa im Lavanttal bereits Quellen versiegen: „Wir haben auf manchen Wiesen keine Wasserversorgung mehr.“ Vielerorts transportiere die Feuerwehr Wasser, um die Tiere zu versorgen. Auch bei großen Wasserflächen lasse sich das ablesen - der Wasserstand im Bleistätter Moor am Ossiacher See liegt 50 Zentimeter unter dem normalen Niveau.
„Uns geht das Futter aus. Ich befürchte, dass es verstärkt Notverkäufe von Rindern geben wird.“
Siegfried Huber, Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer
„Wir haben massive Ausfälle beim ersten Grasschnitt, 50 bis 80 Prozent. Wenn aber jetzt gemäht wird und es nicht regnet, fällt der zweite Schnitt auch schon aus“, so Huber. Aktuell keime der Mais zwar an, vertrockne aber in der Erde. Teilweise müssten die Einsaaten verschoben werden. Hinzu komme, dass bereits eingebrachter, teurer Mineraldünger durch die Trockenheit nicht seine Wirkung entfalten kann. Wenn in den nächsten zwei, drei Wochen kein Niederschlag komme, dann wäre der Worst Case, dass es stellenweise gar keine Ernte gibt. Empfohlen wird, Futter für die Tiere früh zu organisieren. Und für den Grasschnitt gelte es, das wenige Futter, das jetzt auf den Wiesen ist, bald zu ernten.
„Biodiversitätsflächen freigeben“
Als Sofortmaßnahme fordert die Landwirtschaftskammer, dass auch die 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen, die die Landwirte in Kärnten nicht oder nur eingeschränkt bewirtschaften dürfen, freigegeben werden. „Das ist unser Zugang für so eine extreme Dürre. Uns geht es jetzt um das Futter und nicht um die Prämie, die wir kassieren“, so Huber. Das sei nicht einfach, weil es sich um eine EU-Richtlinie handelt - aber Gespräche auf politischer Ebene würden bereits laufen.
„Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen.“
Das Fazit des Landwirtschaftskammerpräsidenten: „Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen. Prognosen gehen davon aus, dass wir in 20, 30 Jahren das Klima von (der norditalienischen Stadt, Anm.) Udine haben. Da bleibt uns dann nichts anderes übrig, als Bewässerung.“ Die nun geplante Wasserschiene zwischen großen Städten in Mittelkärnten solle man zum Anlass nehmen, auch eine eigene Bewässerungsschiene anzudenken: „Wir hoffen, dass wir das in 20 Jahren nicht brauchen, aber wenn wir es dann brauchen, müssen wir jetzt mit der Planung anfangen.“ Zuerst brauche es eine Studie, ob so eine Bewässerungsschiene technisch auch umsetzbar ist.
Situation auch im Wald extrem
Unter deutlichem Stress stehe auch der Wald: Der ohnehin schon durch den Borkenkäfer geschwächte Wald sei nun - wie man auch am extremen Pollenflug sieht - in einem Samenjahr. „Wenn jetzt kein Regen kommt, wissen wir nicht, was der Borkenkäfer heuer macht. Die Bäume kämpfen ums Überleben und hauen noch einmal die Samen heraus“, beschrieb es Huber. Hinzu komme noch die extreme Waldbrandgefahr.
„Wenn jetzt kein Regen kommt, wissen wir nicht, was der Borkenkäfer heuer macht.“
Trüb sei auch der Blick auf die Almen: Auch der Schneefall sei im Winter geringer ausgefallen, jetzt, im Mai, würden die Wiesen und Weiden auf den Almen teilweise braun bleiben.
Österreichweit trockenste März-April-Periode seit Beginn der Messungen
Wie aus aktuellen Auswertungen der Geosphere Austria hervorgeht, fiel im österreichweiten Flächenmittel um 63 Prozent weniger Niederschlag als im Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020. Damit wurde der bisherige Negativrekord deutlich übertroffen. Zum Vergleich: 2003 lag das Niederschlagsdefizit bei 54 Prozent, 1946 bei 57 Prozent und 1893 bei 58 Prozent.
Für die Zukunft zeichnen Klimamodelle laut Geosphere Austria in den Sommermonaten generell sinkende Niederschlagsmengen ab, während im Winter eher mit einer Zunahme gerechnet werde. Für Frühling und Herbst liefern die Modelle hingegen keine eindeutigen Signale.
Mehr Dürren und Starkregen erwartet
Sicher sei jedoch, dass Extremwetterereignisse wie Dürren und Starkregen künftig häufiger auftreten werden. „Die Witterung der vergangenen Wochen und Monate spiegelt das jetzt schon zum Teil wider“, sagte Orlik. Begünstigt würden solche Wetterextreme unter anderem durch länger anhaltende Wetterlagen infolge eines verlangsamten Jetstreams. Dabei blieben Hoch- und Tiefdruckgebiete länger an einem Ort, was längere Trocken- oder Regenperioden verursachen könne. Der genaue Mechanismus sei allerdings noch nicht vollständig erforscht.
Die regionalen Klimaprognosen seien weiterhin mit Unsicherheiten behaftet, da Computermodelle kleinräumige Entwicklungen bisher nur eingeschränkt abbilden könnten. Eine erste Entspannung der aktuellen Trockenheit wird laut Prognosen im Westen und Südwesten Österreichs - von Vorarlberg bis Salzburg sowie in Osttirol und Oberkärnten - bis Anfang kommender Woche erwartet. Weiter östlich dürften nennenswerte Regenmengen erst gegen Ende der nächsten Woche für eine leichte Entlastung sorgen.
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