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59 Organisationen fordern eine „Reichensteuer“

In keinem anderen westeuropäischen Land sind Vermögen so ungleich verteilt wie in Österreich. 

Ihrer Forderung nach Erbschafts- und Schenkungssteuern haben am Donnerstag zahlreiche Organisationen mit einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt Nachdruck verliehen. Eine entsprechende Resolution wurde dem Generalsekretär im BKA, Andreas Grad, übergeben. Insgesamt unterstützen 59 Organisationen die Forderung, darunter etwa die Arbeiterkammer, die GPA und die Volkshilfe. „Wir können uns euren Superreichtum nicht leisten“, betonte Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger.

„In keinem anderen westeuropäischen Land sind Vermögen so ungleich verteilt wie in Österreich. Das reichste ein Prozent besitzt 40 Prozent des gesamten Vermögens. Allein die drei reichsten Familien besitzen mehr als die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen“, heißt es in der Resolution. Deshalb müsse die 2008 ausgelaufene Erbschaftssteuer wieder eingeführt werden.

Im Durchschnitt der Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sei der Anteil vermögensbezogener Steuern an den gesamten Einnahmen aus Steuern und Abgaben rund fünfmal so hoch wie in Österreich.

Eine Erbschafts- und Schenkungssteuer forderten am Donnerstag zahlreiche Organisationen mit einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt. Foto: APA/Fohringer

In Frankreich liegt der Anteil etwa bei 7,8 Prozent, im Vereinigten Königreich bei 10,9 Prozent und selbst in der Schweiz bei 7,6 Prozent. Hierzulande liege der Anteil unter einem Prozent. Eine Erhöhung des Anteils vermögensbezogener Steuern am gesamten Steueraufkommen auf OECD-Durchschnitt könne acht bis neun Milliarden Euro einbringen, rechnen die Organisationen vor.

Reiche sollen Beitrag leisten

„Während die Ärmsten in die saure Zitrone beißen, sind es die Superreichen, die die Zitronen in ihren Cocktails haben“, forderte AK-Chefökonom Mathias Schnetzer einen größeren Beitrag der besonders Wohlhabenden an der Budgetkonsolidierung. Denn diese Gruppe sei bisher verschont geblieben.

„Während die Ärmsten in die saure Zitrone beißen, sind es die Superreichen, die die Zitronen in ihren Cocktails haben.“

AK-Chefökonom Mathias Schnetzer

Auch ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth meinte: „Wer Millionen erbt, muss einen fairen Beitrag leisten, um das Steuersystem gerechter zu machen und Investitionen in Pflege, Gesundheit und Klima zu sichern.“ Daher fordere man die österreichische Bundesregierung auf, die Einführung einer Erbschafts- und Schenkungssteuer mit einem hohen Freibetrag und einem progressiven Steuersatz zu beschließen.

Grüne Unterstützung

Die Grünen, die selbst seit Monaten dieselbe Forderung trommeln, sehen in der „Allianz für einen fairen Beitrag der Reichsten“ ein „starkes Signal“. „Diese Allianz vertritt viele unterschiedliche Menschen und Lebensrealitäten in Österreich und zeigt, dass die Forderung nach einer fairen Besteuerung der Superreichen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, meint Jakob Schwarz, Budgetsprecher der Grünen, in einer Aussendung.

Kritik vom Wirtschaftsbund

Kein Fan von Reichensteuern ist bekanntlich der ÖVP-Wirtschaftsbund. Generalsekretärin Tanja Graf meinte zur heutigen Kundgebung in einer Aussendung: „Mit uns wird es keine Vermögens- oder Erbschaftssteuern geben. Dieser ideologische Steuer-Schmäh wird auch nicht überzeugender, wenn man ihn ständig neu aufwärmt.“ Auch die Industriellenvereinigung (IV) blieb bei ihrer bekannten Position. „Österreich braucht Maßnahmen zur Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Leistung - nicht neue Belastungen für Eigentum, Betriebe und Familienunternehmen“, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

4 Postings

mischmaschin
vor einem Monat

Das ist ein guter Schmäh von Wirtschafrtsbund und IV - Familien die ehrlich wirtschaften werden nie so reich, dass sie Angst vor der Reichensteuer haben müssten - alle anderen sollen schauen, dass sie dem Staat was zurückgeben! Die ganzen Klein-UnternehmerInnen blöcken da mit weil sie glauben machen möchten, sie wären so erfolgreich, dass sie da drunter fallen *loool*

 
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andreas.klotz
vor einem Monat

Die Reallöhne in Österreich sind in den letzten 20 Jahren stagniert , die Inflation hat jeden kleinen Zugewinn aufgefressen . In Deutschland sogar gesunken . Der Lohn hat sich entkoppelt , früher sind die Löhne mit dem Gewinn des Unternehmens gewachsen . Wenn sich das Vermögen konzentriert , fehlt dieses Geld der Wirtschaft . Da gibt es verschiedene Theorien . In meinen Augen , würde eine bessere Verteilung den Konsum steigern und die Wirtschaft ankurbeln . Die jetzige Inflation ist ja nicht wegen hohem Konsum , sondern wegen Kriege und Spekulation . Da wird mit Unsummen auf etwas spekuliert , was ich physisch gar nicht abnehme, bei diese Terminkontrakte. Da spekuliert nicht der Arbeitnehmer oder kleine Selbständige aus der Nachbarschaft, sondern Leute mit Unsummen von Geld , und die Rechnung zahlt am Schluss der Arbeitnehmer beim Einkauf von Lebensmitteln oder an der Tankstelle.

Entweder man zahlt gerechte Löhne, oder man muss es durch Steuern ausgleichen , und der Staat schmeißt das Geld in den Wirtschaftskreislauf durch sinnvolle Investitionen in die Zukunft . 60 Prozent der Tiroler sehen inzwischen die Mietkosten als große Belastung. Tirol hat inzwischen die höchsten Mietkosten ,liegt aber bei den Löhne unter dem Durchschnitt in Österreich. Innsbruck ist inzwischen teurer als Salzburg und die höchsten Mietpreise pro Quadratmeter in Österreich, aber beim Lohn verdient der durchschnittliche Villacher mehr . Wenn das so weitergeht , haben wir US amerikanische Verhältnisse , wo du zwei Jobs hast, aber im Wohnwagen oder Auto lebst , das sind keine Einzelfälle im größten , mächtigsten und allerbesten Super- Land der Welt, mit dem besten Präsidenten den die Welt je gesehen hat . Wir müssen was am System ändern , sonst fliegt uns bald alles um die Ohren .

 
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LaraLektora
vor einem Monat

Danke für das Engagement!! Weiter so - irgendwann muss sich was bewegen diesbezüglich.

 
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TW-WU
vor einem Monat

Passend dazu der podcast von der ehemaligen staatsanwältin und cum-ex-aufdeckerin anne brorhilker (cum-ex schaden in österreich ca. 180mio euro!). Unvorstellbar welche summen von reichen und von der finanzwelten am staat vorbeijongliert werden,... und in den medien, die hierzulande im besitz von vorwiegend sehr reichen menschen sind, ist davon nix zu lesen...

"100 Milliarden Euro (1/5 des staatshaushaltes) verliert die Gesellschaft allein in Deutschland pro Jahr durch Steuerkriminalität. Anne Brorhilker hat im Fall Cum-Ex gegen die größten Steuerverbrecher der deutschen Geschichte ermittelt. Dann schmiss sie hin, aus Frust über eine Politik, die beim organisierten Verbrechen innerhalb der Finanzindustrie ein Auge zudrückt. Ein Gespräch über das Mindset der Täter, den Einfluss der Finanzlobby und Möglichkeiten das Staatsversagen bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zu korrigieren."

https://www.podcast.de/episode/702980560/331-finanzkriminalitaet-wie-der-staat-gegenueber-reichen-steuerverbrechern-kapituliert

 
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