Das Olala-Festival, eine Eventwoche, die den Sommer in Osttirol wie keine andere prägt, feiert in diesem Jahr 35-jähriges Bestehen. Von 27. Juli bis 1. August wird wieder der Zirkus- und Straßentheaterkunst gefrönt, wobei in diesem Jahr das Publikum noch stärker in das Geschehen eingebunden werden soll.
Hochsteinareal als neue Eventlocation
Erstmals werden heuer die beiden Festivalwelten Zirkus und Straßentheater organisatorisch getrennt. Die ersten drei Festivaltage von Montag bis Mittwoch stehen ganz im Zeichen des zeitgenössischen Zirkus. Eine zentrale Neuerung betrifft dabei den Hochstein, das Areal bei der Talstation wird nämlich erstmals zur Eventlocation erklärt, wo abendfüllende Zirkusproduktionen auf höchstem Niveau stattfinden sollen.
In der zweiten Wochenhälfte dreht sich von Donnerstag bis Samstag dann alles um das Straßentheater: Mit so viel Programm wie nie zuvor wird die Lienzer Innenstadt zur offenen Bühne erklärt. Plätze, Gassen und öffentliche Räume werden zu Spielorten deklariert, um Kunst unmittelbar und überraschend erleben zu können.
Zirkuskunst aus Frankreich
Zweifelsfrei einen Höhepunkt des Zirkusteils stellen die Inszenierungen von „Cirque La Compagnie“ dar. Der 2014 gegründete französisch-schweizerische Zirkus, der auf eine Mischung aus Akrobatik, Humor und berührendem Storytelling setzt, präsentiert die Show „Pandax“.
Fünf Brüder und eine Urne
Darin geht es um fünf Brüder, die sich in gewisser Weise bereits kennen, einander aber zum ersten Mal begegnen. Die Besonderheit: Sie alle haben den gleichen Vater, wurden aber - mit Ausnahme eines Zwillingspärchens - von unterschiedlichen Müttern geboren und aufgezogen. Der Anlass ihres Aufeinandertreffens ist ein tragischer, schließlich ist ihr gemeinsamer Vater unlängst verstorben.
Ausgehend vom Krematorium, wo die Halbgeschwister die Urne ihres Erzeugers abholen, werden die Zuseher:innen auf eine skurrile Autofahrt mitgenommen, die von Streit, emotionalen Erinnerungen und einer Menge Humor geprägt ist. Untermalt wird die Show von einer Live-Band, deren Inszenierung sich zwischen Trauermarsch, Jazz, Klezmer und sogar Jodeln bewegt.
Eine zentrale Rolle spielt in diesem Stück das Auto, ein desolater Fiat Panda, der sich selbst zum Spielpartner und zum Symbol für Bewegung und Weiterentwicklung entwickelt.
Zirkuszelt als Kunstobjekt
Doch auch den äußeren Rahmen überlässt die französische Gruppe nicht dem Zufall, weswegen sie mit ihrem eigenen Zelt anreist, das sie als eigenständiges, künstlerisches Objekt betrachtet.
Dieses Zirkuszelt stellt einerseits für die Darsteller:innen einen geeigneten Arbeitsraum dar, der allen technischen Anforderungen entspricht, unterstreicht aber andererseits auch die Präsenz von Kunst in der Stadt. Durch die runde Manege erlaubt das Zelt überdies Beziehungsaufbau und Nähe zum Publikum, wodurch die ausgelösten Empfindungen direkt spürbar sind.
Und Emotionen verspricht die Show jedenfalls, denn die Artist:innen von Cirque La Compagnie überzeugen nicht nur durch spektakuläre Akrobatik auf Motorrädern, Wippen und in luftigen Höhen, sondern bieten auch feines Schauspiel mit viel Gefühl. Trotz des ernsten Themas bleibt „Pandax“ somit leicht verdaulich, poetisch und immer wieder humorvoll.
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