Die Pläne der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), am Ende des Gamsgrubenwegs oberhalb der Pasterze eine neue Touristenhütte zu errichten, stoßen schon länger auf Widerstand. Naturschutzorganisationen, Alpenverein und 2023 sogar der Rechnungshof übten teils deutliche Kritik an dem Vorhaben im streng geschützten Bereich des Nationalparks Hohe Tauern.
Kern des Projekts ist eine „Schutzhütte bzw. Versorgungseinrichtung für Tagesgäste“ nahe der ehemaligen Hofmannshütte auf rund 2.400 Metern Seehöhe. Diese war 2016 abgetragen worden, nachdem sie durch den Gletscherrückgang ihre ursprüngliche Funktion verloren hatte. Der Standort wurde renaturiert. Die Gamsgrube ist ökologisch sensibel und deshalb Sonderschutzgebiet. Sie unterliegt besonders strengen Auflagen, weite Teile sind für Besucher gesperrt.
Der Gamsgrubenweg führt von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe an der Großglockner Hochalpenstraße bis zum Wasserfallwinkel, er ist zwar steinschlaggefährdet, aber komfortabel ausgebaut, nur leicht ansteigend und bietet Blick auf die beeindruckende Bergwelt des Hochgebirges inklusive Großglockner.

Schon länger plant die Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), am Ende dieses Weges oberhalb der Pasterze eine neue Touristenhütte mit Ausschank zu errichten. Diese Pläne stoßen auf erheblichen Widerstand. Der Alpenverein sah sich auch im Besitzrecht, verlor aber in der dritten Instanz Ende 2025 einen Rechtsstreit gegen die Grohag, die nun freie Hand für ihr Vorhaben hätte.
Wohl auch deshalb spricht der Naturschutzbund aktuell in einem offenen Brief an Grohag-Vorstand Johannes Hörl von einem „der sensibelsten Lebensräume im Nationalpark Hohe Tauern“ und fordert, „keine touristischen Baumaßnahmen im Sonderschutzgebiet Gamsgrube“ umzusetzen.
Besonders kritisch sehen die Naturschützer die zu erwartende Lenkungswirkung: Eine gastronomische Infrastruktur ziehe zwangsläufig mehr Besucher an und erhöhe den Druck auf das fragile Ökosystem. Naturschutzbund-Präsident Thomas Wrbka bezeichnet das Gebiet als „absolutes Juwel als Lebensraum für Pflanzen und Tiere“ und verweist auf die Einzigartigkeit der dortigen Flugsandflächen und spezialisierten Arten.
Auch sicherheitstechnische Argumente werden ins Treffen geführt. Durch das Abschmelzen des Permafrosts nimmt die Steinschlaggefahr zu, der Gamsgrubenweg musste zuletzt wiederholt gesperrt werden. Unter diesen Bedingungen erscheine zusätzliche Infrastruktur „nicht nur ökologisch problematisch, sondern auch sicherheitstechnisch fragwürdig“, heißt es im offenen Brief.
Die GROHAG weist die Kritik zurück und betont den Lenkungseffekt des geplanten Baus. Generaldirektor Johannes Hörl verweist darauf, dass das Projekt gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung Kärnten entwickelt worden sei und politische Zustimmung erhalten habe. Ziel sei es gerade, Besucherströme besser zu steuern und über den Schutzstatus zu informieren. Der Gamsgrubenweg fungiere als „Besucherlenkung im Sonderschutzgebiet“, betont Hörl. Das Projekt bleibt dennoch politisch und ökologisch umstritten, auch die Finanzierung scheint noch nicht geklärt.
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