Seit Mitte Mai hat Lavant mit Stefanie Ganeider eine neue Bürgermeisterin. Die vormalige Vizebürgermeisterin folgt Langzeit-Gemeindechef Oswald Kuenz nach und ließ mit ihrem Amtsantritt den Anteil der Bürgermeisterinnen im Bezirk Lienz die Zehn-Prozent-Marke übersteigen.
Im Interview berichtet Ganeider über ihren Amtsantritt, ihre Wahrnehmung der 340 Einwohner:innen zählenden Kommune, die Zusammenarbeit im Gemeindetat und künftige Vorhaben.
Wie ist es zur Übernahme von Oswald Kuenz gekommen?
Schon Anfang des Jahres hat man in den Medien vernommen, dass Oswald mit dem Gedanken spielt, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen früher niederzulegen. Natürlich habe ich dann mir meine Gedanken gemacht, weil ich damals seine Stellvertreterin war und auch angesprochen wurde. Allerdings stand für mich fest, nichts nach außen zu kommunizieren, solange der Amtsverzicht nicht spruchreif war.

Ende April hat Oswald dann - wie vorgeschrieben - bei mir als Stellvertreterin seinen Rücktritt abgegeben und ab diesem Zeitpunkt stand für mich fest, dass ich bereit bin, wirklich Verantwortung zu übernehmen, wenn ich genügend Unterstützung im Gemeinderat habe.
Sie sind seit 2022 Gemeinderätin. Welche Motivation stand hinter dem Entschluss, in der Gemeindepolitik aktiv zu werden?
Ich bin generell sehr umtriebig, vielseitig und liebe Herausforderungen. Zudem bin ich in Lavant tief verwurzelt: Ich bin hier auf einem kinderreichen Bauernhof auf die Welt gekommen, war von klein auf in der Gemeinschaft fest verankert und schon mein Opa war 24 Jahre lang Bürgermeister.
Zudem glaube ich, dass man in einer solchen Position viel bewirken kann, für uns, für unsere Leute, für die nächsten Generationen. Das motiviert mich.
In welchem Bereich sehen Sie Ihr größtes politisches Steckenpferd, wofür schlägt Ihr Herz am meisten?
Mein Herz schlägt für jeden einzelnen in der Gemeinde und mein Grundgedanke ist, dass ich dem Allgemeinwohl verpflichtet bin. Ich muss jetzt über alle drüber schauen, Entscheidungen treffen, hinter denen ich stehen kann, und den Blick nach vorne richten.

Ganz besonders schlägt mein Herz für die Gemeinschaft, für die Leute und das ist auch, was mich zum großen Teil motiviert.
Der Gemeinderat ist die niederschwelligste politische Ebene. Nehmen es die Bürger:innen in Anspruch, tatsächlich auf das Gemeindeamt zu kommen und Anliegen zu deponieren?
Ja, tatsächlich schon, dazu sind wir auch da. Es entstehen aber auch abseits vom Gemeindeamt Gespräche, in denen direkter Imput aus der Bevölkerung kommt.
Kristallisieren sich bereits Anliegen heraus, die von den Gemeindebürger:innen als besonders drängend empfunden werden?
Nein, eigentlich nicht. Aber wir haben gerade ein größeres Projekt, an dem wir dran sind, denn wir wollen ein neues Feuerwehrgerätehaus bauen. Da prüfen wir gerade, wie es mit der Finanzierung ausschaut.
Wir haben in Lavant ja das Glück - oder es ist eigentlich meinen Vorgängern, unter anderem auch meinem Opa, zu verdanken -, dass wir eine finanzkräftige Gemeinde mit einer tollen Infrastruktur sind. Das gilt es jetzt zu erhalten.
Wie nehmen Sie die Gemeinde Lavant insgesamt aus Ihrer Innenperspektive wahr?
Wir alle, die hier wohnen, können uns glücklich schätzen, in einer so wunderschönen Gegend zu leben. Für Jung und Alt gibt es viele Angebote und wir haben zahlreiche funktionierende Vereine.

Und wie nehmen Sie die Lavanter Gemeindepolitik wahr?
Spannend ist sie. Und ich bin total motiviert, mir das alles anzuschauen. Besonders wichtig ist mir Transparenz. Das, was wir verwalten, womit wir arbeiten, das gehört nicht mir, sondern das gehört allen. Die Entscheidungen, die wir treffen müssen, sind für die Allgemeinheit.
Stichwort Transparenz: Wie kann man diese herstellen?
Indem man mit sämtlichen Themen offen umgeht. Wenn jemand eine Frage hat, steht die Tür immer offen. Durch das Reden mit den Leuten kommt man auf manches drauf und es gibt so viele Themen, die immer aktueller werden. Wasser zum Beispiel.
Ein gutes Stichwort. Mehrere Osttiroler Gemeinden rufen aktuell zum Wassersparen auf, wie schaut es in Lavant aus?
Es sind ausreichend Reserven vorhanden. Ich habe mir auch schon persönlich die Quellsituation angeschaut und war im Gelände unterwegs. Zudem haben wir eine super Anlage mit einem Tiefbrunnen.
Die Dorfliste ist die einzige Liste, die im Gemeinderat Lavant vertreten ist. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Im Prinzip funktioniert das ganz einfach. Jede Stimme hat gleich viel Gewicht und ist gleich viel wert. Jeder muss selbst wissen, wofür er steht oder eben nicht. Ganz wichtig ist dabei der sachliche Diskurs. Natürlich kommt es aufs Thema an: Wir sind alle Menschen, das ist auch klar. Aber die Sachlichkeit in der Diskussion ist sicherlich der springende Punkt, der die Zusammenarbeit unkompliziert macht.
Wie ist die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden?
Ich bin sehr positiv erfreut und mir ist auch zuvorkommend Hilfe angeboten worden. Schon vor Jahren habe ich ein Programm für musikalische Früherziehung entworfen, da arbeiten wir mit Nikolsdorf zusammen. Vor einiger Zeit habe ich zudem das Nachbarschaftssingen initiiert, wo Menschen aus Lavant, Tristach, Dölsach und Nikolsdorf sich zu vorgegebenen Terminen treffen und gemeinsam singen. Ich finde, man sollte Kooperation nutzen, wo es Sinn macht.
Sie sind die vierte Bürgermeisterin im Bezirk. Wie ist es, als Frau an der Spitze der Gemeindepolitik zu stehen?
Ich weiß nicht, wie es als Mann ist. Aber für mich ist es gut, ich finde es spannend. Das ist für mich auch kein Geschlechterthema, ich bin da als Mensch.
Sie sind Mutter zweier Töchter. Wie lässt sich das Bürgermeisteramt mit der Familie vereinbaren?
Seitdem ich meine erste Tochter zur Welt gebracht habe, sind meine Kinder meine oberste Priorität. Mir ist zum Beispiel wichtig, dass ich in der Früh noch daheim bin, wenn sie gehen, und jemand daheim ist, wenn sie zu Mittag heimkommen.

Davon abgesehen sind sie jetzt zehn und vierzehn Jahre alt, da bin ich gar nicht mehr so gefragt. Mein Mann ist außerdem Krankenpfleger, der ist auch da und war von Anfang an total eingebunden. Wir sind auf einer Ebene und organisieren uns einfach.
Mit dem Abfallwirtschaftsverband hat es bezüglich der Deponie in Lavant Unstimmigkeiten gegeben. Was ist nun der Stand der Dinge?
Der jahrzehntelange Pachtvertrag mit dem Abfallwirtschaftsverband ist Ende 2024 ausgelaufen, die Deponie soll geschlossen werden. Für diese Phase bis zur Schließung haben wir uns mit dem Verband auf ein Nutzungsentgelt geeinigt.
Betreffend der Phase der Nachsorge stehen wir jetzt in Verhandlungen, da wird demnächst auch ein Meeting stattfinden, wo man sich abspricht. Es wird darauf hinauslaufen, dass ein Bestandsvertrag errichtet wird, in dem auch ein Nutzungsentgelt ausgemacht wird. Da stehen wir in Verhandlungen.
Dass kein Verkauf der Gründe stattfindet, steht fest, da ist sich der Gemeinderat tatsächlich einig und das haben wir auch so kommuniziert. Wir sind unseren nächsten Generationen gegenüber verpflichtet. Die Deponie ist aktuell unser einziges ausgewiesenes Gewerbegebiet. Die nächsten Generationen sollen die Möglichkeit haben, daraus etwas zu machen.
Wir bleiben thematisch beim Thema Abfall, wenden uns aber einer anderen „Baustelle“ zu. Wie ist die Lavanter Position bezüglich des interkommunalen Ressourcenzentrums, das im Lienzer Talboden entstehen soll?
Es gab einen Grundsatzbeschluss der Gemeinden, da waren wir dabei. Aber im April wurde ein Vertragswerk vorgestellt, mit dem wir zum aktuellen Zeitpunkt so nicht mitgehen können. Wir sind auch nicht die einzige Gemeinde, die zu diesem Schluss gekommen ist, aber wir sind weiter gesprächsbereit und schauen uns an, wie das Projekt weiterentwickelt wird.
Was ist der Knackpunkt, bei dem Lavant nicht mitgehen kann?
Es sind ein paar Punkte in diesem umfangreichen Vertragswerk. Ein Punkt ist beispielsweise die Verkehrssituation. Das ist zwar nicht der ausschlaggebende Faktor, aber für uns ist das Projekt einfach noch nicht ganz rund. Deswegen hat der Gemeinderat entsprechend abgestimmt.
Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Was sind die nächsten Projekte oder Vorhaben, die in Lavant angegangen werden?
Einmal das erwähnte Feuerwehrgerätehaus, da müssen wir schauen, ob das finanzierbar ist. Sonst sind wir aktuell noch voll in der Einarbeitung: Ich bin neu, unser Amtsleiter ist neu und jetzt kommen einfach viele kleinere Sachen aus dem Tagesgeschäft auf uns zu. Da dürfen wir jetzt gemeinsam lernen und darauf freue ich mich sehr.
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