Von Umweltvereinen schon lange eingemahnt und von der EU verbindlich eingefordert, legt das Land Tirol für das Natura 2000-Gebiet „Osttiroler Gletscherflüsse Isel, Schwarzach, Kalserbach“ nun tatsächlich einen Managementplan vor. Dieser wurde laut Landes-Pressestelle unter Einbindung der regionalen Interessensvertretungen vom Land Tirol und dem Osttiroler Planungsbüro Revital seit 2024 ausgearbeitet.
Hintergrund ist die EU-rechtliche Verpflichtung, einerseits Natura 2000-Gebiete auszuweisen und andererseits, für diese auch entsprechende Managementpläne und Erhaltungsziele zu definieren. Bei einem Managementplan handelt es sich um einen grundsätzlichen Fachvorschlag, welche Maßnahmen im Natura 2000-Gebiet zur Erreichung und Einhaltung der Erhaltungsziele beitragen würden. Das Spektrum der konzeptuellen Vorschläge reicht von Bewirtschaftungsvorschlägen über Besucher:innenlenkung und Schutzgebietsbetreuung bis hin zu baulichen Maßnahmen. Der Plan wird aktuell finalisiert und in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Man darf gespannt sein, welche Maßnahmen vorgeschlagen werden. Beide in der Koalition zuständigen Landesräte, René Zumtobel und Josef Geisler beeilen sich zu betonen, dass die Einbindung aller betroffenen Gemeinden und Grundeigentümer „oberstes Gebot“ sei. „Ich bin überzeugt davon, dass effektiver Naturschutz nur dann funktioniert, wenn alle Beteiligten mit an Bord sind“, sagt Naturschutzlandesrat Zumtobel und Geisler kündigt an, zur Umsetzung diverser Maßnahmen werde man vorrangig Flächen im öffentlichen Eigentum heranziehen.
Im Frühjahr fanden vier Informationsveranstaltungen statt, zu denen sämtliche im Natura 2000-Gebiet liegenden Gemeinden sowie Stakeholder eingeladen wurden. Nach Vorliegen eines vorläufigen Planentwurfs fanden im Frühling persönliche Gespräche zwischen Vertretern der Landesregierung, Expert:innen der Umweltschutzabteilung und den Bürgermeistern der Gemeinden Prägraten, Virgen, St. Jakob i. D. und Oberlienz, bei denen auch die weitere Vorgehensweise kooperativ abgestimmt wurde, statt.
Bereits bei der Ausarbeitung des Managementplans war eine eigens dafür eingerichtete „Arbeitsgruppe Naturschutz“ eingebunden. Darin vertreten sind das Baubezirksamt Lienz, die Bezirksforstinspektion, die Landwirtschaftskammer, die BH Lienz, die Planungsverbände im Bezirk, der Tourismusverband, der Fischereiverband, der Bezirksjägermeister, die Wirtschaftskammer Osttirol, die Nationalparkverwaltung Hohe Tauern und der Verein „WET – Wildwasser erhalten Tirol“. Die Arbeitsgruppe wurde in drei Workshops über den Prozess informiert und diskutierte über Inhalt, Ziele und Umsetzung des Managementplans.
„Der Managementplan ist kein Bescheid und auch keine Verordnung. Es handelt sich um eine Fachunterlage, die Maßnahmenvorschläge beinhaltet, die wir zusammen mit den Verantwortlichen gerne umsetzen möchten. Diese vorgeschlagenen Maßnahmen können die vorkommenden Arten und Lebensraumtypen im Schutzgebiet fördern“, erläutert LR Zumtobel. Mit Juni trat auch eine neue Schutzgebietsbetreuerin ihren Dienst an und wird künftig vor Ort die erste Anlaufstelle für Anliegen von Gemeinden und GrundeigentümerInnen bei der Umsetzung des Managementplans sein.
Über das Natura 2000-Gebiet
Entsprechend der FFH-Richtlinie der EU sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, Natura 2000-Gebiete auszuweisen. Seit Ende 2016 gibt es neben 17 weiteren Natura-2000-Gebieten in Tirol auch das Gebiet „Osttiroler Gletscherflüsse Isel, Schwarzach, Kalserbach“, das sich über mehr als 327 Hektar erstreckt. Zweck dieses Schutzgebiets ist die Erhaltung des Lebensraumtyps „Alpine Flüsse mit Ufergehölzen mit Myricaria germanica (Weiden-Tamarisken-Gebüsch)“.
Die Charakterpflanze des Lebensraumtyps ist die Deutsche Tamariske, eine Pflanze, die auf Schotterbänken wächst und bei Hochwasserereignissen regelmäßig umgelagert wird. Für den dauerhaften Erhalt des Lebensraumtyps ist eine ausreichende Gewässerbreite mit Schotterbänken wesentlich.
Die Maßnahmen, die nun im Managementplan ausgearbeitet wurden, zielen auf den Erhalt und die Förderung dieses Lebensraumtyps ab. Ein Maßnahmenbündel umfasst dabei strategische Maßnahmen, wie die Einrichtung einer Schutzgebietsbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit mit Einbeziehung der lokalen Bevölkerung oder spezifischen Informationsangeboten, die Kennzeichnung des Gebietes im Gelände oder die Nutzungsentflechtung und Besucherlenkung.
Ein weiteres Maßnahmenbündel zielt auf den Erhalt und die Wiederherstellung des funktionierenden Gewässersystems ab. Dieses beinhaltet beispielsweise die Anbindung von Nebengewässern, die Wiederherstellung der Fischpassierbarkeit im Hauptgewässer, die Annäherung an den ursprünglichen Zustand, den Erhalt und die Verbesserung von Gewässerstrukturen. Davon profitieren naturgemäß auch weitere Lebensraumtypen der Fließgewässer, von den Schotterbänken im Gewässerbett bis zum Auwald, aber auch Fische und Amphibien.
7 Postings
Ja, es braucht ein Management und warum? Damit es wieder so wird und so bleibt wie du aus deiner Kindheit anmerkst. Ist doch schön, nicht?
das wird nie mehr so werden wie es war, das ist der wandel der zeit - leider. heute regieren nur mehr verdordnungen, bestimmungen, gesetze. die unbeschwertheit ist vorbei ... wohl aus angst nur ja alles richtig zu machen
Die Natur bzw. die Kulturlandschaft sollte wie ein Gesamtkunstwerk betrachtet werden. Wer Details in den Vordergrund stellt, verliert den Blick aufs Ganze. Dass die öffentlichen Grundstücke in erster Linie zu Schotterbänken rückgebaut werden sollen, kann schon einmal als vernünftig bewertet werden. Grundsätzlich sollte die Natur möglichst sich selbst überlassen werden. Zuviel Bürokratie führt zum Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt wurde.
Da hast wohl recht, die Natur sollte sich selber überlassen werden. Das Problem dabei ist nur, dass der Mensch nach seiner Begehrlichkeit ständig Anspruch auf die Natur hegt, was ja leider nur mit Gesetzen zu vermindern oder zu vermeiden ist.
Die Isel, die Drau und einige Zuflüsse z. Bsp. haben sich in den 60ger Jahren über lange Abschnitten neue Gerinne geschaffen, die "verständlicherweise" wieder technisch zurückgedrängt wurden. Nach damaligen Gesichtspunkten. Mit dem Gewässer Managementplan werden einige "Reparaturfehler" durchgeführt - nach heutigen Erkenntnissen und Regeln im Interessensausgleich! Ist das denn so schlecht?
@senf.. Damals waren die Flüsse voll mit organischen Abfällen, die heute herausgefiltert werden. Chemie, Medikamente, Drogen, Pfas bleiben aber heute umso mehr im Wasser. Die Fische waren ohne (natürliche) Feinde ausser dem Menschen. Zurück in diese für Flusslebewesen paradisischen Zustände wird wohl nicht möglich sein.
Und genau deshalb braucht es Regeln und Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ...
Das riecht ja verdammt nach sehr viel Bürokratie! Schön war die Zeit, als das Wasser noch ungestört durch Bach-u. Flussbette fliessen durfte. Als wir Kinder noch ungestört zwischen den Flusstraversen spielen und fischen konnten. Die Flüsse waren noch voll mit Äschen, Bachforellen und Nasen. Heute dagegen brauchts Kommissionen, Fluss/Natura2000 management, Tamariskenlobbying, Einbeziehung von unzähligen Personen und Institutionen u.v.a. mehr. Dabei hat sich eines immer noch nicht verändert: das Wasser nimmt immer noch den Weg des geringsten Widerstandes und fliesst Richtung Meer.
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