Wenn es ums Spenden geht, dann „soll die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“, so heißt es in der Bibel, und wenn es um den guten Zweck, im Besonderen aber um die Kirche geht, dann nehmen manche Künstler diesen Rat beim Wort. Als vor zwei Monaten vom Komitee St. Michaelskirche der Aufruf an die Künstlerschaft erging, die anstehende Sanierung des Sakralbaus auf dem Lienzer Rindermarkt zu unterstützen, war die Bereitschaft zwar nicht ungeteilt, doch ausgesprochen groß: Über 40 Werke von 36 Kreativen heißt, dass manche mindestens mit beiden Händen spendeten.
„Wir konnten nicht alles annehmen“, gestand Dekan Franz Troyer – als Benefiziat von St. Michael immer noch verpflichtet, vier Messen jährlich für den 1507 verstorbenen Stifter Virgil von Graben zu lesen – dem schon von Amts wegen am Erhalt des Gotteshauses gelegen sein muss. Um alle Spenden auszustellen, ist der Kunstraum Leibl doch zu klein. „Aber der Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten“, lautet der Trost aus dem zitierten Bibelvers.

Groß war der Andrang auf die Vernissage vor einer Woche und so blieb nicht nur zwischen den Exponaten wenig Platz. Ein Besuch ist noch bis 10. Juli in aller Ruhe möglich und durchaus zu empfehlen: Noch nie waren die Brüder Hans und Lois Salcher in derselben Ausstellung vertreten, letzterer mit einem Bild, das wohl nur Kenner seiner frühen Werke beharrlich aus der Entwicklung des stillen Lyrikers ableiten würden. Wäre Meisterschaft in diesen Tagen nicht ganz anders konnotiert, etliche der gezeigten Arbeiten hätten diesen Titel wohl verdient!
Neben Othmar Eder, Ilona Rainer Pranter, Simina Badea, Rosemarie Lukasser, Sylvia Manfreda, Peter Niedertscheider u. v. a. ist auch so mancher Noname zu beachten, zumal wenn er vom Diözesanbischof persönlich dem guten Zweck gewidmet wurde: John Doe zum Beispiel oder das in Lienz bereits im Vorjahr in St. Andrä und auf Schloss Bruck höchst irreführend als „Künstlerkollektiv“ gehypte Label SUSI POP, von dem niemand so recht weiß, wer dahintersteckt. Der rosafarbene Siebdruck nach dem „Auferstandenen“ von Egger-Lienz war eines der ersten Werke, das einen Käufer fand.
Zusammen mit dem Buch über die St. Michaelskirche, das vor fünf Jahren ebenfalls zugunsten der baulichen Sanierung erschienen ist, entspricht der monetäre Wert der Exponate rund 10 Prozent der zur Finanzierung des Vorhabens aufzubringenden Summe.
7 Postings
Für die Kunstgeschichte spielt die Kirche eine unbestritten wichtige Rolle aber mit dem "Wissen" von heute ist eine Unterstützung dieser Gemeinschaft für mich schon fraglich.
Der Milliardenverein Kirche bettelt schon wieder.....
Die Kirche hat den Auftrag, ihr Vermögen zu erhalten bzw. zu vermehren. Dafür nimmt dann halt die Mitgliederzahl ab.
Wer hat ihr den Auftrag gegeben und wo ist das dokumentiert? Es heisst ja: "Nehmet alle davon ...
Abgesehen davon, dass es den "Milliardenverein Kirche" gar nicht gibt, steht die Stadt Lienz seit 1790, als ihr das Vermögen von St. Michael bar ausbezahlt wurde, hinsichtlich der Erhaltung noch immer in der Pflicht!
Herrr Ingruber, wie soll man das verstehen? 1790 wurde das Vermögen ausbezahlt? Bis heute ist die Stadt damit in der Pflicht? Wie lange, bis in die Ewigkeit? Letztlich für die Kirche? Wie jetzt?
Danke im Voraus!
Genaueres in: Meinrad Pizzinini, Die St. Michaelskirche in Lienz, 2021.
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