Während gerade in Tirol immer wieder „leistbares Eigentum“ als Ziel für den Wohnungsmarkt postuliert wird, zeigt sich auch bei diesem Thema, dass die Schere zwischen arm und reich größer wird. Menschen mit niedrigen Einkommen sind nämlich tendenziell auf einen funktionierenden und leistbaren Mietmarkt angewiesen. Für sie ist Eigentum seit jeher außer Reichweite.
Wie eine Auswertung des Momentum Instituts zeigt, waren 2025 bereits 26,2 Prozent der Menschen in Mietwohnungen armutsgefährdet. 2019 waren es noch 20,6 Prozent. Damit ist inzwischen mehr als jede vierte mietende Person betroffen.

Bei Menschen, die im Eigentum leben, stieg die Armutsgefährdungsquote im selben Zeitraum nur leicht von 8,8 auf 9,2 Prozent. Mieter:innen sind damit fast dreimal so häufig armutsgefährdet wie Eigentümer:innen.
Der Abstand zwischen den beiden Gruppen ist seit 2019 deutlich größer geworden. „Ein Dach über dem Kopf brauchen alle. In einem reichen Land wie Österreich ist es nicht hinnehmbar, dass mehr als jede vierte mietende Person armutsgefährdet ist“, ortet Sophie Achleitner, Ökonomin am Momentum Institut.
Armutsgefährdung in allen Mietsegmenten hoch
Die Armutsgefährdung unterscheidet sich deutlich nach Wohnform. 2025 waren 32 Prozent der Menschen in Gemeindewohnungen armutsgefährdet. Bei sonstigen Haupt- und Untermieten lag die Quote bei 30 Prozent, in Genossenschaftswohnungen bei 18 Prozent.
Den stärksten Anstieg der Armutsgefährdung zeigen die Daten für den privaten Mietmarkt mit einem Anstieg von 7 Prozentpunkten in nur 6 Jahren (von 23 auf 30 Prozent).
Wohnkosten werden in allen Segmenten zur Belastung
Nicht nur die Armutsgefährdung steigt. Auch die subjektiv wahrgenommene Wohnkostenbelastung hat stark zugenommen. 2019 bezeichneten elf Prozent aller Haushalte ihre Wohnkosten als starke Belastung. 2025 waren es bereits 27 Prozent.

Der Anstieg betrifft sämtliche Wohnformen. In Gemeindewohnungen erhöhte sich der Anteil von 27 auf 38 Prozent, in Genossenschaftswohnungen von 16 auf 33 Prozent und bei anderen Hauptmieten von 15 auf 34 Prozent. Auch im Hauseigentum stieg die starke Belastung von acht auf 25 Prozent.
„Die meisten Mieten sind an die Inflation gekoppelt. Steigen die Preise, ziehen die Mieten nach ohne, dass das Wohnen seitens der Vermieter:innen de facto teurer geworden ist. Und das genau in einer Zeit, in der auch Lebensmittel, Energie und andere notwendige Ausgaben teurer werden. Diese Miet-Preis-Spirale hat das Wohnen in den vergangenen Jahren massiv verteuert“, so Achleitner weiter.
Frauen stärker belastet
Frauen sind unabhängig von ihrer Wohnform häufiger armutsgefährdet als Männer. Unter den Mieter:innen waren 2025 rund 27 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer betroffen. Im Eigentum lag die Quote bei Frauen bei zehn Prozent und bei Männern bei acht Prozent.

Die Wohnkostenkrise trifft damit auf bestehende Einkommensunterschiede. Wer weniger bezahlt bekommt, kann steigende Mieten und Betriebskosten schwerer abfedern.
Das Momentum Institut empfiehlt einen wirksameren Mietpreisdeckel (maximal 2 Prozent Mietsteigerung pro Jahr in allen Segmenten) und einen deutlichen Ausbau des kommunalen und gemeinnützigen Wohnbaus. Befristete Mietverträge sollten nur noch in klar begründeten Ausnahmefällen erlaubt sein.
Darüber fordern die Momentum-Expert:innen eine wirksame Leerstandsabgaben, damit ungenutzte Wohnungen wieder auf den Wohnungsmarkt kommen. Auch der Betriebskostenkatalog müsse modernisiert werden: „Ausgaben, die dem Eigentum zuzurechnen sind, dürfen nicht länger auf Mieter:innen überwälzt werden.“
3 Postings
... '' ... 26,2 Prozent der Mieter:innen armutsgefährdet'' ... so geht also S O Z I A L GEMEINSCHAFT ...
der gesetzgeber muss halt ans mietrecht heran. ein frommer wunsch.
...genauso schauts aus in Österreich und im heiligen Land Tirol....sozialer Wohnbau ist nicht gewollt, sonst könnten gewisse Gruppen nicht mehr verdienen wie sie wollen.....
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