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Kritik an Abschuss eines besenderten Wolfs

Italienische Forscher beweisen, dass das Tier zur Zeit der „Sichtung“ nicht in Tirol sondern in Italien war.

Nach dem Abschuss eines besenderten Forschungswolfs im Bezirk Schwaz gibt es scharfe Kritik aus Italien sowie offene Fragen zur Grundlage des Abschusses. Der Zoologe Marco Apollonio bezeichnet den Abschuss gegenüber der Trentiner Online-Zeitung Il Dolomiti als „dumm und unnötig“ und spricht von einer „Respektlosigkeit“ gegenüber der wissenschaftlichen Arbeit.

Laut Apollonio handelte es sich bei dem getöteten Tier um den Forschungswolf Mirco, der Teil eines Langzeitprojekts im Nationalpark Dolomiti Bellunesi war. Für das Projekt sei der Abschuss ein schwerer Rückschlag, denn Fang und sichere Besenderung eines Wolfs erforderten Zeit, Geld und viele Arbeitsstunden.

Die Wertschätzung der Tiroler Behörden für das Forschungsteam und das Projekt liege „unter null“; der Abschuss sei ein „absurder Ausdruck von Geringschätzung“. Apollonio zählt zu den führenden Experten Italiens für große Beutegreifer.

Ein italienisches Forschungsteam hat die Tiroler Behörden zeitgerecht über die Ankunft des Forschungswolfs Mirco in Tirol informiert. Dennoch wurde das besenderte Tier, das nicht in der Nähe von Wohngebieten war, abgeschossen. Symbolfoto: iStock/Andyworks

Angesichts der scharfen Kritik aus Italien fordert der WWF eine vollständige und transparente Aufklärung durch die Tiroler Landesregierung. „Die Kritik aus Italien ist eine fachliche Ohrfeige für Tirols Abschusspolitik. Die Landesregierung muss lückenlos offenlegen, was die Behörden wann über das besenderte Tier wussten, wie Hinweise des Forschungsteams berücksichtigt wurden und auf welcher Grundlage der Abschuss des Forschungswolfs erfolgte. Wild sein ist kein Verbrechen“, sagt WWF-Experte Christian Pichler.

Besonders scharf kritisiert Apollonio die aus seiner Sicht fehlende fachliche Grundlage des Abschusses. Das Land Tirol hatte am 2. Juni eine Maßnahmenverordnung für einen „Risikowolf“ im Bezirk Schwaz erlassen, nachdem es im Gemeindegebiet von Schlitters wiederholt Sichtungen eines Wolfs in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern gegeben habe.

Apollonio stellt dem im Medienbericht gegenüber, Mirco sei am 2. Juni noch in der Provinz Bozen gewesen, „also weder in Tirol noch in Wohngebieten“. Einige Tage später habe das Forschungsteam die Behörden korrekt und zeitgerecht über die Ankunft Mircos in Tirol informiert. Mirco sei im Gebiet oberhalb von Schlitters gegen zwei Uhr morgens durchgezogen und habe seine letzten Tage vor dem Abschuss in einem Berggebiet auf rund 1.900 bis 2.100 Metern Seehöhe verbracht, „fern von jeder Ortschaft“.

Laut dem Forscher war Mirco ein junger Wolfsrüde, der im März gefangen und besendert wurde. Das Tier habe rund 31 Kilogramm gewogen und sein Herkunftsrudel im Gebiet von Cajada verlassen, um wie für junge Wölfe typisch ein neues Revier und eine Partnerin zu suchen. Dabei sei Mirco über Südtirol nach Österreich gewandert.

Laut Il Dolomiti war er eines von drei besenderten Tieren in einer Studie zum Verhalten von Wölfen. Das Projekt beruht demnach auf einer Vereinbarung zwischen dem Nationalpark Dolomiti Bellunesi, dem Department für Veterinärmedizin der Universität Sassari und der Provinzverwaltung Belluno.
 

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