Im Mai 2015 lieferte der Verein E-Tirol mit „Flugs“ den Startschuss für Carsharing in Osttirol. Damals stand gerade einmal ein E-Auto zur Verfügung, das am Stegergarten in Lienz parkte. Rund ein Jahr später übernahm die Regionalenergie Osttirol die Trägerschaft für das Projekt, bis heute verantwortet die Genossenschaft das Flugs-Modell.

In den letzten zehn Jahren ist die Fahrzeugflotte deutlich angewachsen, sodass derzeit zehn Fahrzeuge an zehn Standorten in Osttirol und Oberkärnten zur Verfügung stehen: Fünf davon befinden sich in Lienz, je ein Fahrzeug gibt es in Tristach, Nußdorf-Debant, Dellach im Drautal, Sillian sowie Matrei.
290 aktive Nutzer:innen
Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der Nutzer:innen, die Anfang 2017 bei rund 30 Personen und Firmen lag. Mittlerweile sind 1.200 Personen registriert, wie Nadine Stauder von der Regionalenergie Osttirol weiß. Davon sind aktuell 290 Menschen aktive Nutzer:innen, ca. die Hälfte davon hat das Angebot im letzten Jahr (Juni 2025 bis Juni 2026) mehr als 20 Mal gebucht.
Darunter befinden sich einige Stammkunden, die wöchentlich auf das Flugs-Fahrzeug zurückgreifen und mittlerweile gar kein eigenes Auto mehr besitzen. Bei der Hälfte dieser Nutzer:innen handelt es sich um Pensionist:innen. Auch einige Pärchen verwenden das Carsharing-Modell, um sich dadurch ein Zweitfahrzeug zu sparen.
Allerdings beschränkt sich die Nutzung nicht auf Einheimische: „In den Sommer- und Wintermonaten vermerken wir immer mehr Nutzer:innen, die hier auf Urlaub sind, mit den Öffis anreisen und vor Ort flexibel mit dem Flugs sein möchten. Hier haben wir auch schon Stammkunden, die den Flugs vor Ort jedes Jahr für eine ganze Sommerwoche buchen und mit der Bahn aus Deutschland anreisen“, so Stauder.
Weitere Personengruppen, die das Angebot nutzen, sind Führerscheinneulinge, für die ein eigenes Fahrzeug noch nicht leistbar ist, sowie Firmenkunden. Mittlerweile verwenden rund zehn große Unternehmen bzw. soziale Einrichtungen das Carsharing-Angebot für ihre Klient:innen oder für Dienstfahrten.
153.000 gefahrene Kilometer im letzten Jahr
Die verfügbaren Fahrzeugmodelle, der Renault Zoe, VW ID.3 und Cupra Born, unterscheiden sich hinsichtlich Reichweite, Standard und Ausstattung. Entsprechend werden für weitere Fahrten, wie beispielsweise nach Innsbruck, eher die VW- und Cupra-Modelle gebucht, wohingegen für kurze Stadttouren eher auf den Renault zurückgegriffen wird. Nicht alle Autos sind mit der Autobahnvignette ausgestattet, auch dieser Umstand beeinflusst die Wahl des Modells.
Jährlich werden pro Fahrzeug im Schnitt 15.300 Kilometer zurückgelegt, die Durchschnittsfahrzeit betrug im vergangenen Jahr knapp unter fünf Stunden. Vonseiten der Regionalenergie Osttirol ist man mit der Auslastung „sehr zufrieden“, wenngleich man sich immer über mehr interessierte Nutzer:innen freue: „Um so mehr Fahrten wir verzeichnen, um so eher kann man die Standorte erweitern. Beim Stegergarten in der Nähe des Bahnhofs haben wir beispielsweise zwei verfügbare Flugs-Parkplätze. Einer davon ist momentan besetzt. Wenn die Nutzerzahlen steigen, kann man auch hier eventuell über ein weiteres Carsharing-Fahrzeug nachdenken“, so Steger.
Doch nicht nur die Fahrzeug- und Nutzerzahlen haben sich im letzten Jahrzehnt verändert, auch die technischen Modalitäten waren einem Wandel unterzogen: Im Frühjahr 2021 wurde das Angebot etwa um die Buchungsapp „Moqo“ erweitert, dadurch werden unter anderem die digitale Führerscheinvalidierung und die Zahlung abgewickelt. Auch eine Schlüsselkarte ist für die Nutzung nicht mehr nötig, da das Aufsperren via App funktioniert.
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