Die Nordische Kombination ist nach mehr als 100 Jahren aus dem Olympia-Programm gestrichen worden. Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstag in Lausanne mitteilte, wird die traditionsreiche Sportart bei den Winterspielen 2030 in den französischen Alpen nicht mehr vertreten sein.
„Die heutige Entscheidung des IOC ist eine Hiobsbotschaft für den österreichischen Wintersport und ein schwerer Schlag für die Nordische Kombination“, sagte ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher über die Sportart aus Skispringen und Langlaufen, die auch 1924 bei den ersten Olympischen Winterspielen vertreten war. Kaum eine andere Disziplin stehe so sehr für Tradition und eine österreichische Erfolgsgeschichte wie diese. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass die sichtbare Weiterentwicklung dieser Sportart nicht ausreichend berücksichtigt wurde.“ Insgesamt brachten es die rot-weiß-roten Kombinierer auf 19 Medaillen: 3 in Gold, 4 in Silber und 12 in Bronze.
Gesamtweltcupsieger Lamparter niedergeschlagen
Auch Johannes Lamparter, der bei den Winterspielen in Italien im Februar zweimal Silber sowie einmal Bronze gewonnen hatte, war betrübt. „Das war ein Schlag ins Gesicht. Die Entscheidung haben wir alle nicht so erwartet“, sagte der Gesamtweltcupsieger. „Wie in jeder Sportart ist Olympia das Große. Die Begründung verstehe ich nicht. Das tut gerade ein bissl weh.“ Der 24-jährige Tiroler sprach von einem Traum, "der uns genommen wird". Man fühle sich innerlich leer, ergänzte er. "Jetzt ist die Frage, wie es mit der Sportart weitergeht. Das weiß niemand." Für die Vorbereitung auf die kommende Weltcup-Saison inklusive WM in Falun bleibe bei Lamparter aber alles gleich.
Die Nordische Kombination sei laut Studien beim Publikum die unbeliebteste Sportart der Winterspiele 2014, 2018, 2022 und 2026 gewesen, begründete das IOC seine Entscheidung. „Bei den letzten Olympischen Winterspielen war sie in elf der 14 bewerteten Beliebtheitsindikatoren die Sportart mit den niedrigsten Werten“, hieß es in einer Erklärung. In Italien durften nur die männlichen Kombinierer starten. Darüber hinaus konzentriere sich die Sportart zu sehr auf nur wenige Länder, erklärte das IOC. „Wir wissen und können vollkommen nachvollziehen, dass das eine Enttäuschung sein mag“, sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry und fügte hinzu, sie habe den Verantwortlichen der Nordischen Kombination mitgeteilt, dass „die Möglichkeit für 2034 immer offen ist“.

„Herber Schlag“ laut Nussbaumer
ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer bedauerte die Entscheidung ebenfalls. „Wir haben bis zuletzt gemeinsam mit Ski Austria auf allen Ebenen gekämpft, hatten erst letzte Woche einen gemeinsamen Austausch mit dem neuen FIS-Präsidenten und haben uns auch bei unserem Besuch bei IOC-Präsidentin Kirsty Coventry Mitte Juni stark gemacht“, sagte er. Dass dieser Einsatz vergeblich war, sei ein herber Schlag für die Athletinnen und Athleten. „Klar ist, dass wir gemeinsam mit Ski Austria die Nordische Kombination in dieser schwierigen Phase unterstützen werden, um den Weg zurück ins Olympia-Programm zu finden“, ergänzte Nussbaumer.
FIS-Präsident Alexander Ospelt sprach ebenfalls von einer großen Enttäuschung. Man werde „alles in unserer Macht Stehende tun“, um die vom IOC aufgezeigten Herausforderungen zu bewältigen, „und wir werden hart daran arbeiten, die Nordische Kombination 2034 wieder bei den Olympischen Winterspielen zu sehen“, betonte Ospelt.
Wohlgemut will Nordische Kombination zurückbringen
„Diese Entscheidung ist ein schwerer Schlag für eine traditionsreiche Wintersportdisziplin und für viele Athletinnen und Athleten, die über Jahre hinweg mit enormem Einsatz auf olympische Ziele hinarbeiten.“, so Tiroler Landeshauptmannstellvertreter und Sportreferent Philip Wohlgemuth. Die Kombination aus Skispringen und Langlauf sei eine Königsdisziplin, die Teil des olympischen Programmes sein solle.
Rahmenbedingungen für eine konsequente Nachwuchsarbeit müsse gesichert werden und die Leistungen und Disziplin der Athlet:innen weiterhin wertgeschätzt werden. „Tirol wird seinen Beitrag dazu leisten“, erklärt Wohlgemuth.
Große Enttäuschung sieht der Tiroler Sportreferent darin, dass bei den Olympischen Winterspielen 2030 eine Teilnahme der Frauen in der nordischen Kombination erstmals realistisch gewesen wäre. Die Möglichkeit bestehe nun nicht mehr. Wohlgemuth sieht darin einen klaren Rückschritt im Einsatz für mehr Chancengleichheit im Sport. Bei den Winterspielen 2030 wolle das IOC Chancengleichheit durch eine Geschlechterparität erreichen. Das heißt, die Startplätze werden zu gleichen Teilen zwischen Männern und Frauen verteilt.
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